- 02.09.2014, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Gläserne Decke über KMU" - von André Exner
Die Übermacht der Konzerne spüren nicht nur Regimekritiker und Occupy-Anhänger
Utl.: Die Übermacht der Konzerne spüren nicht nur Regimekritiker und
Occupy-Anhänger =
Wien (OTS) - Dass sich Politiker aller Couleurs in ihren Reden gerne
auf den KMU-Sektor als Rückgrat der Wirtschaft beziehen, ist
angesichts der Zahlen verständlich: 99,6 Prozent der heimischen
Betriebe gehören dem KMU-Sektor an und sorgen für zwei Drittel der
Umsätze und der Beschäftigung. Zahlen, die im internationalen
Vergleich extrem hoch erscheinen - ob in Ost oder West, üblicherweise
wird jede Volkswirtschaft außerhalb von Österreich von Großkonzernen
dominiert.
Diese KMU-Lastigkeit ist in Österreich zwar ein Segen, dass im
globalen Wirtschaftskonzern Milliardenunternehmen die erste Geige
spielen, stellt für den heimischen Mittelstand jedoch ein immer
größeres Problem dar: Die Übermacht der internationalen Konzerne ist
längst nicht nur mehr für Regimekritiker und Occupy-Anhänger spürbar.
Dass jetzt auch der Verkauf des größten österreichischen Zementwerks
als geschlossene Veranstaltung für Großkonzerne abgehalten wird, ist
zwar ärgerlich, aber nur die Spitze des Eisbergs.
Zwischen der Welt der Global Player und der Local Heroes wurde in den
vergangenen Jahrzehnten eine gläserne Decke eingezogen. Nicht nur bei
den wichtigsten Deals kommen Kleine heute einfach nicht mehr zum Zug.
Auch bei Entscheidungen über die Zukunft der Branche haben Große das
Sagen - Lobbying in Brüssel ist eine Spielwiese der Großkonzerne. Und
während Krisen und Konjunkturdellen auch Kleine treffen, muss der
KMU-Sektor ohne Sicherheitspolster auskommen, staatliche Hilfe gibt
es nur für die "Too big to fail" dieser Welt.
Selbst die Kooperation zwischen Groß und Klein verkommt oft zum
Match, dessen Ausgang schon von Anfang an feststeht - wer die
Marktmacht besitzt und mit einer Heerschar von Anwälten aufwartet,
kann Vertragsdetails leichter zu seinen Gunsten auslegen oder gar
Zahlungsziele missachten.
All das hat zur Folge, dass der KMU-Sektor zwar Erfolge feiern kann,
diese aber meistens auf den Heimmarkt und einige wenige
Auslandsmärkte beschränkt sind: Kaum ein KMU hat in den vergangenen
Jahren den Sprung vom Hidden Champion zum Weltkonzern geschafft - und
wenn es doch gelang, war ein starker internationaler Konzern
beteiligt. Inzwischen hat sich das auch bei der nächsten
Unternehmer-Generation herumgesprochen: Wer heute Karriere machen
will, wählt statt des elterlichen Betriebs nicht ohne Grund die
Konzernwelt.
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