Arbeiterkammern starten Betriebsräte-Kolleg für Westösterreich

Arbeiterkammern Salzburg, Vorarlberg und Tirol eröffnen neues Betriebsräte-Kolleg

Innsbruck (OTS) - Rund 13.000 aktive und passive Betriebsräte sowie Personalvertreter engagieren sich derzeit in Salzburg, Vorarlberg und Tirol für ihre Kollegen, rund 1.500 tun dies als Vorsitzende. Mussten sie bislang für Speziallehrgänge auf Restplätze in Ostösterreich hoffen und weite Anreisen auf sich nehmen, so wird ihnen ab sofort durch eine Zusammenarbeit der Arbeiterkammern von Salzburg, Vorarlberg und Tirol mit dem AK Betriebsräte-Kolleg am Seehof in Innsbruck ein hochkarätiges Angebot ermöglicht.
Sie sind nicht nur eine wichtige Anlaufstelle, an die sich Beschäftigte in ihrer größten Not wenden können. Die Mitglieder des Betriebsrats, kurz "Betriebsräte" genannt, erfahren oft auch frühzeitig von Entwicklungen im Unternehmen, die sich (nachteilig) auf die Mitarbeiter auswirken können. Beispiele dafür gibt es viele:
Vom langjährigen Kollegen, der wegen wiederholten Krankenstands gekündigt werden soll, über die Videoüberwachung, die der Chef wegen vermeintlicher Diebstähle installieren lassen möchte, bis hin zu Worst-Case-Szenarien, wie der geplanten Verlegung der gesamten Firma in ein anderes Land.
Fachwissen als wichtiges Rüstzeug
Dass sich die Arbeitnehmervertreter freilich sehr viel Fachwissen in Recht und Wirtschaft aneignen und über soziale Kompetenz verfügen müssen, um in den Betrieben etwas bewegen zu können, liegt auf der Hand. Und die AK sieht es als eine ihrer zentralen Aufgaben, zu diesem wichtigen Rüstzeug zu verhelfen.
"Deshalb ist der 15. September auch ein bedeutsamer Tag für alle Arbeitnehmervertreter aus Vorarlberg, Salzburg und Tirol: Heute fällt der Startschuss für das neue AK Betriebsräte-Kolleg am Bildungshaus Seehof auf der Innsbrucker Hungerburg. Ab sofort haben Betriebsratsmitglieder und Personalvertreter aus dem Westen erstmals die Möglichkeit, einen Speziallehrgang in ihrer Nähe zu besuchen", freuen sich die drei AK Präsidenten Hubert Hämmerle (AK Vorarlberg), Siegfried Pichler (AK Salzburg) und Erwin Zangerl (AK Tirol). Neben einer hochkarätigen Ausbildung, die ihnen von Experten vermittelt wird, erlangen die Teilnehmer mit dem Abschluss auch die Studienberechtigung für das Wahlfach Recht an Universitäten. Präsident Siegfried Pichler, AK Salzburg; "Ein Betriebsrat ist enorm wichtig. Er ist das Herz seiner Firma, er weiß, wo den Menschen der Schuh drückt, und löst Alltagsprobleme im Betrieb, ohne dass es zur Eskalation kommt. Das ist wie bei der Feuerwehr. Erst wenn es brennt, merkt man, wie sehr man den Betriebsrat braucht. Deshalb ist das Kolleg ein Meilenstein."
Präsident Hubert Hämmerle, AK Vorarlberg: "Weil Betriebsräte an der Basis tätig sind, haben sie ihr Ohr nahe an den Bedürfnissen der Menschen und sind die wichtigsten Multiplikatoren für Infos an die Arbeitnehmer. Mit dem Betriebsräte-Kolleg wird nicht nur ihr Fachwissen entscheidend vertieft, sie werden zudem in Verhandlungsführung und Kommunikation geschult und können sich in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln. Gerade Manager erfahren in diesen Bereichen ausgedehnte Weiterbildungen. Und Betriebsräte sollen mit ihnen auf Augenhöhe diskutieren können."
Präsident Erwin Zangerl, AK Tirol: "Betriebsräte sind unsere wichtigsten Partner im Unternehmen. Als AK stehen wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite, um sie bei ihrer Arbeit für die Interessen ihrer Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und zu begleiten. Denn die Bereiche, in denen sie gefordert sind, werden immer vielfältiger und die Zusammenhänge immer komplexer. Deshalb benötigen unsere Betriebsräte die beste Ausbildung als Rüstzeug für ihren täglichen Einsatz."
18 Teilnehmer zum Auftakt
Der aktuelle Lehrgang startet mit 18 Teilnehmern - sieben aus Tirol, sechs aus Salzburg und fünf aus Vorarlberg, die in unterschiedlichsten Bereichen arbeiten: In multinationalen Konzernen ebenso, wie in Sozialeinrichtungen oder bei NGOs.
Experten von Universität Innsbruck, Fachhochschule Salzburg, Arbeiterkammer und BFI sowie Wissenschafter und Gastreferenten vermitteln beim Kolleg wesentliche Inhalte. "Losgelöst vom betrieblichen Alltag bietet die dreimonatige Ausbildung auch eine gute Gelegenheit, sich zu vernetzen und daraus Selbstbewusstsein für die verantwortungsvollen Aufgaben zu tanken", betonen die AK Präsidenten. "Ein Ziel ist, dass gut ausgebildete Betriebsräte als gewählte Funktionäre die Interessen ihrer Kollegen in Arbeiterkammer und Gewerkschaften vertreten!"
Bislang boten die Arbeiterkammern in Vorarlberg, Salzburg und Tirol jeweils regional sehr erfolgreich ein- bis dreitägige Seminare an. Der Besuch intensiver Aus- und Weiterbildungen war aber z. B. nur in der Grazer Otto-Möbes-Akademie oder in der Betriebsräteakademie in Hirschwang (NÖ) möglich. Zur stundenlangen Anreise kam erschwerend hinzu, dass die Angebote grundsätzlich für Betriebsräte und Personalvertreter aus dem jeweiligen Bundesland gedacht sind, und für ihre Kollegen aus dem Westen nur Restplätze zur Verfügung standen. In weiterer Folge ist bei späteren Kursen auch an Abhaltungsstandorte in den Bundesländern Salzburg und Vorarlberg gedacht.

Infos zum Lehrgang
Beim AK Betriebsräte-Kolleg handelt es sich um einen Vollzeitlehrgang mit der Dauer von 12 Wochen. Er ist speziell für Arbeitnehmervertreter konzipiert, die im Betriebsrat als Vorsitzende, deren Stellvertreter oder strategisch wichtige Mitglieder tätig sind und eine entsprechende Vorbildung aufweisen.
Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Arbeits- und Sozialrecht, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, Kommunikations- und Rhetoriktraining, Strategien zur Konfliktlösung oder Durchsetzung und Verhandlungstraining.
Träger des AK Betriebsräte-Kollegs ist der Verein biwest (Verein zur Förderung der Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen). Mitglieder dieses Vereins sind die Arbeiterkammern Salzburg, Vorarlberg und Tirol, die in Vorstand und Generalversammlung durch ihre Präsidenten und Direktoren vertreten sind.
Die Kosten des Lehrgangs tragen die Arbeiterkammern Salzburg, Vorarlberg und Tirol. Alle Infos, auch zu den Lehrgängen gibts auf www.ak-tirol.com
biwest wird sich auch über den AK Betriebsräte-Lehrgang hinaus um arbeitnehmerorientierte, bundesländerübergreifende Spezialausbildungen kümmern bzw. solche Angebote entwickeln. Die bewährten ein- bis dreitägigen Seminare werden als wesentlicher Bestandteil der fundierten Ausbildung natürlich weiterhin in den Bundesländern angeboten und noch weiter ausgebaut.

Zahlen & Fakten
In Salzburg, Vorarlberg und Tirol stellen sich derzeit insgesamt rund 13.000 aktive und passive Betriebsräte sowie Personalvertreter tagtäglich mit viel persönlichem Einsatz der Herausforderung. Mehr als 1.500 tun dies als Vorsitzende dieser Gremien. Und sie tun es ehrenamtlich.
Wie bedeutsam die Existenz eines Betriebsrats werden kann, zeigte sich zuletzt in Tirol besonders drastisch - gerade auch im Bankenbereich beim Sozialplan für die Hypo Tirol Bank oder bei jenem, der für die Tyrolean-Mitarbeiter ausgehandelt wurde. So ist etwa vielen Beschäftigten gar nicht bewusst, dass ein Sozialplan nur in Betrieben abgeschlossen werden kann, in denen es einen Betriebsrat gibt.
11 von 1.000 guten Gründen, warum ein Betriebsrat wichtig ist
1. Verzicht auf einen Betriebsrat bedeutet Verzicht auf Mitsprache und auf wichtige Arbeitnehmerrechte.
2. Der Betriebsrat überwacht die Einhaltung von Gesetzen und Kollektivverträgen.
3. Er hat ein Mitspracherecht bei Kündigungen.
4. Interessenausgleich und Sozialplan bei Personalabbau sind nur mit Betriebsrat möglich!
5. Der Betriebsrat schützt vor Überwachung,
6. mit ihm erhalten Beschäftigte viel mehr Informationen.
7. Er kann bei Betriebsurlaub, Arbeitszeitmodellen etc. mitbestimmen. 8. Nur mit einem Betriebsrat können Betriebsvereinbarungen verhandelt werden.
9. Aufgrund seiner Tätigkeit ist er vor Kündigung geschützt und hat Anspruch auf Schulungen.
10. Auf Wunsch ist er bei jedem Gespräch dabei und kann
11. Sanktionen überwachen
Obwohl gesetzlich dazu verpflichtet, haben längst nicht alle Betriebe einen Betriebsrat. Aus Erfahrung der AK Experten wäre es jedoch speziell in Branchen, wie Gastgewerbe oder Handel höchst notwendig, Betriebsräte einzurichten. Aber gerade dort stellen sich Betriebsratsgründungen wegen saisonaler Beschäftigung, Filialstruktur und hoher Mitarbeiterfluktuation als äußerst schwierig dar.

Rückfragen & Kontakt:

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Tirol, Pressestelle
Dr. Elmar Schiffkorn
Tel.: 0512/5340 - 1280
elmar.schiffkorn@ak-tirol.com

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