Sima und GLOBAL 2000: Kein Hormon-Cocktail im Badezimmer!

ToxFox-App zum Aufspüren von Kosmetikhormonen jetzt für alle Smartphones verfügbar!

Wien (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat es aufgedeckt: Rund jede zweite Bodylotion, jedes zweite Aftershave sowie jede fünfte Zahnpasta enthielt bei einer umfassenden Untersuchung im Dezember 2013 hormonell wirksame Chemikalien. Diese können aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen die sensiblen hormonellen Steuerungsprozesse im Körper negativ beeinflussen und irreversible Gesundheitsschäden verursachen. Sie werden vor allem als Konservierungsmittel und als UV-Filter eingesetzt.

Die EU-Kommission bleibt weiter säumig, was die Umsetzung der in Aussicht gestellten gesetzlichen Regelungen zu hormonell wirksamen Chemikalien anbelangt. Daher starten Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima und GLOBAL 2000 nun eine breit angelegte Info-Kampagne zu den Gefahren von Hormonen in Kosmetik. "Ich bin entsetzt, dass es in den Regalen der Drogerie- und Supermärkte so viele Kosmetika mit hormonell wirksamen Chemikalien gibt, die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind dramatisch. Daher wollen wir zum einen breit informieren, zum anderen aber auf EU-Ebene Druck machen, dass es hier endlich gesetzliche Regelungen zum Schutz der KonsumentInnen vor dem Hormon-Cocktail im Badezimmer gibt", stellt Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima bei einem Pressegespräch mit GLOBAL 2000 und Prof. Andreas Lischka, klar. Sie präsentieren die nun auch für Android-Systeme verfügbare App "ToxFox", mit der Kosmetika ganz einfach auf hormonell wirksame Chemikalien gescannt werden können.

Gratis-App "Tox Fox" zum Selbstschutz vor Hormonen aus der Tube

Die von der GLOBAL 2000-Partnerorganisation "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" konzipierte und nun überarbeitete App "ToxFox" ermöglicht es durch Scannen des Strichcodes in Sekundenschnelle herauszufinden, ob in einem Kosmetikprodukt hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind und falls ja, welche das konkret sind. Bei belasteten Produkten kann zugleich eine Protestnachricht an den Hersteller gesendet werden, die KonsumentInnen können damit ein deutliches Signal setzen, dass sie Kosmetika ohne schädliche Stoffe wollen. "Stoffe, die wie Hormone wirken, haben in Kosmetikprodukten nichts verloren", stellt Sima klar. Die Stadt Wien hat gemeinsam mit GLOBAL 2000 eine Informationsbroschüre produziert. Sie kann gratis bei der Stadt Wien unter 01/4000-81349 angefordert werden. "Die Stadt Wien geht auch selbst mit gutem Beispiel voran und schaut für die Zukunft im Rahmen von "Ökokauf Wien", dem Beschaffungswesen der Millionenstadt, genau darauf, dass in Wiens Gesundheits- und Sozialeinrichtungen nur gesunde Kosmetikprodukte zum Einsatz kommen", so Sima weiter.

Kosmetikhormone vermeidbares Risiko für die Gesundheit

"Kosmetikhormone stellen ein vermeidbares Risiko für die Gesundheit dar", hält Professor Andreas Lischka, langjähriger Vorstand der Kinderklinik Glanzing, fest: "Bei den endokrinen Disruptoren handelt es sich um Stoffe, die aufgrund ihrer zufälligen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen, zentrale Steuerungsprozesse in Organismen stören und so die Gesundheit gefährden können. Hormonell wirksame Chemikalien aus Körperpflegeprodukten - wie Parabene, der häufig verwendete hormonelle Weichmacher Diethylphthalat oder UV-Filter - durchdringen Haut und Schleimhäute und sind im Körper der meisten Menschen nachweisbar. Mögliche Folgen sind u.a. verminderten Spermienqualität, erhöhtes Risiko von Brust-und Hodenkrebs sowie Verhaltensstörungen bei Kindern!" Der Mediziner hält fest: "Hormonell wirksame Stoffe haben in Körperpflegeprodukten nichts verloren, denn sie stellen ein Risiko für die Gesundheit dar. Wir müssen hier unbedingt den Hebel bei den Ursachen ansetzen und potenziell gesundheitsschädliche Stoffe meiden und nicht erst dann tätig werden, wenn die Krankheit bereits aufgetreten ist."

Gesetzliche Verbote vertagt, dennoch Umdenken bei Handel erkennbar

GLOBAL 2000-Geschäftsführerin, Leonore Gewessler, begrüßt die Initiative der Stadt Wien: "Dass Österreich und insbesondere die Stadt Wien in dieser umwelt- und gesundheitspolitisch so wichtigen Frage eine Vorreiterrolle einnimmt, ist gerade jetzt und heute besonders wichtig! Denn auf europäischer Ebene drohen die anfänglich vielversprechenden Bemühungen für einen besseren Schutz vor hormonell wirksamen Chemikalien am Widerstand von Wirtschaft und Industrie zu scheitern." Betroffen davon sind mehrere Gesetzesmaterien, u.a. auch die EU-Kosmetikverordnung, welche von der EU-Kommission hinsichtlich hormonell wirksamer Chemikalien überprüft hätte werden müssen, sobald "Kriterien für die Bestimmung von Stoffen mit endokrin wirksamen Eigenschaften zur Verfügung stehen, oder spätestens am 11. Januar 2015". Und genau solche Kriterien hätte die Kommission bereits am 13. Dezember 2013 präsentieren müssen und hat dies bis heute nicht getan.

"Unsere Informationskampagne hilft, das Risiko zu minimieren, allerdings ist die Politik dringend aufgefordert, auf europäischer Ebene Konsumenten-, Umwelt- und Gesundheitsschutz ernst zu nehmen und die Menschen ausreichend vor Kosmetikhormonen zu schützen", betont Gewessler. "Aber auch die Industrie und der Handel tragen eine Verantwortung gegenüber ihren Kundinnen und Kunden", ergänzt Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000: "Und wie es scheint, nehmen manche diese Verantwortung ernster als andere. So waren die Eigenmarken der großen Drogeriemärkte dm, Müller oder BIPA im GLOBAL 2000-Kosmetik-Chek auffallend geringer mit Kosmetikhormonen belastet als Nivea, L'Oreal & Co. Die österreichische Handelskette BIPA geht nun einen Schritt weiter und will bis Jahresende die Eigenmarke MY komplett auf hormonfrei umgestellt haben."

Sima und Gewessler abschließend: "Wir wollen gemeinsam den Druck auf die EU-Kommission erhöhen und Allianzen mit Mitgliedsstaaten bilden, denen der Schutz von Mensch und Umwelt wichtiger ist als kurzfristige Wirtschaftsinteressen von Pestizid- und Kosmetikindustrie!"

Nähere Infos zu den Risiken von Kosmetik-Hormonen und wie man sich davor schützen kann unter www.global2000.at

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

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