OÖNachrichten-Leitartikel: "Neue Gesichter wird das was?", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 6. September 2014

Linz (OTS) - Es ist zumindest in Österreich eine ganz passable Woche gewesen. Die neuen Handelsreisenden der Innenpolitik bringen mehr von dem mit, was am besten im Englischen unter dem Begriff "Leadership" zusammengefasst ist: Wille, Tatkraft, natürliche Autorität. Gewonnen ist damit nichts, solange sie nicht tun, was sie sagen.
Aus der veränderten Gefühlslage ist jedoch ablesbar, dass die Krise der heimischen Politik ganz stark eine Krise ihrer Figuren ist. Es geht um nichts weniger als um die Kernfrage: Sitzen die Leute mit dem Häuptlings-Gen dort, wo wir sie brauchen, also ganz oben? Und werden diese Plätze nicht von Mitläufern verstellt, die dort nicht hingehören?
Nach Monaten der Lähmung und des Dauer-Patts in der Regierung hat ein großes Bedürfnis nach anderen Gesichtern bestanden, auch das lehrt uns diese Woche.
Dies kann als eine Bekräftigung dessen verstanden werden, dass Wechsel und Ablöse das Kernwesen der Demokratie sind und nicht das Kleben am Amt. Die Gewichte in der Volkspartei können sich verschieben - und zwar weg von den Altfunktionären. Dass sich Verdrossenheit wie Mehltau über das Land gelegt hat, hat viel mit ihnen zu tun, deren immer wiederkehrende Floskeln wir nicht mehr hören können, weil diesen selten entsprechende Handlungen folgen. Plötzlich steht uns Abwechslung ins Haus. Hoffentlich.
Nehmen wir den Finanzminister. Es ist bei Betrachtung seiner Vita ein Macher erkennbar, gepolstert mit überbordendem Selbstbewusstsein, das in der Politik jedoch schnell zum Stolperstein werden kann. Jedenfalls ist ein kräftiger Vorschuss im Spiel und turmhohe Erwartung. Klar ist: Die Österreicher wollen von Leuten geführt werden, denen sie Entschlossenheit zutrauen. Führung heißt, in Mimik, Gestik und deutlicher Wortwahl zum Ausdruck zu bringen, dass hier nicht Zauderer und mausgraue Verwalter an den Hebeln sitzen. Und dann müssen den Worten Taten folgen.
Fehlte daher nur noch eine klitzekleine Kleinigkeit, nämlich das Programm. Wie wäre es damit? Eine Steuerreform, umgesetzt so rasch als möglich. Ohne Gegenfinanzierung durch neue Steuern. Und ohne zusätzliche Schulden. Wenn wir uns das bitte wünschen dürfen. Und hört bitte auf mit der Kampfrhetorik! Die Lage ist zu ernst für solche Spielereien.

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