Städtebund: Belebung der Ortskerne ist wichtiges Anliegen

Die Studie "Weißbuch Innenstadt" untersucht Ortskerne in der Steiermark und empfiehlt Maßnahmen zur Belebung der Ortskerne von Klein- und Mittelstädten.

Wien (OTS) - "Die Aufgabe der Stadtpolitik ist es seit jeher, die Stadt und ihre Zentren zu entwickeln und in diese zu investieren. Manche Entscheidungen der Vergangenheit sind heute unter anderen Vorzeichen zu betrachten, weil damit z.B. Autoverkehr, Einkaufszentren am Ortsrand, Zersiedelung usw. gefördert wurden", erklärte Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes. "Nicht zuletzt der Klimaschutzbericht führt zu einem Nachdenken über unser aller Prioritäten: Innenstädte und Stadtzentren zu beleben und attraktiv zu gestalten, schafft Aufenthaltsqualität und ist Grundlage für eine florierende Stadtwirtschaft", so Weninger.

Weißbuch Innenstadt untersuchte Stadtzentren in Steiermark

In einer umfassenden Studie, beauftragt und finanziert durch den Steirischen Städtebund, den Österreichischen Städtebund, der Steiermärkischen Landesregierung und der steirischen Wirtschaftskammer, wurden drei sehr unterschiedliche steirische Bezirksstädte ein Jahr lang von einem interdisziplinären Projektteam untersucht, um die Problemursachen, Chancenpotenziale und Maßnahmenempfehlungen zur Ortskernbelebung von Regionalstädten zu erarbeiten.

Am Beispiel der drei untersuchten Städte Bruck an der Mur, Hartberg und Bad Radkersburg wurde ein umfangreiches Programm an möglichen Einzelmaßnahmen quer über alle Handlungsfelder der Politik erarbeitet und zu einem 7-Punkteprogramm zur Belebung der Ortskerne verdichtet. Ungeachtet der Unterschiede zwischen den einzelnen Städten, lassen sich dabei einige zentrale Problemlagen in den meisten Regionalstädten feststellen:

o Die aktuelle Raumentwicklungs- und -planungspolitik und der Finanzausgleich führen zu weiträumigen Zersiedelungsprozessen und Abwanderung an die Stadtperipherie (Einfamilienhäuser, EKZ) o Der Druck auf die Innenstädte erhöht sich, sichtbar anhand der Zunahme innerstädtischer Leerstände und fehlender Nahversorgung in den Ortszentren o Zeitgemäßer und leistbarer Wohnraum in Ortszentren fehlt, bei zeitgleichem Verfall historisch wertvoller Bausubstanz (oftmals hohe Hemmschwellen vor allem für private ImmobilienbesitzerInnen) o Keine zufriedenstellende Verkehrssituation: Verkehrsberuhigung vs. Belebung des Handels (Dominanz des PKW-Verkehrs begünstigt die Einkaufszentren an der Peripherie) o Übernormierung & -regulierung des öffentlichen Raumes führt zu Verlust an sozialer Integration o Unklare Stadtpositionierung nach innen und außen (USP und integrierte Stadtentwicklungskonzepte fehlen) o Verlust der Bedeutung von Stadtzentren als soziales Zentrum

Das im Rahmen der Studie erarbeitete "Weißbuch Innenstadt" ist als grundlegende Analyse- und Optionensammlung gedacht, welche die Grundlage für die Ausarbeitung individueller Masterpläne zur Ortskernbelebung einzelner Städte bilden kann.

Die Studie zeigt dabei klar auf, dass eine Wiederbelegung der historischen Ortskerne von Regionalstädten nur gelingen kann, wenn ein Zusammenwirken von bundes-, landes- und kommunalpolitischen Maßnahmen die Ursachen der Probleme an den Wurzeln behebt. Denn eine der Hauptursachen für die Probleme der Ortskerne von Regionalstädten ist das im Augenblick in Österreich bestehende System der Gemeindefinanzierung und der damit unmittelbar in Zusammenhang stehende Raumordnungsentwicklung.

7-Punkteprogramm zur Belebung der Ortskerne

Die Studie hat daher aus den Handlungsempfehlungen zu den Themen Wohnen, Leerstand, öffentlicher Raum, Jugend & Generationen und Stadtmarketing & -positionierung ein politisch übergeordnetes 7-Punkteprogramm zur politischen Bearbeitung der Probleme von Regionalstädten destilliert:

o Neue Mechanismen für die Gemeindefinanzierung o Raumordnungsvollzug auf überkommunale Ebene heben o Lebensraum Innenstadt: Wohnen im Ortskern muss wieder leistbar werden o Entrümpelung der Baugesetze und des Normenwesens o Lenkungsabgaben mit Zweckbindung zur Ortskernbelebung o Deregulierung und Sozialisierung des öffentlichen Raumes o Offene Stadt - Die Stadtgesellschaft als Plug-and-Play-Community

"Diese Studie zeigt die Gesamtverantwortung auf, die neben den Städten natürlich Bund und Länder umfasst, aber auch die Zivilgesellschaft und die ansässigen UnternehmerInnen betrifft. Gemeinsam gilt es nun, das vom ExpertInnenteam vorgeschlagene 7-Punkte-Programm so umzusetzen, dass jeder Beteiligte seine Stärken entsprechend einsetzen kann", so Weninger abschließend. (Schluss)

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