Gilt das Kirchenrecht?

Pächter des Stifts Klosterneuburg warten auf Entscheidung des Papsts

Langenzersdorf (OTS) - Sua Santità Francesco
Sommo Pontefice
Casa Santa Marta
V-00120 Città del Vaticano

Eure Heiligkeit!

Wir möchten Euch für die Beantwortung unserer Schreiben durch Euren Assessor Prälat Wells am 7. April herzlichst danken!

Offenbar scheint es jedoch ein Missverständnis zu geben, was das "Eingreifen in behördliche Angelegenheiten im Ausland" betrifft. Derzeit führen wir keine Verfahren gegen das Chorherrnstift Klosterneuburg. Alle Verfahren sind abgeschlossen und haben für die Pächter nicht den gewünschten Erfolg gebracht, weil es leider einen Unterschied gibt zwischen "Recht haben" und "Recht bekommen"! Wir hatten diese Gerichtsverfahren auch nur geführt, weil uns seitens des Stifts Klosterneuburg dazu geraten wurde (Protokoll eines Gesprächs zwischen dem Stift - vertreten durch den Abt, den Kämmerer und Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung - und dem Pächterverein im Jahr 2006, als der Kämmerer meinte: "Wenn sich ein betroffener Pächter in seinen Rechten verletzt fühlt, könne er ja den Gerichtsweg beschreiten").

Wir haben mit großem Interesse die aktuelle Berichterstattung in den Medien verfolgt, wonach Eure Heiligkeit nun Richtlinien für Orden im Umgang mit Geld und Gütern erlassen hat, dies gibt uns Hoffnung, dass es doch noch eine Lösung unserer Probleme mit dem Stift Klosterneuburg geben kann!

Dass Eure Verfügung notwendig war, zeigt allein schon, wie das Stift Klosterneuburg seine wirtschaftlichen Interessen verfolgt. Wir fügen das aktuelle Organigramm und eine Darstellung seiner Betriebe bei. In einem Zeitungsartikel (KURIER) vom 18. August 2014 gibt der Finanzdirektor des Stifts bekannt:

"...Wir haben etwa 200 Mitarbeiter und rund 10.000 Hektar Grundbesitz, davon sind 8000 Hektar Forst und 1500 Hektar verpachtete Flächen, darunter 700 Wohnungen. Der Rest entfällt auf Bio-Landwirtschaft und unser Weingut", sagt Finanzdirektor Paul Wallner. Aus rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften die Chorherren vor allem aus Verpachtungen, Forstwirtschaft und Wein etwa vier Millionen Gewinn. Ein Viertel davon, also rund eine Million Euro pro Jahr, wird gespendet. Das Stift Klosterneuburg unterstützt unter anderem die Sozialprojekte des Jesuitenpaters Georg Sporschill in Südosteuropa, ein Kinderdorf in Indien und ein Sozialprojekt für Roma in Rumänien..."

Wie kann ein katholischer Orden auf Gewinn ausgerichtet sein??? Wie lässt sich das mit dem Gelübde über Armut, Gehorsam und Keuschheit vereinbaren?

Kürzlich wurde in der Zeitschrift GEWINN (Ausgabe 5/2014) bekanntgegeben, dass das Stift Klosterneuburg mehrere Grundstücke (18.000 m2) in Wien Donaustadt zum Kaufpreis von mehr als Euro 9 Mio. erworben hat!

Heiliger Vater, Ihr wollt eine arme Kirche ohne Grundbesitz!
Es ist allgemein bekannt, dass das Stift Klosterneuburg hauptsächlich mit dem Fertighaus-Unternehmen GLORIT zusammenarbeitet und auf vielen Grundstücken in der Umgebung der zuletzt erworbenen Flächen Fertighäuser und -wohnungen unter dem Motto "Luxury Living" errichtet wurden bzw. werden, wobei für die Grundstücke ein Pachtzins von ca. Euro 20 - 24/m2 verlangt wird.
(http://www.glorit.at/index.php?id=251&L=0)

Ein Artikel im AUGUSTIN vom 29.6.2011 beschreibt diese Vorgänge sehr treffend:

"...Die schmutzigen Vorarbeiten zur 'sozialen Säuberung' der schönen Lage, zur Verdrängung des Sozialen aus den besten Adressen, übernimmt ausgerechnet ein zum economy player gereifter ehemaliger christlicher Armuts-Orden. Das Stift Klosterneuburg ist größter Grundeigentümer in dieser Region, die Häuslbauer_innen habe als Pächter von Stiftsparzellen keinerlei Rechte, die Gentrifizierung ihrer 'Riviera' zu beeinflussen..."

(http://www.ots.at/redirect/augustin)

Wie lässt sich das oben Beschriebene mit dem Can. 634 CIC (Kirchenrecht, Buch 2/ Institute des geweihten Lebens/Ordensinstitute/Artikel3/Vermögen und Vermögensverwaltung) vereinbaren, wo es heißt:

§ 1. Institute, Provinzen und Niederlassungen sind als juristische Personen von Rechts wegen fähig, Vermögen zu erwerben, zu besitzen, zu verwalten und zu veräußern, sofern nicht diese Fähigkeit in den Konstitutionen ausgeschlossen oder eingeschränkt ist.

§ 2. Sie haben aber jedwede Art von Luxus, von unmäßigem Gewinn und von Güteranhäufung zu vermeiden.

Die Renovierung des Stifts Klosterneuburg seit dem Jahr 2003:
den Medien ist zu entnehmen, dass die Kosten für die Renovierung des Stifts zwischen 2003 und 2006 rund 34 Mio. Euro betragen haben. In einer Darstellung der Wirtschaftsbetriebe (anbei) ist von jährlich 1,1 Mio. Euro seit 1977 die Rede. Da 2014 das 900-jährige Bestehen des Stifts gefeiert wird (das ganze Jahr über!), wurde nochmals gründlich renoviert: die Kosten dafür (Wertschöpfung) beliefen sich laut Website des Stifts auf ca. 12,5 Mio. Euro! 60 % davon brachte das Stift aus eigenen Einnahmen auf, der Rest stammt vom Land Niederösterreich, dem Bund und der Stadt Klosterneuburg, also alles aus Steuergeldern!!!

Das Stift Klosterneuburg bezieht jährlich beträchtliche Summen an landwirtschaftlichen Fördergeldern der Europäischen Union! Im Jahr 2012 betrugen diese rund Euro 370.000, im Jahr 2013 rund Euro 526.000!
(www.transparenzdatenbank.at)

Im Februar 2013 reiste Abt Backovsky samt Gefolge zur Außenstelle Glen Cove in die USA, um dort ein rauschendes Fest (Inaugural Headmaster's Ball - An Evening of Dining and Dancing in the Viennese Tradition) zu feiern! Bei dieser Gelegenheit wurde ihm auch zu seinem 70. Geburtstag gratuliert!

Video auf https://www.youtube.com/watch?v=2ETlD_-2cjc

Abt Backovsky brachte eine Spende mit, weiters lud er die Mitarbeiter dieser Außenstelle zu den 900-Jahr-Feiern nach Klosterneuburg ein!

Wir hatten in unserem ersten Schreiben an Euch (anbei) bereits unsere Anliegen beschrieben: nach wie vor wollen einige Pächter ihr Grundstück kaufen, so wie es ihnen bei Pachtvertragsabschluss von den Herren des Stifts versprochen wurde!

Diese Verkäufe hat es in großer Zahl nach Ende des Zweiten Weltkrieges und bis zum Amtsantritt von Abt Backovsky Mitte der 90erJahre gegeben. Allein in Langenzersdorf konnten ca. 500 Pächter ihre Pachtgrundstücke kaufen! Zur Zeit der russischen Besatzung (1945-1955) trat das Stift von sich aus an viele Pächter heran und bot den Kauf an. Es herrschte seitens des Stifts die Angst, dass auch die Russen das Stift enteignen könnten! (Einige Pächter bzw. deren Eltern hatten während des 2. Weltkrieges, als das Stift Klosterneuburg von den damaligen Machthabern enteignet wurde, ihre Grundstücke kaufen können. Nach Kriegsende und Rückstellung der Grundstücke wurden diese Grundverkäufe annulliert, sie wären nicht rechtsgültig zustande gekommen!).

Die beigefügten Fotos sollen Euch zeigen, wie Langenzersdorf vor der Besiedelung durch die Pächter ausgesehen hat und wie es sich heute präsentiert. Unendlich viel Fleiß, Sparsamkeit, Entbehrungen und Mühsal der Pächter haben dieses Land aufgewertet. Und diese Wertsteigerung macht sich das Stift Klosterneuburg jetzt zunutze, ohne jemals einen finanziellen Beitrag dafür geleistet zu haben! Unbrauchbares Land, das ihnen vor 900 Jahren geschenkt wurde, wird seit einigen Jahren dazu benutzt, um uns Pächter zu Abhängigen zu machen! Von unseren Nachkommen verlangt das Stift bis zum Sechsfachen des bisherigen Pachtzinses, obwohl es seit jeher eine jährliche Wertanpassung nach dem Bauhilfsarbeiterlohnindex gibt!

Kirchenrecht - CIC

Buch 5/Kirchenvermögen/Titel 2: Vermögensverwaltung
(http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm):

Can. 1273:
"Kraft des Leitungsprimats hat der Papst die oberste Verwaltung und Verfügung über alle Kirchengüter"

Heiliger Vater, wir bitten Euch, in Anbetracht Eurer Verfügungsgewalt über das Stift Klosterneuburg und dessen Güter, jenen Kapitelbeschluss unter Abt Backovsky bezüglich keiner weiteren Veräußerung von Grundstücken für jene Pächter aufzuheben, denen ein späterer Kauf (zu sozialen Bedingungen und unter Anrechnung des bisher bezahlten Pachtzinses) versprochen wurde und die nach wie vor zu einem Kauf bereit sind, und ebenfalls dafür Sorge zu tragen, dass den übrigen Bestandnehmern Baurechtsverträge (anstelle von Superädifikatsverträgen!) mit fairen Bedingungen und sozialen, leistbaren Baurechtszinsen vorgelegt werden, der ihnen und ihren Nachkommen das Wohnhaus (ihr Lebenswerk!) sichert!

Gerne sind wir auch bereit, Eure Heiligkeit persönlich im Vatikan zu besuchen, um die Sachlage ausführlich zu besprechen!

Wir möchten Eurer Heiligkeit für Eure Hilfe herzlichst danken und wünschen Euch viel Kraft und Gesundheit und ein langes Leben, um Eure Tempelreinigung weiter fortsetzen zu können! Wir beten für Euch!

Mit unserer großen Hochachtung für Eure Werke verbleiben wir

PÄCHTERVEREIN LANGENZERSDORF

Elisabeth Weidenthaler Gert Teply
Obfrau Obfrau-Stellvertreter

Beilagen:
Schreiben vom 17. Juni 2013
Fotos Langenzersdorf
Organigramm Wirtschaftsbetriebe Stift Klosterneuburg
Darstellung Wirtschaftsbetriebe

Rückfragen & Kontakt:

Pächterverein Langenzersdorf
Elisabeth Weidenthaler
weidenthaler@pacht.co.at
0676-3105453
www.pacht.co.at

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