TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 3. Oktober 2014 von Christian Jentsch - Der IS und der Pakt mit dem Bösen

Innsbruck (OTS) - Utl: Die Welt zittert vor dem Islamischen Staat. Doch die Gotteskrieger der Terrormiliz IS sind nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Das Monster wurde geschaffen und wird immer noch gefüttert.

Ein Monster geht um in der arabischen Welt. Gotteskrieger der Terrormiliz Islamischer Staat haben große Gebiete in Syrien und im Irak unter ihre Kontrolle gebracht und dort eine Schreckensherrschaft etabliert. Andersgläubige werden vertrieben oder getötet, öffentliche Hinrichtungen stehen an der Tagesordnung. Und der Machthunger der Jihadisten ist noch lange nicht gestillt, die Miliz bläst zum Sturm auf die Kurdengebiete in Syrien und steht kurz vor Bagdad. Das Kalifat des Schreckens scheint seine Grenzen unaufhaltsam auszuweiten. Und nicht nur die arabische Welt zittert vor den Extremisten. Auch der Westen fühlt sich bedroht und fürchtet neue Anschläge. Fanatiker aus Europa schließen sich dem Kampf der Extremisten an, den Ungläubigen wird der Kampf angesagt.
Der Westen ist mittlerweile wieder in einen Krieg gegen den Terror gezogen. Eine von den USA angeführte Allianz, an der auch fünf arabische Staaten beteiligt sind, versucht mit Luftschlägen und einer Aufrüstung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak den Vorstoß des IS zu stoppen.
Doch die Gotteskrieger des IS sind nicht vom Himmel gefallen. Das Monster, das heute die Welt in Angst und Schrecken versetzt, wurde geschaffen und von der Kette gelassen. Der Terror erwuchs nicht zuletzt aus den Trümmern des Irakkriegs und eines bluttriefenden Bürgerkriegs in Syrien, bei dem bereits an die 200.000 Menschen getötet wurden und der ein ganzes Land regelrecht verwüstet hat. Der Aufstieg des IS wurde lange Zeit gefördert und sein weiterer Vormarsch wird immer noch nicht von allen Seiten behindert. Der Pakt mit dem Bösen ist aufrecht.
So scheinen die Kurden in Syrien ihren ungleichen Kampf gegen die brutalen Gotteskrieger des IS in diesen Tagen endgültig zu verlieren. Vor allem weil ihnen aus machtpolitischen Überlegungen kaum Hilfe gewährt wurde. Die Türkei will keine PKK-nahen kurdischen Kämpfer in Syrien unterstützen und auch die Hilfe der westlichen Anti-IS-Allianz hält sich in Grenzen. Die syrischen Kurden werden zum Kanonenfutter und die große Politik schaut weg. Auch Syriens Präsident Bashar al-Assad, dessen Regime die Terrormiliz IS im Kampf gegen die moderaten Rebellengruppen lange Zeit unterstützt hatte, kann sich zufrieden die Hände reiben. Sein Sturz steht nicht mehr auf der Agenda. Dass radikale Gotteskrieger in Syrien auch von der Arabischen Halbinsel Unterstützung erhielten, um damit den Iran zu Schach zu halten, ist auch bekannt.
Der Pakt mit dem Bösen hat ein neues Monster geschaffen.

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