Stift Admonter Missbrauchsprozess: Neuerlicher Befangeheitsantrag gegen Richter

Stift und beschuldigte Padres wollen Verantwortung auf Staat abwälzen

Admont/Wien (OTS) - Schwerer sexueller Missbrauch und schwere Körperverletzung, so lauten die Vorwürfe gegen zwei Padres des Stiftes Admont. Seit 2013 ist die Klage eines Betroffenen gerichtsanhängig. Gestern fand eine neuerliche Verhandlung im Landesgericht Leoben statt, die die Anwesenden empörte. Es wurde die Frage erörtert, ob der Missbrauch in der Dienstzeit oder außerhalb selbiger stattgefunden hat. Die beiden beklagten Padres behaupteten allen Ernstes, in all den Jahren, in denen sie in Admont waren, keine Freizeit gehabt zu haben. Auch der Richter behauptete, dass für den Kläger im Rahmen des Internatsgeschehens so etwas wie Freizeit nicht existiert habe. Somit ginge die Verantwortung für die Sexual- und Gewaltverbrechen zum Staat als Schulaufsichtsbehörde über, finanziell haftbar wäre dann der Steuerzahler.

Befangener Richter?

"Diese Behauptung stellte der Richter allerdings an, bevor die Beweisaufnahme abgeschlossen war. Aus diesem Grund haben wir einen neuerlichen Befangenheitsantrag gegen den Richter gestellt und die Verhandlung musste geschlossen werden", so der Opfer-Rechtsanwalt Dr. Gerhard Hiebler. Jetzt entscheidet der Senat über die mögliche Befangenheit des Richters. Schon zuvor wurde ein Befangenheitsantrag gegen den Richter gestellt, weil dieser ein familiäres Naheverhältnis zu Stift Admont habe. Dieser Antrag wurde vom Senat des LG Leoben abgelehnt.

Sich aus der Verantwortung stehlen

Sepp Rothwangl von der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt bezeichnet die ganze Verhandlung als skandalös. "Die Missbrauchsvorwürfe gegen die beiden Padres sind seit mindestens 2010 Bischof Kapellari und dem Stift bekannt. Viele weitere ehemalige Internatszöglinge haben ähnlich Grausames geschildert. Die Padres gaben ihre Taten sogar in einem Profil-Bericht zu. Gutachten belegen die Glaubwürdigkeit des Betroffenen. Sogar die kircheneigene Klasnic-Kommission hat eine Entschädigung in der Höhe von 25.000 EUR und 100 Therapiestunden bezahlt. Trotzdem will man mit allen Tricks versuchen, sich aus der Verantwortung zu stehlen und den Staat für die kirchlichen Verbrechen zu Kasse bitten und erhält offensichtlich Schützenhilfe vom Richter."

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