Was sich Patienten wirklich wünschen: Mehr Transparenz und qualitätsvolle Information

WKÖ, AK NÖ und Patienten- und Pflegeanwaltschaft setzen Impulse für weitere Reformschritte im Gesundheitssystem

Wien (OTS/PWK613) - Im vergangenen Jahr wurde erstmals gemeinsam das Konzept "Gesundheit 2020 - Patienten im Mittelpunkt" vorgestellt. Es zeigt auf, welche Veränderungen für die österreichischen Patienten und Versicherten tatsächlich notwendig sind und zeigt Ansatzpunkte für Reformen auf. Dieses Konzept wurde nun weiterentwickelt und ein zentraler Schwerpunkt vertieft, nämlich der Block "Information und Transparenz". In einem Pressegespräch am Montag skizzierten Martin Gleitsmann, Leiter der WKÖ-Abteilung Gesundheits- und Sozialpolitik, der niederösterreichische Patienten- und Pflegeanwalt Gerald Bachinger und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen in der AK NÖ, Lösungsansätze für diesen Bereich.

"Der Patient kann in Österreich zwar frei Gesundheitseinrichtungen wählen, sieht sich dabei jedoch einem unübersichtlichen Dschungel gegenüber. In unserem Gesundheitssystem arbeiten viele Akteure oft nebeneinander und wenig miteinander - das geht häufig zu Lasten der Patienten und ist verbunden mit höheren Kosten, Doppelverschreibungen oder mehrfachen Untersuchungen ohne Mehrwert. Hier müssen wir Abhilfe schaffen - einerseits durch bessere Information der Patienten, andererseits durch mehr Transparenz im System", analysierte Gleitsmann.

Maßgeschneiderte Patienteninformationen - vom WWW über Telefon bis zur persönlichen Kommunikation

Damit Patienten nicht willkürliche Informationen aus dem Internet einholen, plädieren die drei Gesundheitsexperten für die Einrichtung eines online Patientenportales. Dieses Portal sollte objektivierte Angaben über Leistungen, Aus-, Weiter- und Spezialausbildungen und insbesondere auch die Qualität des Anbieters enthalten.

Rupp: "Das bestehende Portal www.gesundheit.gv.at bietet zwar diverse Informationen, nicht aber den richtigen Ansprechpartner. Zudem ist es kaum bekannt. Eine weitere Schwachstelle dieses Portals ist, dass nur auf Deutsch informiert wird. Ein erweitertes Angebot zumindest auf Englisch, Türkisch und Bosnisch/Serbisch/Kroatisch wäre wünschenswert."

Ein weiterer wichtiger Schritt zur maßgeschneiderten Patienteninformation: Im Zuge der Gesundheitsreform wird bereits an der Errichtung eines telefon- und webbasierten Erstberatungsservice (TEWEB) gearbeitet. Bachinger: "Der Patient soll so auf die richtige Versorgungsebene geleitet werden. Wichtig ist bei TEWEB auch, dass das protokollierte Abfragesystem vom Bodensee bis zum Neusiedler See gleich geschaltet sein sollte. Wir brauchen österreichweit eine einheitliche Telefonnummer und österreichweiten Zugang. Lernen können wir hier etwa von der Schweiz mit den Services www.medgate.ch und www.medi24.ch"

Ein dritter Ansatzpunkt: Verbesserungspotenziale in der persönlichen Kommunikation des Patienten mit Gesundheitsdienstleistern. "Die Kommunikation zwischen Gesundheitsdienstleistern und Patienten muss klar und verständlich sein. Insbesondere auch Ärzte sollten dahingehend geschult werden, dass sie so mit Patienten kommunizieren, dass diese die Diagnose und weitere Handlungsanleitungen auch verstehen. Das Konzept der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems könnte dafür etwa ein gutes Modell sein. Es sieht vor, dass sich die Arzt-Patienten-Kommunikation als "roter Faden" vom ersten bis zum letzten Semester der Ausbildung durchzieht und theoriegestützt kontinuierlich praktisch geübt wird", erläuterte Rupp.

Transparenz zugunsten des Patienten

Um die Transparenz des Gesundheitssystems zu erhöhen, müsse die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) möglichst rasch umgesetzt werden, betonten die drei Experten unisono. Gleitsmann: "In der Diskussion um ELGA werden die Vorteile wie die künftige Vernetzung der Gesundheitsdienstleister und die positiven Aspekte für den Patienten kaum erwähnt. Diese Transparenz ist ganz zentral für verbesserte Qualität im Gesundheitswesen und eine Voraussetzung für die Gesundheitsreform. Nur wenn die Behandler Zugriff auf die Vorgeschichte und aktuelle Befunde haben, kann die Behandlung qualitätsvoll sein."

Ein Best Practice Beispiel in Sachen Transparenz gibt es in Österreich: Das Projekt "CliniCenter" im Landesklinikum Hainburg. "Das Bemerkenswerte am Projekt CliniCenter ist einerseits, dass die Gesundheitsdaten der Patienten übersichtlich aufbereitet und benutzerfreundlich gefiltert sind und, dass die berechtigten Mitglieder des Behandlungsteams eine strukturierte Gesamtsicht auf den Patienten (Teambericht) erhalten. Die Ärzte vor Ort sind von den Vorteilen überzeugt und wollen nicht mehr in eine Zeit der Papierdokumentation zurück. Ärzte mit dem Tablet am Krankenbett sind die Zukunft", so Bachinger.

Zu höherer Transparenz würde auch ein System beitragen, das die Möglichkeit bietet, Gesundheitsdienstleister im Hinblick auf die Qualität ihres Service zu vergleichen - ähnlich, wie es etwa in Hotellerie oder Gastronomie schon länger Gang und Gäbe ist.

Best Practice-Beispiel aus Deutschland ist die "Weiße Liste" der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten deutschen Patienten- und Verbraucherorganisationen, die als Wegweiser durch das deutsche Gesundheitssystem dient: www.weisse-liste.de (PM)

Rückfragen & Kontakt:

Mag Ulrike KLEIN
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
05 90 900 3714
ulrike.klein@wko.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002