Öffentliche Sitzung der Bioethikkommission zum Thema Lebensende am 6. Oktober 2014

Wien (OTS) - Die Bioethikkommission hat nach ihrer Neukonstituierung im März dieses Jahres mit der Diskussion zum Thema "Lebensende" begonnen. Ausgangspunkt ist der Auftrag der Bundesregierung an die Kommission, sich mit der Frage des Grundrechts auf Sterben in Würde zu befassen.

Um auch die österreichische Bevölkerung in die Diskussionen einzubinden, lädt die Vorsitzende der Kommission, Christiane Druml, Vizerektorin der Medizinischen Universität Wien, am 6. Oktober 2014 zu einer öffentlichen Sitzung zum Thema Lebensende ein, bei der Expertinnen und Experten aus der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden referieren. Inhalt der Veranstaltung ist, die gegenwärtigen Diskussionen in Europa abzubilden. Damit erfüllt die Kommission ihr Mandat, die Öffentlichkeit über aktuelle bioethische Fragen zu informieren. Um umfassend über das Thema Lebensende in Europa Kenntnis zu haben, werden einerseits die aktuellen Diskussionen zum assistierten Suizid aus dem Deutschen Ethikrat von dessen Vorsitzenden, Christiane Woopen, berichtet sowie die Euthanasiedebatte in den Niederlanden von Inez de Beaufort, Professorin für Medizinische Ethik an der Erasmus-Universität Rotterdam und Mitglied der European Group on Ethics, vorgestellt. Andreas Valentin, Mitglied der Bioethikkommission und Mitverfasser des im Mai 2014 publizierten Leitfadens des Europarates zum Prozess der Entscheidungsfindung zur medizinischen Behandlung am Lebensende, wird Entstehung und Inhalt dieses Dokuments referieren.

Die Bioethikkommission legt einen Schwerpunkt darauf, vor allem medizinische Entscheidungen im Alltag zu thematisieren. Inwieweit hat die heutige High-Tech-Medizin den Grenzbereich zwischen Leben und Tod verschoben? Handelt es sich dabei häufig nicht eher um eine Verlängerung des Sterbeprozesses als um eine Lebensverlängerung mit der Chance der Rückkehr in ein für den Betroffenen zufriedenstellendes Leben? Wie hält das Rechtssystem mit den Entwicklungen der Medizin Schritt? Das Lebensende ist meist kein plötzlicher, klar eingegrenzter Zeitpunkt, sondern eine Lebensphase, die durch die medizinischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte wie Organunterstützung und Organersatz sowie moderne Medikamente große Veränderungen erfahren hat.

Das Sterben erscheint immer weniger als natürliches Ereignis, sondern als ein medizinisch-technisch gestalteter Prozess. Die Bioethikkommission hat daher bereits 2011 ein einstimmiges Dokument mit Empfehlungen für eine neue Terminologie verabschiedet. Nunmehr richtet sich der Fokus der Diskussion auf die medizinischen Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen medizinischer Indikation und Autonomie. Daraus resultiert eine der zentralen Fragen in der Betreuung und Begleitung von Menschen am Lebensende. Dem Bereich Palliativmedizin und Hospizwesen ist einer der Vorträge gewidmet, der von einem der führenden Palliativmediziner Europas, Gian Domenico Borasio von der Universität Lausanne, gehalten wird.

Die Bioethikkommission verfolgt damit das Ziel, exemplarisch die komplexen Fragestellungen zum Thema Lebensende in einer differenzierten und sorgfältigen Erörterung des gegenwärtigen Diskurses in Europa darzustellen.

Das Programm sowie das Live-Streaming der Sitzung sind auf der Webseite der Kommission unter www.bundeskanzleramt.at/bioethik/veranstaltungen abrufbar.

Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind zur öffentlichen Sitzung der Kommission herzlich eingeladen. Bilder zu dieser Veranstaltung werden im Anschluss daran über das Fotoservice des Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at, kostenfrei abrufbar sein.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Dr. Doris Wolfslehner
Leiterin der Geschäftsstelle der Bioethikkommission
im Bundeskanzleramt
Tel.: +43 1 531 15 202987
E-Mail: doris.wolfslehner@bka.gv.at

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