TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 4. September 2014 von Alois Vahrner "Von Löhnen, Laptops und Lederhosen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Und wieder blieb Tirol im bundesweiten Einkommensvergleich nur enttäuschender Vorletzter vor dem Burgenland. Eine Statistik, die sowohl das Land als auch den Bund und die Sozialpartner in Zugzwang bringt.

Erneut kann man es auf den kurzen Nenner zusammenfassen: Im Westen nichts Neues. Wie in den Jahren zuvor blieb Tirol in der Einkommensstatistik des Hauptverbands der Sozialversicherungen auf dem ernüchternden achten und damit vorletzten Platz aller Bundesländer.
Seit Jahren zanken sich Tirols Parteien, Arbeitgeber-Vertreter, die AK und der ÖGB über die unerfreulichen Einkommenszahlen. Zuweilen wurden diese auch angezweifelt oder verharmlost ("Loch-Ness-Meldungen"), ohne aber bisher andere oder bessere Zahlen vorgelegt zu haben.
Tirol mag tatsächlich mehr jüngere Beschäftigte haben, weniger internationale Konzernzentralen und im Schnitt kleinere Betriebe als etwa Wien. In Front (und das immerhin mit einem großen Abstand von 235 Euro brutto im Monat vor Tirol) liegt aber Vorarlberg, für das diese Lohnbremsen genauso gelten wie für Tirol.
"Tirol ist oben" und "Tirol hat Arbeit" hatte die ÖVP im letzten Landtagswahlkampf plakatiert, während die meisten politischen Herausforderer zu hohe Preise und zu niedrige Löhne angeprangert haben. Tatsächlich liegt Tirol unter den Top-50-Regionen der EU und bei vielen Wirtschaftsdaten wie mehrjährigen Wachstumsvergleichen oder der Arbeitslosigkeit nach wie vor gut, auch wenn es da deutliche Alarmsignale gibt. Dazu kommen sehr geringe Landesschulden inklusive des Familiensilbers Tiwag, Wohnbauförderung und Hypo (auch wenn deren Wert schon weit höher war), das im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht abverkauft wurde.
Tirol hat aber unterdurchschnittliche Löhne bei gleichzeitig hohen Preisen, gerade auch beim Wohnen. Das macht für viele das tägliche Leben schwierig und größere Anschaffungen schlicht unerschwinglich. Ohne florierenden Tourismus wären die meisten Tiroler Täler heute Notstandsgebiete, die einkommenstärksten Länder sind mit Vorarlberg und Oberösterreich aber Bundesländer mit ausgeprägt hoher Industrie-Dichte. Tirol hat wirkliche Industrieperlen, ein Lohnruck nach oben wird aber nur mit deutlich mehr Hightech-Firmen und Forschung gelingen. "Laptop und Lederhose" hieß einmal Bayerns erklärtes Erfolgsrezept, beim Laptop-Faktor hat Tirol noch viel Luft nach oben.
Gefordert ist aber auch der Bund: In den letzten beiden Jahren sind die Bruttolöhne in Österreich spürbar stärker gestiegen als die Inflationsrate. Die Kaufkraft ist auch wegen der kalten Steuerprogression aber bei vielen Bürgern weiter gesunken. Die viel diskutierte Steuerreform wird immer dringlicher.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001