"Kulturmontag" über Duett-Mania der Superstars, "Degrowth"-Bewegung und Jahrhundertfrau Lotte Lenya

Außerdem: Neue Ausgabe "les.art" und Doku "Mauerhase" thematisieren 25 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs

Wien (OTS) - Einen abwechslungsreichen "Kulturmontag" präsentiert Clarissa Stadler am 6. Oktober 2014 ab 22.30 Uhr in ORF 2: Die Sendung berichtet u. a. über den aktuellen Erfolg musikalischer Paarläufe, wie ihn derzeit Stars wie Barbra Streisand, Tony Bennett und Lady Gaga hinlegen, über die wachsende "Degrowth"-Bewegung, die eine Alternative zur Konsumgesellschaft bieten will, oder über den fast schon in Vergessenheit geratenen österreichischen Weltstar Lotte Lenya, dem Schauspielerin Andrea Eckert einen Soloabend im Schauspielhaus widmet. Im Anschluss an das Magazin steht um 23.00 Uhr eine neue Ausgabe des Literaturtalks "les.art" auf dem Programm, in der Christian Ankowitsch - diesmal anlässlich 25 Jahre Fall des Eisernen Vorhangs aus St. Margarethen - die Autoren Lutz Seiler und Ines Geipel mit ihren themenaffinen neuen Büchern begrüßt. Dazu passend folgt um 23.30 Uhr die Dokumentation "Mauerhase", die die Geschichte der deutschen Teilung aus der Sicht von Zehntausenden Wildkaninchen erzählt. Diese behaupteten sich 28 Jahre lang zwischen Mauerbau und Mauerfall auf den Grenz-Todesstreifen in Berlin.

Paarlauf-Rekorde der Superstars: Streisand, Bennett, Gaga und Co. lassen die Kassen klingeln

Barbra Streisand hat mit 72 wieder einmal einen Rekord gebrochen: Mit ihrem aktuellen Duettalbum "Partners", für das sie Klassiker ihres Repertoires mit prominenten Kollegen wie Stevie Wonder, Billy Joel oder Lionel Richie, aber auch mit der Stimme des toten "King of Rock 'n' Roll" Elvis Presley aufnahm, landete die Diva ihr zehntes Nummer-eins-Album in den USA. Als Duettpartner lassen derzeit auch der 88-jährige Tony Bennett und die um sechs Dekaden jüngere Lady Gaga aufhorchen. Kürzlich erschien ihr gemeinsames Jazz-Album "Cheek to Cheek". Auch Lionel Richie und Barry Manilow legen demnächst Duettalben vor. Ist die aktuelle Duett-Mania nur gezieltes Marketingkalkül, um höchst unterschiedliche Fangruppen gleichzeitig anzusprechen - oder potenziert sich hier künstlerisches Genie? Der "Kulturmontag" hinterfragt das Geschäft mit den hochkarätigen Paarläufen.

"Degrowth": Das globale Gesundschrumpfen

Der Kapitalismus heutiger Prägung ist schon bald tot! Das prophezeit der US-Starökonom Jeremy Rifkin, Bestsellerautor und einer der führenden Intellektuellen der USA. Wenn auch viele der Thesen des Berufsvisionärs in Zweifel zu ziehen sind, spiegeln sie doch einen Paradigmenwechsel. Denn: Mehr Wirtschaftswachstum bedeutet nicht automatisch mehr Lebensqualität, und ein hohes Bruttoinlandsprodukt ist kein Garant mehr für ein "gutes Leben". "Degrowth" nennt sich eine neue Bewegung, die angesichts Klimawandels, Artensterbens, demografischer Veränderungen und der Finanzkrise grenzenloses Wachstum infrage stellt. Im Zentrum steht die Zusammenarbeit von Wissenschaftern, Künstlern und Aktivisten beiderlei Geschlechts. Der "Kulturmontag" beleuchtet das globale Umdenken - im Interview: Jeremy Rifkin, Internet-Kritiker Sascha Lobo und "Degrowth"-Frontfrau Barbara Muraca.

Wer war Lotte Lenya? Andrea Eckert erinnert an Brechts "Seeräuber-Jenny"

Mit dem weltberühmten Komponisten Kurt Weill war Lotte Lenya zweimal verheiratet, für viele ist sie bis heute die Stimme seiner gesellschaftspolitischen Songs. Mit ihrer antibürgerlichen, provozierenden Haltung und ihrem verruchten Image war die Schauspielerin und Sängerin der Inbegriff der so genannten wilden 1920er Jahre. Von der Wiener Ameisgasse, wo sie geboren wurde, brach Lenya auf, um Berlin, Paris und schließlich den New Yorker Broadway zu erobern. Nun gestaltet Publikumsliebling Andrea Eckert im Wiener Schauspielhaus einen Soloabend, um den fast vergessenen Weltstar aus Wien in Erinnerung zu rufen. Der "Kulturmontag" berichtet über Lotte Lenya, die als Brechts "Seeräuber-Jenny", als Fräulein Schneider in "Cabaret" und als KGB-Agentin Rosa Klebb im Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau" Furore machte.

"les.art" mit Lutz Seiler und Ines Geipel über 25 Jahre Fall des Eisern Vorhangs (23.00 Uhr)

Im August 1989 fand im Burgenland das sogenannte Paneuropäische Picknick statt - eine Freundschaftsveranstaltung zwischen Ungarn und Österreich, in deren Verlauf 640 DDR-Bürger in den Westen flüchteten. Drei Monate später fiel die Berliner Mauer. "les.art" spürt diesen Ereignissen nach, die sich zum 25. Mal jähren. Die sechste Ausgabe des von Christian Ankowitsch moderierten ORF-Literaturtalks findet diesmal in St. Margarethen statt, jenem Ort nahe der ungarischen Grenze, wo die Dinge ihren Lauf genommen haben.
Der Schriftsteller Lutz Seiler - ein vielbesprochener Kandidat für den diesjährigen Deutschen Buchpreis - stellt seinen ersten Roman "Kruso" vor, in dem ein Bogen vom Sommer 89 bis in die Gegenwart geschlagen wird. Ebenfalls zu Gast ist die ehemalige Spitzensportlerin Ines Geipel. Die Publizistin floh 1989 nach Westdeutschland und studierte Philosophie und Soziologie. 2000 war sie Nebenklägerin im Prozess gegen die Drahtzieher des DDR-Zwangsdopings. In ihrem jüngst erschienenen Buch "Generation Mauer" beschreibt sie das Lebensgefühl ihrer Generation.

"Mauerhase": Eine faszinierende Parabel (23.30 Uhr)

Die deutsch-polnische Dokumentation von Bartek Konopka, die 2010 für den Oscar in der Kategorie "Bester Kurzdokumentarfilm" nominiert war, zeigt ein paradiesisches Leben in der bestbewachten Graslandschaft der Welt: Zehntausende Wildkaninchen behaupteten sich 28 Jahre lang zwischen Mauerbau und Mauerfall auf dem Grenz-Todesstreifen in Berlin gegen die Zumutungen politischer Didaktik. Der Film erzählt die Geschichte der deutschen Teilung konsequent aus der Sicht der sich sprichwörtlich vermehrenden "Karnickel". Ohne natürliche Feinde, geschützt auch vor Jägern und Hunden durch Stacheldraht, wurden die meisten von ihnen faul und richteten sich ein in diesem Leben. Andere gruben unterirdische Fluchtwege in die Freiheit. Als die Grenze 1989 in einer kalten Novembernacht fiel, wurden die Mauerhasen plötzlich heimatlos und mussten sich im Westen der Stadt völlig neu orientieren.

Der "Kulturmontag" - produziert in HD - wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

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