OÖNachrichten-Leitartikel: "Flächenfraß und Fleckerlteppich", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 20. September 2014

Linz (OTS) - Oberösterreich wächst in die Breite, nicht in die Tiefe und nicht in die Höhe. Auf das erschreckende Ausmaß dieser Form der Flächenvernichtung ist schon oftmals, auch an dieser Stelle, hingewiesen worden. Die schlimmste Variante dieses Flächenfraßes und der Landschaftszerstörung nennt sich hierzulande Gewerbegebiet. Derzeit liegen zwischen 10.000 und 20.000 Hektar Gewerbezonen in Oberösterreich ungenutzt brach, weil mehr Zonen durch Umwidmung entstehen, als tatsächlich gebraucht werden. So lauten Schätzungen. Dieses Areal entspräche der Gesamtfläche zehn durchschnittlich großer Gemeinden, nicht eingerechnet die nicht genutzten Industrieareale. Nicht einmal grob beziffert werden kann der damit verbundene finanzielle Aufwand für die Erschließung dieser Zonen. Geld, das sinnlos verpulvert worden ist, weil die erhofften Firmenansiedlungen letztendlich ausgeblieben sind. Gerade in vielen Kleingemeinden ist deswegen die Ernüchterung groß, die Fehlinvestition wird peinlich verschwiegen, das Gewerbezentrum bleibt ein Stoppelacker mit teuer asphaltierter Zufahrt.
Trotz dieser Verschleuderung der Mittel ist die Entwicklung ungebrochen, Gemeinden wetteifern um Ansiedlungen. Kein Ort, der auf sich hält, kein Bürgermeister, der seinen Amtskollegen standhalten will, möchte daher eine solche Gewerbezone entbehren. Sie wuchern überall im Land. Äcker werden planiert, Grünflachen asphaltiert, Gemeinden entleeren ihre Zentren, die Wirtschaftszonen fressen sich in der Peripherie in die Landschaft und lassen entlang der Hauptverkehrsstraßen neue Vorstädte entstehen. Dort funktionieren diese Zonen wie auch die größer angelegten Wirtschaftsparks, an den Rändern nicht. Soweit der Eindruck, journalistisch pointiert dargestellt.
Oftmals beschrieben worden ist ein anderer Eindruck, der sich aus dem Flugzeug beim Passieren der Grenze zwischen Bayern und Oberösterreich ergibt. Auf der bayrischen Seite das klar erkennbare Raumordnungsprinzip, Orte, die sich um ein Zentrum herum konzentrieren. Auf unserer Seite des Inns hingegen wie planlos hingewürfelt die Ansiedlungen, heftig zergliedert, Städte und Gemeinden fransen aus, am deutlichsten verläuft dieser Prozess des Ausrinnens in die Gewerbezonen. Auch das ein Preis, den wir für die Vielzahl an Kommunen zu entrichten haben. Wo bleibt die ordnende Hand?

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