Musliminnen und Muslime für sozialen Frieden und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Stellungnahme der muslimischen Verbände Österreichs #wirsindallemenschen

Wien (OTS) - Wir verurteilen vehement und mit Nachdruck die politische Ideologie und die davon abgeleiteten Gewalthandlungen politisch-extremistischer Gruppen, durch welche Menschen im Ausland terrorisiert werden, egal unter welchem Namen sie gerade in Erscheinung treten.

Mit großer Sorge beobachten wir Radikalisierungstendenzen unter einem kleinen Teil der Jugendlichen, aber genauso Entfremdungserscheinungen in unserer Gesellschaft: Wir sind erschüttert über die Jugendlichen, die sich von extremistischen Ideen und der dazugehörigen Propagandamaschinerie begeistern lassen und zutiefst beunruhigt über die steigende Spannung und die bedrohliche Atmosphäre, die den Muslimen Österreichs wie ein rauer Wind entgegenschlägt.Wie zuvor die IGGiÖ, wollen wir hier Klarheit schaffen.

Was die islamischen Organisationen und Vereine angeht: Nicht erst seit dem Auftauchen der letzten radikalen Entwicklungen,dieein schrecklichesZerrbild unserer Religion sind, verurteilen wir vehement jede Form von Gewalt, Terror und jeglichen Missbrauch von Religion. Gleichzeitig haben wir immer mit den österreichischen Behörden zusammengearbeitet und unser größtes Interesse am Schutz unserer Jugendlichen gezeigt. Der Islam oder die Muslime dürfen hier nicht als Zielscheibe benutzt werden, denn zahlreiche Studien aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, dass Jugendliche, welchemit radikalen Strömungen sympathisieren oder sich ihnen sogar anschließen, religiöse Analphabeten sind.

Die Verbindung der Religion mit sozialen Missständen blendet die eigentlichen Ursachen und Probleme aus, denen entgegenzuwirken ist. Die wertvolle und friedenfördernde Arbeit, welche die islamischen Verbände seit Jahrzehnten in Österreich leisten, ist eineder wichtigsten Bausteine einer aktiven Radikalisierungsprävention. Die Rede ist von der Stärkung der muslimischen Community durch die Förderung ihrer Bildungssituation und vor allem das Angebot eines sozialen Gefüges und einer islamischen Identität - fernab von Extremismus, Radikalisierung oder gar Gewaltbereitschaft. Die muslimische Zivilgesellschaft stärkt im Rahmen eines umfangreichen ehrenamtlichen Engagements Kinder und Jugendliche in ihrem Selbstbewusstsein sowie ihre österreichisch-muslimische Identität. Eine gefestigte Persönlichkeit, die ermöglicht mit beiden Beinen im Leben zu stehen, hegt keine Sympathie mit Kriegsabenteurern und zieht auch nicht in den Krieg um dort Anschluss, Aufwertung oder Sicherheit zu suchen.

Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass sich in erster Linie jene Jugendliche radikalisieren, die als Folge sozialer Schwierigkeiten auch für gefährliche Ideen anfällig waren. Es muss daher ein Ziel sein, Jugendlichen Perspektiven und Chancen zu geben und sie zu befähigen, diese auch wahrzunehmen. Gleichzeitig müssen Zugangsbarrieren und diskriminierende Strukturen abgebaut und Chancengleichheit hergestellt werden, damit auch Musliminnen und Muslime auf allen gesellschaftlichen Ebenen teilhaben können.

Islamfeindlichkeit bedroht den Frieden in unserem Land

Hiermit möchten wir den Fokus auf unsere Heimat Österreichlenken. Kein Tag vergeht, an dem Musliminnen und Muslime nicht von Übergriffen und Verbalattacken berichten. Die aktuelle Stimmung in unserem Land ist so beängstigend, dass muslimische Frauen tagtäglich und sogar am helllichten Tag in der Öffentlichkeit beleidigt, beschimpft und attackiert werden! Diese Angriffe tragen zu einer großen Verunsicherung und Angst in der muslimischen Gemeinde bei. Österreicherinnen und Österreicher mit muslimischem Hintergrund, für die Österreich ihre selbstverständliche und einzige Heimat ist, haben zunehmend das Gefühl nicht Teil ihrer eigenen Gesellschaft zu sein. Übereilte Schnellschüsse seitens der Politik verschärfen den Generalverdacht gegenüber Österreichs Musliminnen und Muslime.

Islamfeindliche und pauschalisierende Medienberichte sowie eine Atmosphäre des Generalverdachts, des Hasses und der Entfremdung gefährden unser friedliches Zusammenleben. Wir stellen kritisch fest, dass es nur wenige mediale Berichte gibt, die Differenzierung zulassen und vermissen gut recherchierte und vorausschauende Beiträge, die von einem verantwortungsbewussten Umgang mit medialer Gestaltungsmacht zeugen.

Wir werden weiterhin die positive und humane Botschaft unseres Glaubens überzeugend leben und verlässlich unseren Beitrag zum sozialen Frieden in unserer Heimat beitragen. So wie bisher sind wir auch jetzt und in der Zukunft bereit mit allen konstruktiven Kräften zusammenzuarbeiten.

Wir rufen alle Akteure des aktuellen Diskurses rund um Gewalt und Extremismus auf, mit Besonnenheit, Sachlichkeit und einem lösungsorientierten Zugangan das Thema heranzugehen.

UnterzeichnerInnen dieser Stellungnahme (alphabetisch geordnet):

273 Moschee Gemeinden und NGO`s

ATIB Türkisch Islamische Union (64 Moscheegemeinden und NGOs)

Bangladeschische Islamische Kultur Zentrum

HASENE Austria

Islamische Föderation in Wien (59 Moscheegemeinden und NGOs)

Islamische Vereinigung in Österreich

IZBA Verband Bosniakisch -Islamischen Vereine in Österreich (41 Moscheegemeinden und NGOs)

Koordinierungsrat der Ägyptische Gemeinde in Österreich(17 Moscheegemeinden und NGOs)

Liga Kultur - Verein zur Förderung des Kulturellen Austauschs und der Integration

Muslimische Jugend Österreich

MÜSIAD Austria Verband Unabhängige Industrieller u. Unternehmer

RAHMA Austria

TÜMSIAD Austria Vereinigung der Industriellen und Unternehmer in Österreich

Türkisch-Österreichische Föderation (23 Moscheegemeinden und NGOs)

Union Albanischer Muslime in Österreich (12 Moscheegemeinden und NGOs)

Union Islamischer Kulturzentren in Österreich (49 Moscheegemeinden und NGOs)

Rückfragen & Kontakt:

Muslime.in.oesterreich@gmail.com

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