OÖNachrichten-Leitartikel: "Die Lizenz der EU zum Gelddrucken", von Dietmar Mascher

Ausgabe vom 24. September 2014

Linz (OTS) - Man muss nicht einmal ein überzeugter Atomkraftgegner und/oder Grüner sein, um diese Entscheidung für idiotisch zu halten. Es reicht schon eine zurückhaltende Affinität zum Thema Marktwirtschaft und eine Abneigung gegen Subventionen auf Kosten des Kunden/Bürgers.
Der Reihe nach: Mit acht Milliarden Pfund je Reaktor und fünf Millionen Pfund je Megawatt installierter Leistung würde das britische AKW Hinkley Park das teuerste Kraftwerk der Welt. Es ist ein Musterbeispiel an Ineffizienz, wie die liberalen Wirtschaftsforscher des Londoner Instituts Liberum Capital in einer Analyse schreiben. Um die 16 Milliarden Pfund, die Hinkley kostet und die 3200 Megawatt bringen, könnte man Gaskraftwerke mit 27.000 Megawatt installierter Leistung bauen. Für den Betreiber - den französischen Staatskonzern EdF - ist Hinkley dennoch eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn die britische Regierung hat den Franzosen ab dem ersten Tag der Stromerzeugung im Jahr 2023 einen Fixpreis von mehr als 121 Pfund je Megawattstunde zugesichert. Das ist ungefähr das Dreifache des Strompreises an der Strombörse. Die EU segnet das nun ab.
Die Atomkraft wird in vielen Staaten Europas ohnehin schon massiv gefördert. In Frankreich etwa dadurch, dass die AKW keine adäquate Versicherung für mögliche Schäden abgeschlossen haben. Die möglichen Kosten für eine radioaktive Verstrahlung oder einen Unfall werden einfach an die Öffentlichkeit ausgelagert.
Die Folgen kann man sich leicht ausrechnen. Auch andere Länder, wie etwa Tschechien für Temelin, werden bei der Subvention von Kernkraft wieder tiefer in die Tasche greifen (dürfen).
Die Verwerfungen auf dem Energiemarkt, die durch völlig falsche Förderung in mehrere Richtungen dazu geführt haben, dass etwa hocheffiziente Gaskraftwerke eingemottet werden müssen und Pumpspeicherkraftwerke sich nicht rechnen, werden prolongiert. Dreieinhalb Jahre nach Fukushima hat es die Atomlobby geschafft, dass wieder so getan wird, als ob nichts geschehen wäre. Die EU-Entscheidung ist ein Skandal. Es ist in Wahrheit die Verhöhnung aller Bemühungen, eine Energiewende zu schaffen und Kostenwahrheit bei der Stromproduktion zu erreichen und die Lehren aus den Erfahrungen mit der Atomkraft aus den vergangenen Jahren zu ziehen.

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