TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 17.09.2014, Leitartikel von Manfred Mitterwachauer: "Ein kastriertes Theater"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Von einer landesweit einheitlichen Regelung der langen Einkaufsnächte fehlt nach wie vor jede Spur. Die Sommer-Posse um die Verkürzung der Innsbrucker Shopping-Night offenbart auch das zerrüttete Verhältnis zwischen Stadt und Land.

In Innsbruck wird es sich am 3. Oktober um 22 Uhr ausgeshoppt haben. Die Lange Einkaufsnacht öffnet heuer nicht bis 23 Uhr. Die Verordnung des Landeshauptmannes bleibt aufrecht. Mit jedem Jahr und jedem neuerlichen Antrag auf Genehmigung der Veranstaltung wiederholt sich dasselbe Sommer-Theater. Neu ist, dass sich dieses Mal nicht Wirtschaft und Arbeiterkammer/Gewerkschaft bekriegen, sondern Land und Stadt.
Missverstandene Umfrageergebnisse, ein angeblich zu kurzes Rahmenprogramm oder mangelnde Bereitschaft seitens Stadt, Wirtschafts- und Arbeiterkammer an einem runden Tisch - letztlich ist es egal, wem der schwarze Peter für die gekappte Einkaufsnacht zugeschoben wird. Eine Stunde auf oder ab - was solls? Sogar innerhalb der Unternehmerschaft scheint umstritten, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung nach 22 Uhr wirklich aufgehen kann. Fakt ist aber auch, dass sich die Innsbrucker Shopping-Nacht zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt hat: mehr als 600 teilnehmende Betriebe, rund 80.000 Besucher, 6000 zusätzlich verkaufte Öffi-Tickets und eine kolportierte direkte Wertschöpfung von drei Millionen Euro zeigen auf, dass der nächtliche Einkauf eine Erfolgsgeschichte ist. Dass sich dann ausgerechnet die dezidierten Wirtschaftsparteien ÖVP und "Für Innsbruck" in die Haare geraten sind, verwundert nur auf den ersten Blick. LH Günther Platter, Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (beide VP) und BM Christine Oppitz-Plörer (FI) geht es weniger um eine landeseinheitliche Regelung als vielmehr noch immer um das Begleichen alter Polit-Rechnungen. Einmal mehr offenbart sich hier das völlig zerrüttete Verhältnis der Polit-Spitzen in Stadt und Land.
Ungeachtet dessen ist die Zeit für eine tirolweite Einkaufsnacht-Regelung reif. Noch immer muss sich Platter mit jedem einzelnen Ansuchen herumschlagen. Noch immer sperren sich Arbeiterkammer und Gewerkschaft - im Sinne des Arbeitnehmerschutzes -gegen eine Landes-Lösung. Zwei Werktage pro Jahr und Gemeinde bis 23 Uhr- mit diesem Entwurf ist Zoller-Frischauf 2013 kläglich gescheitert. Seither hörte man diesbezüglich von Zoller-Frischauf nichts mehr. Erst mit dem Streit um die Innsbrucker Einkaufsnacht flammte die Debatte wieder auf. Gut möglich, dass sich diese Posse 2015 wiederholt. Für Innsbruck bleibt zu hoffen, dass am Ende dann aber nicht wieder - um TVB-Obmann Karl Gostner zu zitieren - nur eine "kastrierte Nacht" übrig bleibt.

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