"Kulturmontag" am 1. September: Filmfestspiele Venedig, 85er von Arnulf Rainer und die neue "Liebelei" in der Josefstadt

Außerdem "15 Jahre Venice Project": ORF-Premiere für "State of the Art"

Wien (OTS) - Clarissa Stadler präsentiert einen "Kulturmontag" am 1. September 2014 um 22.30 Uhr in ORF 2 mit den Highlights der Filmfestspiele Venedig: Der Schwerpunkt zeigt die Stars der ersten Festivaltage und widmet sich besonders den Österreicherinnen und Österreichern in Venedig. Weiters besucht der "Kulturmontag" Arnulf Rainer zu seinem 85er und zeigt die neue "Liebelei".
Zudem zeigt der "Kulturmontag" anlässlich von 15 Jahre "Venice Project" das Original (um 0.00 Uhr) und davor die neue 45-minütige Doku "State of the Art - Stimmen zur Kunst". Darin begeben sich die Regisseurinnen Barbara Heraut und Nadia Weiss, die u. a. 1999 die Making-of-Doku zum "Venice Project" drehte, auf eine Spurensuche und Weiterführung des gefeierten Dornhelm-Projekts. Für die High-Definition-Koproduktion von ORF und Terra International Filmproduktion mit Unterstützung des Landes Niederösterreich, der Stadt Wien, des Fernsehfonds Austria und der Sammlung Lenikus wurde der "Venice Project"-"Confessional" von Frank Gehry wieder aufgebaut - im Marmorsaal im Oberen Belvedere. Dort (und an weiteren Orten, an denen der Beichtstuhl Station machte) legten prominente Künstler, Kunstsammler und Vermittler ihre Kunstbeichten ab - u. a. Erwin Wurm, Hermann Nitsch, Gottfried Helnwein, Arnulf Rainer und Karl Merkatz, die Hollywoodstars Nicole Kidman und George Clooney, weiters Gunter Damisch, Deborah Sengl, Christian Eisenberger, Les Tardes Goldscheyder, Francesca Habsburg, Künstlergruppe Gelitin, Helge Timmerberg, Agnes Husslein und Alexander Wrabetz.

High-Lights: Das Beste vom Filmfest
Schwerpunkt zu den Filmfestspielen Venedig

Michael Keaton war Batman, jetzt ist er Birdman - oder vielmehr dessen abgehalfterte Version. "Birdman" ist auch der Titel des Eröffnungsfilms der 71. Filmfestspiele von Venedig. Keaton spielt an der Seite von Emma Stone und Naomi Watts einen ehemaligen Superhelden-Darsteller, der ein Comeback am Theater versucht. Es ist dies eine Tragikomödie über Sinn und Abgründe der menschlichen Existenz, insbesondere jener von Schauspielern. Überraschend der Name des Regisseurs: Alejandro González Inárritu, der sich mit schwerblütigen Dramen einen Namen gemacht hat. Das Festival am Lido indes gibt sich optimistisch und zukunftsfit. Immer noch klafft eine Baugrube beim Festivalpalast, doch wurden zuletzt große Summen investiert und eben eine der Spielstätten technisch aufgerüstet wiedereröffnet. Und natürlich sorgen die zahlreich anreisenden Leinwandgötter und -diven für Glanz in der Lagune: Al Pacino präsentiert seinen neuen Film, Jude Law kam schon angegondelt, Catherine Deneuve wird erwartet. Traditionell - und umso mehr in Zeiten globaler Krisen - gibt sich das Festival betont politisch. Der deutsch-türkische Kultregisseur Fatih Akin geht mit seinem - zumal in der Türkei - hochbrisanten Drama über den Völkermord an den Armeniern an den Start. Der "Kulturmontag" präsentiert in einem Schwerpunkt Highlights und Stars der ersten Festivaltage - und widmet sich natürlich auch besonders den Österreicherinnen und Österreichern in Venedig: Bunkerstimmung in der Alpenrepublik ortet Ulrich Seidl in seiner neuen ORF/ÖFI-Doku "Im Keller". Seidls langjährige Berufs- und Lebenspartnerin Veronika Franz präsentiert mit ihrem Koregisseur Severin Fiala ihren Horrorfilm "Ich seh Ich seh" (ebenfalls ein vom ORF über das Film/Fernseh-Abkommen koproduzierter Film). Apropos: Die ORF-Reihe "art.film" zeigt Seidls "Paradies: Hoffnung" am Sonntag, dem 5. Oktober, um 23.05 Uhr in ORF 2.

Über-Maler: 85 Jahre Arnulf Rainer
Große Schau in der Wiener Albertina

Sein erstes Geld verdiente er, als er mit einem umgebauten Leichenwagen durch die Lande fuhr, um Jugendstil-Werke und "Bauernklumpert" zu transportieren und zu verkaufen. Heute ist Arnulf Rainer wohl einer der teuersten Künstler Österreichs und mit Gewissheit einer der bedeutendsten. Er ist mehrfacher Ehrendoktor, die Münchner Pinakothek der Moderne widmet ihm einen eigenen Ausstellungsraum, seit 2009 hat er sein eigenes Museum in Baden bei Wien. Zum 85. Geburtstag richtet ihm die Albertina eine umfassende Retrospektive mit Schlüsselwerken aus allen Phasen seines Schaffens aus. International berühmt wurde er mit seinen Übermalungen ab den 1950er Jahren, Maria Lassnig fungierte als seine "wohlmeinende Nurse" und prägte sein Frauenbild: Er dachte, "alle Frauen sind so kompliziert". Ganze drei Tage war er Student der Wiener Akademie für bildende Künste, nur einen Tag war er Schüler der damaligen Akademie für angewandte Kunst. Arnulf Rainer ließ sich nie biegen oder in ein Korsett zwängen. Feilschen lässt er auch nicht mit sich. Und schon gar nicht denkt er an Ruhestand. Anlässlich der großen Schau in der Albertina hat der "Kulturmontag" Arnulf Rainer in seinem bayerischen Domizil besucht.

Sitten-Bild: "Liebelei" in der Josefstadt
Schenk, Teichtmeister u. a. über Sex und Eros bei Schnitzler

"Wir hassen die Frauen, die wir lieben - und wir lieben nur die Frauen, die uns gleichgültig sind". Das ewige Dilemma zwischen Lieben und Begehren, zwischen Sein und Schein, die bürgerliche Doppelmoral im Wien des Fin de Siècle, der anachronistische Ehrenkodex der Männer im Duell - all das sind zentrale Themen im Werk und Leben Arthur Schnitzlers - und sie finden sich bereits in seinem ersten großen Bühnenerfolg von 1895, in der "Liebelei". Zum Saisonstart wird das Stück im Theater in der Josefstadt mit Publikumslieblingen wie Otto Schenk und Florian Teichtmeister inszeniert. Ein unschuldiges "süßes Mädel" aus der Vorstadt, ein junger k. u. k. Leutnant, eine untreue Ehefrau, ein gekränkter Ehemann - dass diese Kombination bei Schnitzler, dem wohl wichtigsten österreichischen Dramatiker der Jahrhundertwende, nur mit einer Tragödie enden kann, ist bekannt. Doch welches Frauenbild steckt dahinter, was ist die männliche Ehre wert und was machen Liebe, Ehe, Sex und Eifersucht aus dem modernen Menschen? All das sind Fragen, die neu gestellt werden müssen. Denn Schnitzler, selbst ein Getriebener, "Sex-Experte", Tiefenforscher der menschlichen Seele und Aufdecker bürgerlicher Verlogenheit, ist aktueller als uns vielleicht lieb ist. Der "Kulturmontag" forscht im weiten Land der Seele und der Begierden.

Der "Kulturmontag" - produziert in HD - wird als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) bereitgestellt.

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