Staatspreis für Wissenschaftspublizistik an ORF-Journalist Andreas Novak verliehen

ORF-Generaldirektor Wrabetz: "Andreas Novak hat das historische Gedächtnis der Nation geschärft"

Wien (OTS) - Der Staatspreis für Wissenschaftspublizistik wurde heute Montag, den 22. September 2014, von Vizekanzler Dr. Reinhold Mitterlehner in seiner Funktion als Bundesminister für Wissenschaft und Forschung an ORF-Journalist und -Dokumentarist Andreas Novak verliehen. Die Jury hob seine herausragende Expertise in der Darstellung relevanter historischer Ereignisse für die Öffentlichkeit hervor. Seine jahrelange qualitätsvolle wissenschaftsjournalistische Arbeit habe das Verständnis für die Notwendigkeit eines breiten Raums für Wissenschaft und Forschung in den Medien gehoben.

Bei der Verleihung gratulierte ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz Andreas Novak: "Die Aufarbeitung der Geschichte ist eine der wichtigsten Aufgaben jedes öffentlich-rechtlichen Rundfunks, so auch des ORF als audiovisuelles Gedächtnis der Nation. Andreas Novak hat einen ganz wesentlichen Anteil an dieser 'Aufklärung': Seit mehr als 20 Jahren hat er in zahlreichen, vielfach ausgezeichneten Dokumentationen versucht, Zeitgeschichte im gesellschaftspolitisch-historischen Zusammenhang zu reflektieren und das historische Gedächtnis der Nation sowie die öffentliche Kultur des Erinnerns zu schärfen. Er hat unermüdlich daran gearbeitet, Zeitgeschichte generationenübergreifend zu vermitteln. Und er hat enorme Anstrengungen dafür unternommen, die wohl letzten Zeitzeugen zu finden und zu Wort kommen zu lassen, um die Geschichte aus der Sicht von Österreichern zu erzählen. Das ist ihm besonders mit seinem Opus magnum, der 15-teiligen Serie über den Zweiten Weltkrieg, gelungen. Ich danke Andreas Novak für seinen Einsatz und seine Leistungen in Sachen Zeitgeschichte und Erinnerungskultur, die immer auch Leistungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als wesentliche Säule der Demokratie und der Republik sind. Herzliche Gratulation zu diesem großen Preis!"

Laudator Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb betonte, dass "Andreas Novak nie davor zurückschreckte, historische Tabuthemen zur österreichischen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts umfassend zu hinterfragen und seine Zuseherinnen und Zuseher überdies mit unangenehmen Interpretationen zu konfrontieren wie zum Beispiel über die ambivalent wirkende Entnazifizierung nach 1945. Dabei integrierte er immer wieder in subtiler Form rezente wissenschaftliche Forschungsergebnisse und suchte den Dialog mit Zeithistorikerinnen und -historikern. Auch als Buchautor machte er sich als Tabubrecher einen Namen, als er 2005 ein ausgezeichnet recherchiertes und glänzend geschriebenes Buch über die Geschichte der Salzburger Festspiele 1933-1944 im Jahre 2005 unter dem Titel 'Salzburg hört Hitler atmen' publizierte, in dem er sich sowohl der Resistenzphase bis 1938 und der nachfolgenden willigen Kollaboration mit dem Nationalsozialismus widmete."

Andreas Novak zur hohen Auszeichnung: "Ich freue mich sehr über diesen Preis, den ich auch als Auszeichnung für den ORF und das öffentlich-rechtliche Fernsehen betrachte. Ebenso freut mich die Anerkennung der wissenschaftlichen Relevanz der vielen historischen Quellen, die mein Team und ich bei unseren Recherchen und Interviews für unsere Zeitgeschichteschwerpunkte erschließen konnten. Neben Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten ist das Medium Fernsehen in den letzten Jahren zu einem zentralen Gedächtnisort geworden. Das nutzen wir, um mit unseren Serien einen Beitrag zur Schärfung der nationalen Erinnerungskultur zu leisten. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist ein Indikator für die politische und demokratische Kultur eines Landes. Ich danke auch allen Historikern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit."

Andreas Novak, geboren am 17. Jänner 1958, seit 1979 im ORF, widmete sich neben Berichterstattungen für aktuelle Nachrichtensendungen ab 1995 der Produktion und Gestaltung von rund 50 Dokumentationen zu zeitgeschichtlichen Themen. Er konzipierte und gestaltete ORF-Zeitgeschichteschwerpunkte wie "Die Alliierten in Österreich", "Der Untergang Österreichs", "Der Erste Weltkrieg". In der Zeit von 2009 bis 2011 folgte die 15-teilige ORF-Zeitgeschichte-Serie "Der Zweite Weltkrieg". Er verfasste die sechsteilige Serie "Jahrzehnte in Rot-Weiß-Rot", die den Bogen von den 1950ern bis zu den 2000er Jahren spannte. Zuletzt steuerte er Dokumentationen zum Anschluss 1938, Bürgerkrieg 1934 und im Gedenkjahr 2014 zum Ersten Weltkrieg bei. Zurzeit arbeitet Novak an den Dokus "Trümmerfrauen", "Figl -Österreich über alles" und "60 Jahre Fernsehen" für 2015. 2005 publizierte Andreas Novak das Buch "Salzburg hört Hitler atmen", eine Analyse der Salzburger Festspiele während der NS-Zeit.

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