Grüne: Prävention gegen Radikalisierung und politische Bildungsarbeit stärken

Experte Demirel: An Lebensrealitäten der Menschen anknüpfen

Wien (OTS) - "Das Hauptproblem in der österreichischen Debatte um Deradikalisierung und Terroranwerbung ist, dass sie sich hauptsächlich um Strafgesetze dreht. Wenn diese angewendet werden müssen, ist es aber eigentlich schon viel zu spät - der zentrale Punkt ist die Prävention. Sie muss viel stärker forciert werden. Aufgrund der Aktivitäten der IS -Terrormilizen und des Gaza-Konflikts, ist eine Zunahme der Sympathie für Terrorismus und Antisemitismus zu vermerken. Es darf aber nicht der Fehler gemacht werden, zu glauben, dass dies von der Mehrheit unterstützt wird. Neben der Beschäftigung mit Rechtsextremismus, ist es auch wichtig eine Minderheit in der Migrationsgesellschaft im Auge zu behalten, die sich dem Extremismus zuwendet", sagt der Justizsprecher der Grünen, Albert Steinhauser.

"Für eine erfolgreiche Prävention gegen Radikalisierung und Terroranwerbung braucht es drei Punkte. Erstens eine Anlauf- und Beratungsstelle für Angehörige von potentiell Radikalisierten, die bis heute fehlt. Diese sollte mit einem multiprofessionellen Team (SozialarbeiterInnen, Islam- und PolitikwissenschafterInnen, PsychologInnen) und mit Rat und Unterstützung gegen weitere Radikalisierung von Gefährdeten wirken und versuchen, diese mit Exit-Programmen von der Radikalisierung zurückzuholen" ,sagt Alev Korun, Menschenrechtssprecherin der Grünen und ergänzt: "Zweitens braucht es Projekte wie die heute vorgestellte "KIgA - Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, Bildungsarbeit in der Migrationsgesellschaft", denn es braucht mehr politische Bildung und Räume für gesellschaftliche Auseinandersetzung zu Themen wie Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus und Muslimsein in der Einwanderungsgesellschaft. Drittens schlagen wir eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, Zivilgesellschaft, muslimischen Vereinen und Moscheen vor, um gemeinsam sowohl religiöse Radikalisierung und Terroranwerbung als auch antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen".

"Es ist zentral, den Jugendlichen einen offenen Raum zu geben, um verschiedene Arten des muslimisch-seins kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen. Wichtig ist dabei, bei den Lebensrealitäten der Jugendlichen anzuknüpfen und sie damit ins Boot zu holen. Die Debatte über Erfahrungen von Alltagsrassismus und antimuslimischen Rassismus wird man sich dabei nicht ersparen können - gerade sie sind nämlich der Nährboden für jihadistische/salafistische Propaganda. Hier vorzugreifen und andere Deutungsmuster anzubieten, heißt den Salafisten Territorium wegzunehmen und ein Stück Deutungshoheit zu gewinnen. Dabei ist es unbedingt notwendig, Muslime als Teil der Lösung zu begreifen und sie in die Präventionsarbeit einzubeziehen", erklärt Aycan Demirel, Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer des Vereins KIgA, ihren pädagogischen Präventionsansatz.

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