TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Viel heiße Luft über ein heißes Thema", von Markus Schramek

Ausgabe vom 24. September 2014

Innsbruck (OTS) - Die nächste Runde im Ringen um den Klimaschutz ist eingeläutet. Folgen den Absichtserklärungen neuerlich keine Taten, wird die Erderwärmung ein katastrophales Ausmaß erreichen. Zweifel sind allerdings berechtigt.

Klimaschutz. Wer dieses sperrig-technische Wort in den Mund nimmt, begibt sich damit selbst in große Gefahr. Denn schon die bloße Erwähnung des Begriffs kann einen unerwünschten Reflex auslösen: den des Weghörens, auf zum nächsten Thema.
Zu viel an heißer Luft ist in den vergangenen Jahren über den Klimaschutz schon ausgestoßen worden; die reale Erwärmung der Atmosphäre durch Treibhausgase schritt indessen voran. Gigantomanische Konferenzen mit Hundertschaften hochrangiger Teilnehmer an mondänen Orten dieser Welt zeitigten in der Regel nichts als Absichtserklärungen.
Gestern war der Sitz der UNO in New York Schauplatz eines weiteren Großaufmarsches von Klimaschützern aus aller Herren Länder. Sogar Hollywood-Beau Leonardo DiCaprio wurde aufgeboten, um als Eröffnungsredner dem mühevollen Ringen um eine gemeinsame Linie wenigstens etwas Glamour zu verleihen.
Man darf gespannt sein, ob es wirklich gelingt, bis Ende 2015 einen Klimavertrag zusammenzustückeln, an den sich 190 Staaten dann gebunden fühlen. Ein solcher Vertrag kann nur wirksam sein, wenn er Sanktionen vorsieht, die weh tun. Wer die Umwelt mit Treibhausgasen vollpumpt und dabei fossile Energieträger verpulvert, muss mit Strafen rechnen, die ins Geld gehen. Nur so sind die großen Klimasünder China und USA zum Einlenken zu bewegen.
Beschränkt sich Klimaschutz jedoch weiterhin auf schöne Worte, wird es richtig ungemütlich auf dem Planeten. Ungebremster Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) hätte eine Erderwärmung von vier Grad bis ins Jahr 2100 zur Folge. Das klingt vielleicht nach wenig, hätte weltumspannend jedoch massive Folgen: schmelzende Polkappen, den Anstieg der Meere im Meterbereich, die weitere Ausdehnung von Dürregebieten, Ernteausfälle, Hungerkatastrophen, zunehmende Wetterextreme.
Trotz dieser Faktenlage ist Skepsis angebracht. Denn beim Klimaschutz wurde das Florianiprinzip zur goldenen Regel erhoben:
Jeder ist ein Umweltschützer, aber konkrete Maßnahmen setzen sollen bitteschön zuerst die anderen. Um diesen Widerspruch zu erkennen, kann man sich den weiten Weg zur Klimakonferenz sparen. Als Beleg dafür reicht die eigene Wahrnehmung. Einmal auf das eigene Auto verzichten, auch für einen nur kurzen Weg? "Ja, sicher", heißt es dann, "aber ich bin auf das Auto angewiesen."
Klimapolitik im Großen funktioniert da nicht viel anders.

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