Debatte um Zentralmatura: Autoren nehmen Stellung

Jelinek, Roth, Turrini gegen Praktik der Zentralmatura

Wien (OTS) - Die Elite österreichischer Autoren wendet sich gegen die aktuelle Praxis, die Literatur im Deutschunterricht an Gymnasien zu marginalisieren. In einem NEWS-Bericht, durch den die aktuelle Debatte um die Folgen der Zentralmatura entflammt wurde, meldeten sich folgende Persönlichkeiten zu Wort:

Elfriede Jelinek: "Alles, was gelesen werden kann, muss auch gelesen werden, sonst wird es immer jemand geben, der glaubt, einem das Wort verbieten zu können. Das wäre den Herrschenden vielleicht ganz recht."

Michael Köhlmeier: "Mit dem Literaturunterricht wird den Menschen die grundlegende Kulturtechnik genommen, sich sprachlich auszudrücken. Das ist Sabotage an der Zivilisation. Man nimmt den Kindern sonst die Möglichkeit der Bezauberung unter dem Aspekt, dass man Literatur am Arbeitsplatz nicht braucht. Aber nur, wer sich gut ausdrücken kann, bekommt den besseren Job. Ohne Sprache kann man auch am Glück nicht arbeiten."

Peter Henisch: "Ich sehe darin einen signifikanten Beitrag zu einer Entwicklung, die seit Jahren vorangetrieben wird. Lesen (und Schreiben) gefährdet die Dummheit. Ja, genau. Auf der einen Seite bejammert man das Vordringen eines neuen Analphabetismus, auf der anderen trägt man durch Maßnahmen wie diese dazu bei."

Peter Turrini: "Der Literaturunterricht in den Oberstufen der Gymnasien verschwindet mehr und mehr. Wenn der Klang und die Vielfalt der dichterischen Worte verstummen, dann wird es auch in den Oberstübchen der Gymnasiasten immer stiller und leerer. Wer will das?"

Gerhard Roth: "Ich frage mich, ob das nicht auch vom hohen Prozentsatz zugewanderter Kinder kommt, für die deutschsprachige Literatur zu viel Lernmaterial bedeutet. Ich bin kein Mitglied einer Kirche, aber wir können nicht diskutieren, dass wir im christlichen Abendland leben und dass dieses Europa aus der jüdischgriechisch-christlichen Entwicklung kommt. Wenn wir unser Wissen über Kunst aufgeben, schaffen wir uns selbst ab. Musik und Kunst wurden schon marginalisiert, jetzt ist das Lesen dran. Das ist nackte Ideologie: Wir sollen uns von unserer Kultur trennen, unsere Ausbildung soll auf den Arbeitsprozess zugeschnitten werden."

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