75 Jahre Zweiter Weltkrieg: "Verfolgt, verschleppt, vernichtet"

Am 5. September in "Universum History" - um 22.45 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit Tom Matzeks Dokumentation "Verfolgt, verschleppt, vernichtet" rekonstruiert "Universum History" im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zu "75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs" (Details unter presse.ORF.at) am Freitag, dem 5. September 2014, um 22.45 Uhr in ORF 2 den Weg vom Feindbildaufbau bis hin zum durchgeführten industriellen Massenmord. Er zeigt die Zusammenhänge zwischen Kriegsführung und Vernichtungsmaschinerie, zwischen Euthanasie und der medizinischen Versorgung von Kriegsverwundeten. Er verfolgt die Entwicklung von den ersten Gasmorden in Schloss Hartheim bis zu den industrialisierten Massenmorden in Auschwitz, von tödlichen Medizinexperimenten in Ravensbrück bis zum vernichtenden Arbeitseinsatz im Rüstungsbetrieb des KZ Aflenz. Matzeks Film analysiert ein System, das menschliches Leben einer erbarmungslosen Kosten-Nutzen-Rechnung unterzog. "Verfolgt, verschleppt, vernichtet" entstand als Koproduktion von ORF und pre tv, gefördert durch den "Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus" und CineStyria Filmkunst.

Die Lehrerin Irma Trksak, der Bauer Johann Gschwandtner, der Fußballer und langjährige legendäre Klubsekretär der Wiener Austria, Norbert Lopper - für die Nazis waren sie "Untermenschen". Der Film erzählt die exemplarischen Geschichten von Menschen, die Opfer des Rassenwahns wurden, weil sie nicht dem deutschen ("arischen") Herrenrassenideal entsprachen. Sie wurden verfolgt, verschleppt, vernichtet - im Krieg der "Herrenmenschen" gegen die "Untermenschen".

"Ich habe nicht geglaubt, dass ich wieder raus komme, ich habe faktisch mit dem Leben abgeschlossen", erzählt der 90-jährige Norbert Lopper, der die Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz überlebte. Lopper war ein talentierter Wiener Fußballer der 30er Jahre. Weil er aus einer jüdischen Familie kam, wurde er deportiert.

"Ich war auf einmal nicht mehr die Irma Trksak, ich war nur mehr die Häftlingsnummer 14177. Ich war kein Mensch mehr, nur mehr eine Nummer, als ich ins Lager kam." - Irma Trksak kam ins KZ Ravensbrück, weil sie als Slawin nach der NS-Rassenlehre als minderwertig - und als aktive Sozialdemokratin als politisch gefährlich galt. Frau Trksak entkam der Gaskammer, die Todesgefahren in den verschiedensten Arbeitskommandos erlebte sie jedoch ebenso hautnah wie medizinische Experimente. Die breite Palette medizinischer Experimente in den Konzentrationslagern wird in Tom Matzeks Film ausführlich thematisiert.

"Mir zeigt sich das Bild eines gesunden Menschen, der durch eine unglückliche Liebe einen Nervenzusammenbruch erlitt und aus diesem Teufelskreis nicht mehr herauskam." So beschreibt Martin Gschwandtner seinen Onkel Johann, der ein Opfer der NS-Medizin wurde. Johann Gschwandtner, ein Salzburger Bauer, war Psychiatriepatient und wurde 1941 nach Schloss Hartheim verschleppt. Dort wurde er vergast - als sogenanntes "unwertes Leben".

Johann Gschwandtner, Irma Trksak, Norbert Lopper: drei Lebens- und Leidensgeschichten - sie stehen repräsentativ für die Vielfalt der Opfergruppen des NS-Terrors. Wer einmal zum Feindbild stigmatisiert war, hatte nur geringe Überlebenschancen. Das Töten sogenannter Untermenschen blieb im NS-Staat sanktionsfrei, es war "Dienst an der Gesellschaft der Herrenmenschen" und brachte Beförderung. SS-Reichsführer Heinrich Himmler bezeichnete es einmal als "Krieg nach innen", den das NS-Regime neben dem Unterwerfungskrieg nach außen zu führen habe: Millionen Menschen, ob rassisch verfolgt oder medizinisch selektiert, fielen diesem Krieg zum Opfer.

Der Film ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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