Dialogforum der AKNÖ: Prekäre Arbeitswelt als Herausforderung der Politik

Über 100 TeilnehmerInnen beim IX. Dialogforum der AKNÖ und des ÖGB NÖ in Hirschwang

Wien (OTS/AKNÖ) - Die moderne Arbeitswelt ist vom Gegensatz zwischen optimistischen Erwartungen und prekären Realitäten geprägt. Das Dialogforum 2014 der AKNÖ und des ÖGB Niederösterreich ging den Ursachen dieser Entwicklung auf den Grund und analysierte ihre Folgen für die ArbeitnehmerInnen. Im Dialog zwischen Wissenschaft und Interessenvertretung wurden Lösungen erarbeitet, die zu einem Mehr von Arbeit, Leben und Geld für die ArbeitnehmerInnen führen sollen.

Das Dialogforum 2014 stand unter dem Motto: Mehr von Allem - Arbeit, Leben, Geld. AKNÖ-Präsident Markus Wieser thematisierte in seiner Eröffnungsrede die aktuellen Probleme der Arbeitswelt. "Da ist zum einen die Zunahme der Teilzeitarbeit. Eine neue Studie der AKNÖ belegt den starken Anstieg in den letzten zehn Jahren und zeigt die Probleme der Betroffenen - das sind zu 85 Prozent Frauen - auf: hoher Arbeitsdruck, fehlende Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, geringeres Einkommen und unzulängliche Altersversorgung."

Der Soziologe Ass.-Prof. Dr. Roland Atzmüller von der Universität Linz ging in seinem Hauptvortrag der Frage nach: "Krisenpolitik statt sozialer Sicherheit - Weniger Solidarität dafür mehr Armut und Ungleichheit?" Seit dem Erstarken des Neoliberalismus in den 70er-Jahren steige der Druck auf die sozialen Sicherungssysteme. Privatisierungen und die Deregulierung öffentlicher Dienstleistungen sowie die Flexibilisierung von Arbeit führe zu einem Mehr an sozialer Ungleichheit und Unsicherheit. "Außerdem führt der neoliberale Umbau zu einer Polarisierung des Wohlfahrtsstaates", so Atzmüller. Auf der einen Seite bestehe eine geringe soziale Absicherung von Langzeitarbeitslosen und SozialhilfeempfängerInnen, Frauen und MigrantInnen, sodass diese in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Auf der anderen Seite werde die Produktivität jener, die (noch) zum Wirtschaftswachstum beitragen, gefördert. Die aktuelle Krisenpolitik der EU habe diese Entwicklung weiter verstärkt.

Folgerungen für die Praxis

Am zweiten Tag zogen in einer Podiumsdiskussion Bundesministerin Dr. Gabriele Heinisch-Hosek, der Unternehmer KommR Veit Schmid-Schmidsfelden, ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Anderl und Veronika Kronberger von der "Plattform Praktikum" Schlussfolgerungen für die Praxis. Heinisch-Hosek sieht in einer gerechteren Verteilung von Arbeit und Familie zwischen den Geschlechtern die wichtigste Herausforderung für die Zukunft. Den Schulen komme außerdem -Stichwort Berufsorientierung - eine wesentliche Rolle zu. "Die Information über die Berufsmöglichkeiten muss schon in der Unterstufe ansetzen", so Heinisch-Hosek. Schmid-Schmidsfelden betonte die Rolle einer guten Ausbildung für den beruflichen Erfolg und legte auch ein Bekenntnis zur nachhaltigen Ausbildung in den Betrieben ab. "Mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung in der Industrie geht auf Wissen zurück, von der Wertschöpfung eines Jobs hänge außerdem dessen Nachhaltigkeit ab", erläuterte Schmid-Schmidsfelden. Er bot sich auch als Mitstreiter gegen Ungereimtheiten bei Praktika an. Anderl trat für eine Umverteilung der vorhandenen Arbeit auf mehr Köpfe ein. Für Flexibilität in der Arbeitswelt sei der ÖGB zu haben, aber mit klaren Grenzen. Kronberger sprach den zunehmend hürdenreicheren Berufseinstieg junger Menschen an, der auch immer mehr AkademikerInnen betrifft. "Gut ausgebildete junge Menschen sind frustriert, wenn sie von Praktikum zu Praktikum gehen", so Kronberger, die auch auf die zunehmende Umgehung des Arbeitsrechtes hinwies.

AKNÖ- Direktor Mag. Helmut Guth erläuterte, dass der Wohlfahrtsstaat bislang sehr handlungsfähig gegen Wirtschaftskrisen sei, aber der anhaltende Neoliberalismus die Säulen der sozialen Sicherheit erschüttere.

AKNÖ-Präsident Markus Wieser deponierte, dass sich die Normalität der Arbeitswelt völlig ändere, AK und ÖGB aber klare Antworten und Forderungen auf diese neue Situation hätten und diese auch über das Dialogforum hinaus öffentlich diskutieren werden.

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