GLOBAL 2000-Test: Quecksilber in österreichischem Fisch

Sechs von acht Fisch-Proben mit Belastungen über der Umweltqualitätsnorm. GLOBAL 2000 fordert Ausstieg aus Kohlestromerzeugung.

Wien (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat heimischen Fisch auf Quecksilber untersucht und wurde fündig: In allen acht Proben wurde Quecksilber nachgewiesen, in sechs von acht Proben lag die Belastung über der Umweltqualitätsnorm, die für gefährliche Stoffe gemäß der Wasserrahmenrichtlinie festlegt wurde.1 Die Überschreitungen liegen bis zum Zehnfachen über den festgelegten Werten. Weltweit sind die Hauptfaktoren für menschliche Quecksilberemissionen der Goldbergbau und die Verbrennung von Kohle, substantielle Mengen kommen auch durch Vulkanausbrüche in Umlauf. In Europa und Österreich sind die Industrie und die Verbrennung von Kohle bei der Stromerzeugung hauptverantwortlich für die jährlich neu hinzukommenden Quecksilber-Emissionen. "Es bereitet mir große Sorge, dass durch die Verbrennung von Kohle weiter große Mengen Quecksilber in die Umwelt gelangen und sich dort anreichern", appelliert daher Wahlmüller an die Politik: "Bundeskanzler Faymann muss sich auf EU-Ebene für ambitionierte Klima- und Energieziele bis 2030 einsetzen, damit der Ausstieg aus der Kohleverstromung rasch beginnen kann. Auch Verbund-Chef Anzengruber rufen wir auf, einen Ausstieg aus den noch laufenden Kohlekraftwerken nicht mehr länger hinauszuschieben."

Mit Quecksilber belastet: Fisch aus österreichischen Gewässern

Laut einem aktuellen UN-Bericht gelangen jährlich mindestens 1.000 Tonnen Quecksilber ins Wasser, wo es sich unter anderem in Fischen anreichert.2 Der Mensch nimmt Quecksilber in der Folge hauptsächlich durch Fischverzehr auf. GLOBAL 2000 untersuchte sieben Gewässer und entnahm dabei acht Fischproben von typischen österreichischen Fischen wie Saibling, Karpfen oder Forelle. Die Aitln (karpfenähnliche Fische) aus der Donau nahe Wien und die Saiblinge aus dem Attersee wiesen mit einer Belastung von 190 bzw. 180 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht besonders hohe Überschreitungen auf und lagen somit das 9,5 bzw. das Neunfache über der Umweltqualitätsnorm von 20 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht. Bachforellen aus dem Kamp und Felchen aus dem Bodensee wiesen eine Quecksilberbelastung von 82 bzw. 86 Mikrogramm pro Kilogramm Frischgewicht auf und lagen damit mehr als das Vierfache über der Umweltqualitätsnorm. Karpfen aus dem Neusiedlersee kamen mit 55 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht auf mehr als die doppelte Belastung gegenüber der Umweltqualitätsnorm. Lediglich Regenbogenforellen und Bachforellen aus der Ois, einem Zubringer der Ybbs, wiesen mit Quecksilberwerten von 14 bzw. zwölf Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Frischgewicht Belastungen unter der Umweltqualitätsnorm auf.

Quecksilber besonders gefährliches Umweltgift

Quecksilber wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als eine der zehn größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit eingestuft. Über biologische Prozesse wird es in das toxische Methylquecksilber verwandelt. Untersuchungen zeigen, dass Quecksilber im Fisch zu etwa 70 bis 100 Prozent als giftiges Methylquecksilber vorliegt. Die jetzt gemessenen Werte decken sich dabei mit vergangenen Studien, die ebenfalls erhöhte Quecksilberwerte feststellten, liegen aber noch unter den für Lebensmittel als gefährlich eingestuften Werten von 500 Mikrogramm pro Kilogramm Frischgewicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legte allerdings als "vorübergehend tolerierbare wöchentliche Aufnahme" den Wert von 1,6 Mikrogramm Methylquecksilber pro Kilogramm Körpergewicht fest. Überschreitungen dieses Wertes sind hier bei überdurchschnittlich starkem Fischkonsum nicht auszuschließen. Für ein 25 Kilogramm schweres Schulkind liegt beispielsweise die akzeptable wöchentliche Aufnahmemenge bei 40 Mikrogramm. Diese Wochenmenge wäre aber bereits beim Genuss von 250 Gramm des Saiblings vom Attersee - das entspricht einem mittelgroßen Exemplar - überschritten. Bei regelmäßiger Überschreitung dieses Werts sieht die WHO ein Risiko für eine Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung (Entwicklungsneurotoxizität).

Bei empfindlichen Gruppen, wie zum Beispiel schwangeren Frauen, ist ebenfalls besondere Vorsicht angebracht. Das neurotoxische Methylquecksilber kann die Blut-, Hirn- und Plazentaschranke überwinden. Verringertes Gehirn- und Nervenwachstum von Ungeborenen ist die Folge. "Die US-Gesundheitsbehörde warnt bereits davor, stark quecksilberhaltige Fischarten während der Schwangerschaft zu essen. Quecksilber stellt vor allem für Föten im Mutterleib besondere Risiken dar, da es die Plazentaschranke überwinden kann. Deshalb sollte insbesondere während der Schwangerschaft darauf geachtet werden, stark quecksilberhaltige Fische zu meiden. Das betrifft vor allem Raubfische, die alt werden können", so Wahlmüller abschließend.

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