Gewerbe und Handwerk leiden unter der Flaute

Ein Drittel der Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe verzeichnet Rückgänge. Spartenobmann Kronlechner fordert Unterstützung und kritisiert den KWF.

Klagenfurt (OTS) - 339 Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe mit 4.285 Beschäftigten wurden im Auftrag der WK-Sparte Gewerbe und Handwerk in den vergangenen Wochen vom Konjunkturforschungsinstitut KMU Forschung Austria befragt. Das Ergebnis ist alarmierend: Mit einem wertmäßigen Minus von 4,5 Prozent bei den Auftragseingängen im Vergleich zum Vorjahr setzt sich der Abwärtstrend vom Vorjahr fort. Damals hatten die Betriebe ein Minus von 3,4 Prozent in ihren Auftragsbüchern zu verbuchen.

Klaus Peter Kronlechner, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Kärntner Wirtschafskammer: "Die Situation ist ernst. Schon die Ergebnisse im vergangenen Jahr waren erschreckend - und nun ist das Minus noch größer geworden." Dazu komme, dass die Unternehmer auch in den kommenden Monaten mit keinen großen Sprüngen rechnen. Mehr als die Hälfte der Betriebe erwartet, dass die Geschäftslage auf dem schwachen Niveau des Vorjahres bleiben wird; 32 Prozent rechnen sogar mit weiteren Rückgängen. Nur elf Prozent der befragten Unternehmer gehen im heurigen vierten Quartal von höheren Umsätzen aus als im vierten Quartal 2013.

Konsumnaher Bereich stark betroffen
"Insgesamt sind das keine guten Vorzeichen für unsere Branche", warnt Kronlechner. "Vor allem wenn man bedenkt, dass das Gewerbe eine eher konjunkturresistente Branche ist. Unsere Unternehmen sind dafür bekannt, ihre Mitarbeiterzahl auch in konjunktur-schwachen Zeiten zu halten. Doch wenn es so weitergeht, wird an einem Arbeitsplatzabbau kein Weg vorbeiführen."
Besonders betroffen sind Betriebe im konsumnahen Bereich: 39 Prozent von ihnen vermelden Umsatzrückgänge (im Vergleich zum dritten Quartal 2013). 54 Prozent verzeichneten keine Veränderung und nur sieben Prozent können sich über Umsatzsteigerungen freuen. "So schlecht war die Auftragslage schon lange nicht mehr, viele Menschen lassen sich auch durch die täglichen negativen Schlagzeilen von Investitionen abhalten", bringt es Kronlechner auf den Punkt. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres um 6,6 Prozent zurückgegangen. Schon im Vorjahr gab es hier ein Minus von 4,9 Prozent.

Doch woran liegt es, dass die Umsätze dermaßen zurückgehen? Zu einem großen Teil an der allgemeinen Wirtschaftsflaute und der schwachen Konjunkturentwicklung. Doch auch die Rahmenbedingungen tragen ihren Teil dazu bei: Einerseits sind die Aufträge der öffentlichen Hand weiterhin rückläufig und andererseits hat der heuer eingeführte Handwerker-Bonus noch nicht in dem Ausmaß gegriffen, wie es sich die Wirtschaft gewünscht hätte. Erst 3,3 Millionen von den zehn Millionen, die von der Bundesregierung bereitgestellt wurden, seien bislang ausbezahlt.

"Das ist auch ein Indikator für die derzeit schwache Nachfrage", so Kronlechner. Um den Handwerkerbonus - und damit auch die Wirtschaft -stärker in Schwung zu bringen, fordert er eine Ausweitung der förderbaren Projekte: "Es ist nicht einzusehen, warum Neubauten oder die Renovierung und Erhaltung von Außenanlagen - wie zum Beispiel die Errichtung eines Zauns - nicht gefördert werden. Die strengen Richtlinien tragen mit Sicherheit dazu bei, dass viele Investitionen nicht umgesetzt wurden."

Konkret wurden österreichweit bisher etwa 4.700 Handwerkerbonus-Anträge mit einem förderbaren Wert von rund 1,9 Millionen Euro genehmigt, weitere 3500 Anträge befinden sich derzeit in Bearbeitung bei den Bausparkassen. In Kärnten wurden bisher 573 Anträge für den Handwerkerbonus gestellt. Kronlechner: "Man sollte allerdings die Investitionshöchstsumme von 3000 Euro auf 6000 Euro wie in Deutschland anheben - das ist eher ein Anreiz, auf renommierte Handwerksbetriebe zurückzugreifen und nicht zum Pfuscher zu gehen, der keinerlei Gewährleistung bietet."

Realitätsferne Förderkriterien
Um die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe zu unterstützen, müsse aber noch mehr getan werden. "Was wir jetzt brauchen, ist Unterstützung durch die Politik." Doch genau das Gegenteil sei der Fall. So wurden die Förderungen für Gewerbebetriebe durch den Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds (KWF) in den vergangenen Jahren massiv zurückgefahren. 2013 erhielten die Kärntner Gewerbe- und Handwerksbetriebe nur neun Prozent der KWF-Fördermittel.

"Vor einigen Jahren gingen noch mehr als ein Viertel der Fördermittel an unsere Betriebe, mittlerweile gibt es kaum noch Unterstützung für unsere regionalen Klein- und Mittelunter-nehmen", ärgert sich Kronlechner. "Offenbar ist den Verantwortlichen nicht bewusst, welch enorme Bedeutung die Gewerbebetriebe für das Land haben: Über 12.800 Betriebe beschäftigen rund 55.000 Menschen in Kärnten. Damit sind wir der größte Arbeitgeber im Land - und bilden noch dazu mehr als die Hälfte aller Lehrlinge in Kärnten aus. Von den 31.000 Betrieben in Kärnten gehören 14.800 zum Gewerbe und Handwerk - wir erwarten, dass das auch in der Förderkulisse des KWF zum Ausdruck kommt."

Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass die Förderungen an Klein-und Mittelunternehmen nachhaltige Effekte für die gesamte Kärntner Wirtschaft haben: Durch jeden Förder-Euro, der an Gewerbebetriebe geht, werden Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen ermöglicht. "Trotzdem wird es den Betrieben unglaublich schwer gemacht, Förderungen zu erhalten."

Auch die geplante Kleinstunternehmerförderung des KWF sorgt für Kopfschütteln in der Branche. "Man muss es ganz klar sagen: Die Förderkriterien sind absolut realitätsfern und verfehlen den Förderbedarf unserer Betriebe." So wurde die Mindestinvestitionssumme auf 10.000 Euro erhöht (bisher 5.000 Euro) und der Investitionskostenzuschuss von zehn Prozent auf 7,5 Prozent gesenkt. "Das ist eine dramatische Verschlechterung bei der Unterstützung unserer Klein- und Kleinstunternehmen."

Zusätzlich wurden bürokratische Hindernisse eingebaut: So müssen Unternehmer, die eine Kleinstunternehmerförderung beantragen, zwingend einen ERP-Kredit in Anspruch nehmen. "Dadurch fallen für die Unternehmer weitere Gebühren an und es dauert noch länger, bis ein Förderantrag abgewickelt ist. Eine unternehmerfreundliche Förderung sieht anders aus", so Kronlechner.

Besonders ärgerlich ist auch die Tatsache, dass alle gewerblichen Dienstleister in Kärnten von der Förderung explizit ausgeschlossen sind. Dabei handelt es sich mit fast 7000 Mitgliedern um die größte Fachgruppe der Sparte Gewerbe und Handwerk. "Es ist uns völlig unverständlich, warum diese wichtige Fachgruppe keinen Anspruch auf Förderung haben soll", ärgert sich Kronlechner.

Einschränkungen gibt es künftig auch bei der Weiterbildung von Unternehmern: Sie können nur mehr für Ausbildungen eine Förderung beantragen, die bei zertifizierten Ausbildungs-einrichtungen besucht wurden. Kronlechner: ""Das ist noch eine bürokratische Hürde mehr und ebenso realitätsfern. Den Unternehmern werden damit noch mehr Steine in den Weg gelegt." Dennoch appellierte Kronlechner an seine Unternehmerkollegen, guten Mutes in die Zukunft zu blicken: "Ich kenne viele Betriebe, die trotz mühsamer Rahmenbedingungen gute Ergebnisse erzielen. Mein Ende September abgelaufenes Geschäftsjahr war das beste in meiner 32-jährigen Unternehmerlaufbahn. Man muss allerdings neue Märkte aufbauen und die Komfortzone verlassen."

Raiffeisen als verlässlicher Partner
Dabei hob Kronlechner die Raiffeisen Landesbank Kärnten hervor, die ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten nie im Stich gelassen habe. Deren Vorstandssprecher Peter Gauper gab Unternehmern die konkrete Empfehlung, in schwierigen Zeiten die Vertrauensbasis zu ihrer Hausbank zu stärken: "Unternehmen brauchen in solchen Phasen nachhaltige, seriöse Finanzpartner. Gehen Sie offensiv auf Ihre Bank zu, intensivieren Sie die Kommunikation, stellen Sie Unternehmensdaten regelmäßig und in guter Qualität zur Verfügung." Aber auch eine gute Botschaft brachte Gauper mit: "Das historisch tiefe Zinsniveau, das auch im kommenden Jahr anhalten wird, ist ein Rückenwind nicht nur für Investitionen, sondern auch für bestehende Finanzierungen."

Die Aussichten für die Betriebe bleiben allerdings laut Peter Voithofer, Direktor der KMU Forschung Austria, durchwachsen: "2014 bleibt schwierig, die Einschätzung des vierten Quartals ist verhalten, die Betriebe erwarten kaum Impulse. Im kommenden Jahr rechnen wir allerdings wieder mit einem moderaten Wachstum."

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