AK in Alpbach: "Von Keynes lernen"

Alpbach (OTS/AK) - "Die Erfahrung der 1930er Jahre und die Ursachen der aktuellen Finanzkrise belegen die Überlegenheit der Keynesschen Theorie", sagte AK-Ökonom Markus Marterbauer in einer prominent besetzten Diskussionsrunde gestern, am Mittwoch, in Alpbach. "In aktualisierter Form bietet die Keynessche Theorie wichtige Leitlinien für einen Kurswechsel in der EU-Wirtschaftspolitik: Strenge Regulierung des Finanzsektors, Priorität für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Belebung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und aktive Verteilungspolitik", so Marterbauer.

Die von der Arbeiterkammer konzipierte Breakout Session "Hayek versus Keynes: Die größten liberalen Ökonomen des 20. Jahrhunderts" widmet sich dem Werk zweier großer Liberaler, des 1883 in Cambridge geborenen John Maynard Keynes und des 1899 in Wien geborenen Friedrich August von Hayek. In der Break Out Session diskutieren Prof. Harald Hagemann (Universität Hohenheim), Prof. Gunther Schnabl (Universität Leipzig), Dr. Stephan Schulmeister (eh. WIFO), Mag.a Christa Schlager (AK Wien) und Dr. Markus Marterbauer (AK Wien).

Hayek und Keynes vertraten schon in der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gegensätzliche Positionen, und mit ihren Argumenten wird auch noch heute in der Finanzkrise um die geeignete Ausrichtung von Wirtschaftspolitik und Wirtschaftstheorie gerungen. Hayek sah die Krise der 1930er Jahre durch Staatsversagen in Form von zu niedrigen Zinsen bedingt; er interpretierte sie als "Reinigungskrise" und empfahl der Wirtschaftspolitik, zuzuwarten und Staatseingriffe zu vermeiden. Er ist mit dieser Position in den 1930er Jahren in der ökonomischen Theorie Keynes unterlegen, der die Krise als Versagen nicht regulierter Finanzmärkte und einer falschen Wirtschaftspolitik ansah, die mitten in der Krise Sparpolitik zum Ausgleich der Staatshaushalte empfahl. Keynes trat für eine strenge Regulierung und Verkleinerung der Finanzmärkte sowie für "deficitspending" zur Stärkung der Nachfrage und Verhinderung von Arbeitslosigkeit ein.

Keynes empfahl der Liberalen Partei, als deren Berater und Ideengeber er fungierte, eine interventionistische Politik, um die Marktwirtschaft und das demokratische System zu retten, das er durch Faschismus und Bolschewismus bedroht sah. Hingegen schwebte Hayek ein Kapitalismus vor, der nicht von Demokratie, Sozialstaat oder der Idee von sozialer Gerechtigkeit begrenzt wäre. Ende der 1970er Jahre erachtete er die Freiheit sogar besser durch autoritäre Regime wie jenes von General Augusto Pinochet in Chile geschützt als durch Demokratien.

"Hayek verrannte sich hoffnungslos in Radikalismen. Über dieses Versagen soll aber die wichtigste bleibende Erkenntnis Hayeks nicht vergessen werden: Jene vom Wettbewerb als Entdeckungsprozess, in der er zu Recht die bedeutende Funktion des Wettbewerbs für die Entstehung von Wissen hervorhob", sagte Marterbauer.

(Forts.)

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