Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 29. August 2014; Leitartikel von Peter Nindler: "Günstig ist noch nicht billig"

Innsbruck (OTS) - Utl: Die schwierigen Verhandlungen für ein preisgünstiges Studententicket und einen 365-Euro-Ganzjahrespass für die öffentlichen Verkehrsmittel offenbaren die Schwachstellen in der Tiroler Mobilitätspolitik.

rün in der Stadt und Grün im Land Tirol ergibt immer noch nicht das politisch längst versprochene 365-Euro-Jahresticket für die öffentlichen Verkehrsmittel; weder für die Tausenden Ein- und Auspendler noch für die StudentInnen an den Innsbrucker Hochschulen. Das ab September geltende Semesterticket des Tiroler Verkehrsverbunds um maximal 180 Euro für Studierende ist zwar ein Fortschritt. Weil jedoch die Stadt Innsbruck finanziell wie strategisch bisher nicht in der Lage war, ebenfalls ein attraktives Paket zu schnüren, müssen die Studiosi für die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) noch einmal 127,5 Euro berappen. Bei zweimal 307,50 Euro im Jahr wird aus dem Fortschritt dennoch Stillstand. Zumindest politisch gesehen.
Allerdings kommt es auf die Betrachtungsweise an. Im Vergleich zu den Benzin- und Erhaltungskosten für ein Auto sind 615 Euro für ein Ganzjahresticket immer noch relativ günstig. Aber nur relativ. Denn die hohen Lebenshaltungskosten in Tirol und das ohnehin dürftige Einkommen der Studierenden verwandeln den Studententarif nach wie vor in einen Luxusfahrschein für die umweltschonenden Öffis. Zudem sollte Umsteigen statt Gas geben in Zeiten des Klimaschutzes der Politik auch etwas wert sein.
Trotzdem: Die Preissenkung kostet, die grünen Verkehrsreferentinnen in Stadt und Land, Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider und LHStv. Ingrid Felipe, müssen deshalb erneut die öffentlichen Kassen bemühen. Es werden wieder Millionen sein, denn die Öffis fahren nicht zum Nulltarif. Und wie bei der Steuerreform stellt sich die Gretchenfrage, ob wir uns das überhaupt leisten können.
Derzeit hakt es an der Finanzierung für ein noch günstigeres Studententicket. Die Stadt schielt ins Land und das Land in die Stadt. Wie schon beim Ferienticket für Schüler gestalten sich die Abstimmungsvorgänge sehr schwierig. Während der Verkehrsverbund Tirol Tarif-, Fahrplan- und Infrastrukturgestaltungen im Tiroler Nahverkehr vornimmt, sind die IVB Planer und Dienstleister in Personalunion. Das führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Betrachtungsweisen und bremst die Verhandler.
Um die Prozesse zu vereinfachen, wurde eine Stabsstelle für den öffentlichen Nahverkehr eingerichtet. Um die Umsetzungen zu beschleunigen, brauchte es jedoch einen gemeinsamen Verkehrsverbund für Stadt und Land. Rechtlich mag dies nicht möglich sein, aber der Hausverstand sagt etwas anderes.

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