Unfall in Niederösterreich: Gewerkschaft fordert mehr Personal in den Zügen

Mehr gut ausgebildete MitarbeiterInnen für die Sicherheit der Fahrgäste notwendig - Eisenbahnbehörde- und -unternehmen müssen handeln

Wien (OTS/ÖGB) - Der Unfall mit der Schnellbahn gestern, Donnerstag, in Leobendorf, bei dem glücklicherweise nicht noch mehr passiert sei, zeige wieder einmal auf, welche erhebliche Verantwortung ein Triebfahrzeugführer wahrnehmen müsse, sagt Gerhard Tauchner, Sprecher der Plattform Lokfahrdienst in der Gewerkschaft vida. Selbst bei einem Ereignis wie dem heutigen, sei es der Triebfahrzeugführer, der "in der ersten Reihe sitzt", und die alleinige Verantwortung für die Sicherheit am Zug habe. "Bei dieser Verantwortung und in solchen Stresssituationen ist es keinesfalls möglich, dass sich der Lokführer auch noch um die 300 Fahrgäste kümmern kann. Die Reisenden sind in solchen Fällen wider aller Sicherheitsbedenken von Gewerkschaft und Fahrgastverbänden, durch das Fahren ohne Zugbegleiter im 0:0-Betrieb in kritischen und gefährlichen Situationen auf sich alleine gestellt. Das kann so nicht funktionieren", so Tauchner: "Die Eisenbahnbehörde und die Eisenbahnunternehmen sind gefordert, entsprechende Maßnahmen im Sinne der Sicherheit zu treffen", fordert der vida-Gewerkschafter das Aus für den schaffnerlosen Zugbetrieb. ****

Die Personenverkehrsunternehmen stünden im permanenten wirtschaftlichen Konkurrenzdruck, um den Fahrgästen ein entsprechendes Angebot bieten zu können. "Doch jede Wirtschaftlichkeit hat ein Ende, wenn es um die Sicherheit geht. Immer größere Fahrzeuge werden nur mit einem Triebfahrzeugführer besetzt wie beispielsweise die unübersichtlichen Doppelstock-Garnituren", kritisiert Tauchner. Aufgrund der Bespannung mit Lokomotiven habe der Triebfahrzeugführer gar keine Möglichkeit, ohne Umwege zu den Fahrgästen zu gelangen: "Deshalb ist es unumgänglich, zusätzliches Personal in den Zügen bereitzustellen, das im Ernstfall für die Sicherheit der Fahrgäste sorgen kann", fordert der Gewerkschafter.

Eisenbahnaufsichtsorgane seien für die Sicherheit der Reisenden in den Zügen und auf den Bahnhöfen verantwortlich. Diese sollen in Zusammenarbeit mit den sogenannten Zugräumern im Ernstfall evakuieren. Diese Aufgabe könne der Triebfahrzeugführer nicht auch noch wahrnehmen - schon gar nicht nach einem solchen Unfall wie dem gestrigen in Niederösterreich. "Die heute in den Medien veröffentlichten Bilder zeigen Fahrgäste, die deutlich sichtbar im Gefahrenraum am Bahnsteig stehen. Das darf es nicht geben. So etwas kann nur mit mehr ausreichend qualifiziertem Personal verhindert werden", sagt Tauchner.

Dass es sich hierbei um keinen Einzelfall handle, zeige der Sicherheitsbericht 2012 von der Bundesanstalt für Verkehr: Im Jahr 2012 habe es 192 Kollisionen mit Zügen und 142 Zusammenstöße auf Eisenbahnkreuzungen gegeben. "Um die Sicherheit der Fahrgäste und die Situation für die Triebfahrzeugführer zu verbessern, ist sofort entsprechendes Personal aufzunehmen und auszubilden", verlangt Tauchner. "Es ist absolut verantwortungslos, den Eisenbahnverkehrsunternehmen die Entscheidung für mehr oder weniger Personal, das für die Sicherheit zuständig ist, alleine zu überlassen", so Tauchner.

Link zu den Sicherheitsberichten der Bundesanstalt für Verkehr :
http://versa.bmvit.gv.at/index.php?id=400

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