TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 30.09.2014, Leitartikel von Peter Nindler: "Investition in die Zukunft"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Das Land sollte endlich mehr Geld für Schulsozialarbeit und Schulpsychologen in die Hand nehmen. Die Schule wird immer mehr zur Konfliktzone verhaltensauffälliger Schüler, andererseits bietet sie auch die Chance für die Therapie.

Würde die Landespolitik den Bericht der Kinder- und Jugendanwaltschaft von Tirol intensiv studieren, dann müsste sie sofort reagieren. Obwohl sich in der Schulsozialarbeit etwas bewegt:
Es tut sich nach wie vor zu wenig. Dass die Kinderschutzzentren chronisch unterfinanziert sind und "spezialisierte Angebote für besonders schwierige Jugendliche fehlen", erweitert das Handlungsspektrum. Von unserer Zukunft, also den Kindern und Jugendlichen, wird oft und gern geredet, doch die Herausforderungen, damit sie als Erwachsene die Erwartungen erfüllen, werden von der Politik kaum angegangen.
Gerade die Schule ist jener Ort, an dem soziale Fragen aufeinanderprallen, Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Sozialisierung die Schulbank drücken. Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder nimmt zu, Psychologen beschreiben mögliche Ursachen dafür mit Erziehungslosigkeit und fehlenden soziale Netzwerken im Familienverband. Das Anforderungsprofil an die Pädagogen wird größer, doch es wäre wohl eine Illusion, dass sie stellvertretend für die Eltern die an die Schule abgeschobene Verantwortung auch umfassend wahrnehmen. Meist können sie auf die Defizite nur reagieren, die Prävention kommt zu kurz.
Trotzdem ist eines gewiss: Die Schule bietet die Chance, dass sich Kinder und Jugendliche in einem positiven sozialen Umfeld entwickeln können. Dafür benötigt es für die mittlerweile vielfältigen Konfliktfelder vom "Cyber-Mobbing" über Gewalt bis zur massiven Störung des Unterrichts geschulte Lehrkräfte oder Psychologen, die korrigierend, betreuend, beratend und lenkend eingreifen.
Die Schulsozialarbeit wird hier stets als beispielgebendes Projekt genannt, auch die Schulpsychologie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Doch beide sind in Tirol nicht optimal ausgestattet, es fehlt das Personal und damit die Breite. Die Konsequenz sind dann in den Turnsaal verbannte Schüler. Man muss allerdings Verständnis für die Lehrer aufbringen. Wenn die Unterstützung nur versprochen, aber nicht eingehalten wird, welche Alternativen haben sie?
Deshalb stimmt es schon: Für viele Werbekampagnen und Prestigevorhaben im Bund und im Land Tirol ist unendlich viel Geld vorhanden - manches ist Luxus wie der neue Landhausplatz, der ohnehin immer wieder zum Sanierungsfall wird. Die eine oder andere Million für die Schulsozialarbeit oder die Schulpsychologie wäre hingegen eine Investition in die Zukunft mit einem "Return of Investment" (Rendite).

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