ORF III am Mittwoch: "kult.Filmsommer" im Doppelpack - eine Filmnacht mit Ulrich Seidl und Rainer Werner Fassbinder

Außerdem: "treffpunkt.medizin" und "kreuz und quer"

Wien (OTS) - Eine besonders lange Filmnacht präsentiert ORF III in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum am Mittwoch, dem 27. August 2014. Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath widmet sich diesmal dem österreichischen und deutschen Film ab den 1960er Jahren und wählt mit Ulrich Seidl und Rainer Werner Fassbinder zwei so einflussreiche wie kompromisslose Vertreter jenes Kinos, das mit dokumentarischer Schonungslosigkeit zwischenmenschliche Konstellationen beleuchtet. Seidls "Hundstage" aus dem Jahr 2001 führt um 22.30 Uhr ins heiße, triste Wiener Vorstadtmilieu, Fassbinders "Lola" aus dem Jahr 1981 inszeniert um 0.35 Uhr Wirtschaftswunder und Lebenslügen der deutschen Adenauer-Ära. Thematisch passend zu den beiden Langfilmen zeigt ORF III um 0.30 Uhr Kurt Krens Performance-Collage "6/64 Mama und Papa" über ein künstlerisches Zusammentreffen von Otto Mühl und Günter Brus im Jahr 1964 und um 2.25 Uhr einen Mitschnitt des Publikumsgesprächs "Fassbinder im Filmmuseum" 1975 in Wien.

Davor beleuchtet "kreuz und quer" um 20.15 Uhr in "Station 18i - Über Leben" den Krankenhausaufenthalt von Leukämie-Patienten im Wiener AKH. Der Programmpunkt um 20.45 Uhr wird nachgereicht. "treffpunkt.medizin" nimmt danach um 21.40 Uhr in "Essen wir uns krank? Lebensmittelunverträglichkeiten & Allergien" Beschwerden genauer unter die Lupe, unter denen aktuell mehr und mehr Menschen leiden.

Die Sendungen im Detail:

"kreuz und quer": "Station 18i - Über Leben" (20.15 Uhr) und "Die Pussycat-Predigerin" (20.45 Uhr)

In der HD-Dokumentation "Station 18i - Über Leben" fängt Regisseur Jonny Roth die Atmosphäre des Wiener AKH ein und stellt die Größe und Anonymität des Hauses den konkreten Lebensgeschichten von Patienten der Station 18i gegenüber. In dieser Station im "Roten Bettenhaus" finden Menschen Aufnahme, die an Leukämie - an Blutkrebs - leiden. Der Film "Die Pussycat-Predigerin" von Bill Day porträtiert Heather Veitch, die das Leben von zwei extrem gegensätzlichen Seiten kennt:
Sie war Stripperin und Pornostar in Las Vegas. Und sie war Hausfrau, Kosmetikerin und Mitglied einer christlichen Gemeinde in Riverside in Kalifornien. Jetzt ist sie wieder in Las Vegas, der Hochburg der Sex-Industrie, doch heute wirkt sie dort als unermüdliche Botschafterin des Christentums und bemüht sich um Frauen im Rotlichtmilieu.

"treffpunkt.medizin: Essen wir uns krank? Lebensmittelunverträglichkeiten & Allergien" (21.40 Uhr)

Die Anzahl der Menschen, die in Österreich mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten kämpfen - sei es Laktose, Gluten oder Fruchtzucker -, steigt kontinuierlich. Warum ist das so und was können Betroffene tun, um sich nicht "krank zu essen"? Experten der medizinischen Universität Wien wie Prof. Dr. Karin Hoffmann-Sommergruber und Prof. Dr. Kurt Widhalm erklären den Unterschied von Allergie und Intoleranz und wie diese jeweils diagnostiziert und behandelt werden können. Dr. Nadine Mothes-Luksch von AllergyCare, Dr. Ingrid Kiefer von der AGES sowie Dr. Regine Schönlechner von der Universität für Bodenkultur sprechen über angepasste Ernährung, Ersatzprodukte und das Vermeiden von Mangelerscheinungen. Außerdem erzählt eine Betroffene über den Hürdenlauf ihres täglichen Einkaufs und von ihren vergeblichen Bemühungen, im schulmedizinischen Bereich adäquate Hilfe zu finden.

"kult.Filmsommer": "Hundstage" (22.30 Uhr), "6/64 Mama und Papa" (0.30 Uhr), "Lola" (0.35 Uhr), und "Fassbinder im Filmmuseum" (2.25 Uhr)

Einen extra langen kult.Filmsommer-Abend präsentiert Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath diese Woche, wenn er mit "Hundstage" und "Lola" gleich zwei Langfilme zeigt und diese mit dem Kurzfilm "6/64 Mama und Papa" von Kurt Kren und dem Publikumsgespräch "Fassbinder im Filmmuseum" abrundet. Gemeinsam ist den Werken, dass sie sich mit einem bestimmten dokumentarischen Gestus mit kruden Körperlichkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen auseinandersetzen und ihre Regisseure dem Film das Potenzial einräumen, Bühne für kompromiss- und urteilslose gesellschaftliche Beobachtungen zu sein.

Ulrich Seidels "Hundstage" aus dem Jahr 2001 fängt ein Wochenende im südlichen Wien ein. Es ist drückend heiß und irgendwo im Niemandsland zwischen Autobahnzubringern, Einkaufsmärkten und Einfamilienhaussiedlungen steigen Temperatur und Aggression. Asphaltdecken brechen auf. In dieser Atmosphäre erzählen sechs Geschichten von Alltag und Aggression, von Nächten voller Lieder und Spiele, Sex und Gewalt, von Tagen voller Einsamkeit, Verlust von Liebe und Sehnsucht. Ein Film über das Leben in seiner Verletzlichkeit und Intimität, der beispielhaft ist für das eigenständige und kompromisslose Kino Österreichs ist - und auch für Ulrich Seidls insistierenden Blick auf die Tiefe und Härte zwischenmenschlicher Konstellationen. Zu sehen sind unter anderem Alfred Mrva, Maria Hofstätter, Franziska Weiß, Rene Wanko und Erich Finsches.

Ein ähnliches Spiel mit Fiktion und Dokumentation folgt danach mit "Lola" aus dem Jahr 1981, Rainer Werner Fassbinders genialer Satire auf das florierende Wirtschaftswunderland Westdeutschland und die restaurative Atmosphäre der Adenauer-Ära der 1950er Jahre. In Coburg tanzen 1957 die Honoratioren der Stadt nach der Pfeife von Baulöwe Schuckert (Mario Adorf), dessen Villa Fink als getarntes Bordell fungiert. Der neue Baudezernent von Bohm (Armin Mueller-Stahl), der nicht korrumpierbar ist, wird zum Außenseiter. Er lernt die schöne Marie-Louise (Barbara Sukowa) kennen, die ein Doppelleben als Kleinstadthure Lola führt, um sich und ihre kleine Tochter durchzubringen. Als Schuckert von Bohm die Augen öffnet, gibt der nach anfänglichem Widerstand auf, arrangiert sich mit Schuckert, heiratet Lola und zieht ins prächtige Eigenheim.

Der Kurzfilm "6/64 Mama und Papa" von Kurt Kren aus dem Jahr 1964, der unmittelbar vor Fassbinders "Lola" zu sehen ist, zeigt ein künstlerisches Zusammentreffen der Aktionisten Otto Mühl und Günter Brus. Auch hier ziehen sich Widerspiegelung und Inszenierung von Konfrontation, Widerspruch und Auflösung durch und schaffen einen künstlerischen Balanceakt zwischen der sozialen Wirklichkeit, die drastisch reagiert, und den filmisch festgehaltenen Aktionen selbst, die Kren mit seinen Cut-up-Montagen messerscharf komprimiert.

Der zweite Kurzbeitrag, "Fassbinder im Filmmuseum", schließt an "Lola" an. In Anwesenheit des Regisseurs zeigte das Filmmuseum am 2. November 1975 "Faustrecht der Freiheit" (1975). Im anschließenden Publikumsgespräch sprach Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) -Enfant terrible des Neuen Deutschen Kinos - in unvergleichlicher Lässigkeit über die Entstehungsgeschichte des Films, das Setting im homosexuellen Milieu und sein Verständnis von revolutionärem Kino.

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