ORF-III-Dokumontag: Naziverbrechern auf der Spur

Mit den Dokus "Killing Nazis", "Büro 06 - Die Architekten des Eichmann-Prozesses" und "Hafners Paradies"

Wien (OTS) - Am Montag, dem 6. Oktober 2014, widmet ORF III Kultur und Information seinen Doku-Hauptabend der Jagd nach Kriegsverbrechern. Drei Dokumentationen beleuchten sehr unterschiedliche Versuche, dem Bösen auf die Spur zu kommen, und zeigen, dass die Frage nach Vergeltung und Gerechtigkeit äußerst verschiedene Antworten bringt. Um 20.15 Uhr zeigt "Killing Nazis" in österreichischer Erstausstrahlung die Geschichte des Wieners Alfred Müller, der vor dem Holocaust nach Palästina floh, um bei seiner Rückkehr nach 1945 als wahrer "Inglourious Basterd" mit seiner Einheit blutige Rache an ehemaligen SS- und Gestapoangehörigen zu üben. Die deutschsprachige Free-TV-Premiere "Büro 06 - Die Architekten des Eichmann-Prozesses" beleuchtet danach um 21.05 Uhr die Arbeit jener israelischen Ermittler, die den international wohl bekanntesten Prozess des 20. Jahrhunderts vorbereiteten und führten. Den Abschluss macht mit "Hafners Paradies" um 22.10 Uhr eine Dokumentation, die das Böse auf ungewöhnlich intime Art und Weise erkundet, indem sie ein eindringliches und zugleich distanziertes Porträt eines nur vorgeblich harmlosen alten Herrn schafft, der ideologisch unbekehrbar seiner Vergangenheit als SS-Offizier nachhängt.

Die Sendungen im Detail:

"Killing Nazis" (20.15 Uhr)

Der Film "Killing Nazis" erzählt die reale Geschichte eines wahren "Inglourious Basterd", des heute 91-jährigen Alfred Müller aus Wien-Ottakring. Als Jugendlicher vor den Nazis nach Palästina geflüchtet, wurde er im Exil zu Chaim Miller und in einer Spezialeinheit der britischen Armee ausgebildet. 1945 kehrte er als Soldat der "Jüdischen Brigaden" zurück nach Österreich, wo seine Eltern im Holocaust ermordet wurden. Alfred Müller übte mit seiner Einheit in Selbstjustiz Rache, indem er Dutzende SS- und Gestapoangehörige aufspürte, entführte, verhörte und ermordete.

"Büro 06 - Die Architekten des Eichmann-Prozesses" (21.05 Uhr)

Diese Dokumentation rollt den Jahrhundertprozess gegen Adolf Eichmann aus der Perspektive des israelischen Polizei-Büros 06 auf. Die Mitarbeiter dieser Abteilung waren sozusagen die Architekten des Verfahrens, das einen Meilenstein in der weltweiten Aufarbeitung der NS-Verbrechen darstellte. Im Zentrum des Films stehen die israelischen Ermittler, allen voran Avner Less, der Eichmann später verhörte.

"Hafners Paradies" (22.10 Uhr)

Die Dokumentation - eine bestürzende Reise in die Abgründe des Bösen - mutet zunächst als beschauliches Porträt des 84-jährigen Paul Hafner an, der seit mehr als 50 Jahren in Spanien lebt. Doch das Bild eines harmlosen, netten alten Herrn bröckelt schnell ab. Der Film über den ehemaligen SS-Offizier Paul Maria Hafner zeigt das vielschichtige Psychogramm eines gewitzten, berechnenden alten Mannes, für den Hitler die "rationalste Figur der Weltgeschichte" ist. Hafner leugnet den Holocaust selbst bei einem Treffen mit einem ehemaligen Häftling aus dem KZ Dachau. Dem Salzburger Dokumentarfilmer Günter Schwaiger gelang eine aufschlussreiche filmische Tour de Force, die ein diffiziles Gleichgewicht zwischen teilnehmender Beobachtung und dezidierter Distanzierung, bitterem Humor und offenem Schaudern, Tabubrüchen und nüchterner Analyse hält.

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