ORF-Programmschwerpunkt zu "75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs"

Ab 29. August mit je drei "Menschen & Mächte" und "Universum History"-Filmen, dazu Dokus in ORF III und 3sat, außerdem: Ö1-Schwerpunkt

Wien (OTS) - Am 1. September 2014 jährt sich zum 75. Mal der Beginn des Zweiten Weltkriegs, der mit Adolf Hitlers Angriff auf Polen begann und 1945 als größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts enden sollte. Mehr als 100 Millionen Menschen waren ins Kriegsgeschehen involviert, darunter 1,2 Millionen Österreicher als Soldaten der Wehrmacht. Fast 70 Millionen starben durch Kriegshandlungen, rund zehn Millionen durch den ideologisch begründeten Vernichtungskrieg, den das NS-Regime im Namen des Herrenrassenwahns führte. Wie kein anderes Ereignis der Geschichte beschäftigt der Zweite Weltkrieg durch seine moralischen Grenzüberschreitungen. Vieles, was damals passierte, war zuvor unvorstellbar gewesen. Dem Krieg, der die Welt veränderte, widmet der ORF ab Freitag, dem 29. August 2014, einen umfassenden Programmschwerpunkt in den TV-Dokumentationsreihen "Menschen & Mächte" und "Universum History" in ORF 2 und 3sat. ORF III stellt in diesem Zeitraum den Zweiten Weltkrieg weiter in den Fokus seiner "zeit.geschichte"-Dokumentationen. Und Österreich 1 befasst sich in zahlreichen Features ebenfalls mit dem Thema Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Der Programmschwerpunkt in ORF 2 im Detail

"Der Überfall - Hitlers Angriff auf Polen", eine "Universum History"-Dokumentation von Christian Frey und Gordian Maugg, die der ORF als deutschsprachige Erstausstrahlung am Freitag, dem 29. August, um 22.40 Uhr in ORF 2 ausstrahlt, behandelt den Start des Krieges mit dem Überfall der Deutschen auf Polen. Um 4.40 Uhr hatte die deutsche Luftwaffe ein Flächenbombardement auf die polnische Kleinstadt Wielún eröffnet und in drei Angriffswellen 1.200 Zivilisten getötet. Es waren die Vorboten eines beispiellosen Vernichtungskriegs. Die Dokumentation, die als gemeinsame Aufarbeitung von ZDF und dem polnischen Sender TVP1 entstand, schildert die Chronologie der Kriegshandlungen um den 1. September und wirft einen neuen Blick auf die Vorgeschichte und ihre wenig bekannten Details.

Am Sonntag, dem 31. August, zeigt ORF 2 ab 22.05 Uhr drei Teile der preisgekrönten "Menschen & Mächte"-Reihe über den Zweiten Weltkrieg. In "Hitlers Blitzkriege" analysiert Andreas Novak die Jahre der Siege, die Zeit zwischen 1. September 1939 und dem Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion im Juni 1941. Hitler verordnete Aufrüstung, Einmarsch und Krieg, um Deutschland von der sogenannten "Schande von Versailles", den Friedensverträgen, die von den Siegern des Ersten Weltkriegs nach 1918 verfügt worden waren, zu befreien. Doch schon während der ersten Kriegsjahre sollte deutlich werden, dass man nach der Heimkehr mit noch größerer Schande konfrontiert sein würde.

Die Dokumentation "Sterben für Hitler" von Robert Gokl, ebenfalls aus der Reihe "Menschen und Mächte", die direkt anschließend um 22.50 Uhr in ORF 2 zu sehen ist, erzählt die Geschichte einer Generation, die von Hitler mit dem Angriff auf die Sowjetunion in den größten Eroberungs- und Vernichtungskrieg der Geschichte gehetzt wurde. Für den Film reiste Dietrich Ascher, der sich 1940 freiwillig zur Wehrmacht meldete, noch einmal dorthin zurück, wo er damals mit 18 Jahren ein "Held" werden wollte. Er schildert seine Erinnerungen an die Kriegszeit und erklärt, was ihn damals dazu ermunterte, in den Krieg zu ziehen. Eine Wiederholung der Dokumentation ist am 1. September um 22.25 Uhr in 3sat zu sehen.

Die dritte "Menschen und Mächte"-Dokumentation des Tages, "Die Ungehorsamen" um 23.40 Uhr in ORF 2, schildert die Schicksale von Deserteuren, sogenannten Vaterlandsverrätern, die damals als Feiglinge und Kameradenschweine beschimpft wurden. "Fahnenflucht" war sehr lange ein Tabuthema, die gesellschaftliche Ächtung hat ihr Leben geprägt - oft bis heute. Jenen, die aus Hitlers Armee desertierten, die nicht für den Nationalsozialismus kämpfen wollten, ist diese Dokumentation gewidmet. Der Film von Peter Liska hat sich auf Spurensuche begeben und Hinrichtungsstätten und Deserteursverstecke aufgesucht. Auch diese Dokumentation wird in 3sat wiederholt - am 2. September um 23.05 Uhr.

"Verfolgt, verschleppt, vernichtet" schildert in "Universum History" am Freitag, dem 5. September, um 22.45 Uhr in ORF 2 die Schicksale dreier Opfer des NS-Rassenwahns. Lehrerin Irma Trksak, Bauer Johann Gschwandtner und Fußballer Norbert Lopper galten als "Untermenschen", weil sie nicht dem "Ideal des deutschen Herrenmenschen" entsprachen. Der Film von Tom Matzek porträtiert ihre Geschichte stellvertretend für die Vielfalt der Opfergruppen des NS-Terrors.

Schließlich zeigt ORF 2 am Freitag, dem 12. September, um 22.45 Uhr David Korn-Brzozas "Universum History" Dokumentation "Hitlers größter Gegner - Winston Churchill". Soldat, Schriftsteller, Premierminister, Journalist und Maler - Winston Churchills Biografie umfasst außergewöhnlich viele Facetten. Der aristokratische Spross, Sohn des Duke of Marlborough, eines Politikers und einer amerikanischen Millionärstochter, ging in die Geschichte als jener Politiker ein, der Hitler besiegte. Gemeinsam mit seinen alliierten Verbündeten Franklin D. Roosevelt und Josef Stalin war er es, der das Vordringen Nazi-Deutschlands für immer stoppte. Schon früh zeigte sich die Ambition, mit der Winston Churchill seine Ziele verfolgte.

Der Zweite Weltkrieg in ORF III

In ORF III sind noch bis 6. September fünf Dokumentationen der Reihe "Hitlers Manager" zu sehen. "Alfred Jodl - Der General", "Ferdinand Porsche - Der Techniker", "Albert Speer - Der Aufrüster", "Wernher von Braun - Der Raketenmann" und "Alfred und Gustav Krupp - Die Waffenschmiede" erzählen das Leben von Hitlers engsten Mitarbeitern im Krieg. Alfred Jodl war Chef des Wehrmachtsführungsstabs, Ferdinand Porsche bekam bei seinem Projekt "Volkswagen" Unterstützung von Hitler, Albert Speer war Hitlers Lieblingsarchitekt und lieferte die Pläne für dessen Bauvorhaben und wurde schließlich zum Munitionsminister ernannt. Wernher von Braun, ein weltbekannter Raketeningenieur, der für Hitlers Vernichtungskrieg "Vergeltungswaffen" baute, und Alfred und Gustav Krupp schufen ein gewaltiges Waffenarsenal, das Hitlers Krieg in diesen Dimensionen erst möglich machte.

Am 30. August um 20.15 Uhr zeigt ORF III den Film "Der Polenfeldzug, Teil 1: Der Nervenkrieg", und direkt danach um 21.00 Uhr den zweiten Teil "Der Polenfeldzug, Teil 2: Der Überfall". In der zweiteiligen Dokumentation sind Aufnahmen von Front und Heimatfront jenseits der Propaganda zu sehen. Mit dem Überfall auf Polen erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. 48 weitere Länder sollten noch folgen, bevor am 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht vor ihren alliierten Gegnern in Kraft tritt.

Der Zweite Weltkrieg in 3sat

3sat steht vom 1. bis zum 8. September im Zeichen des Programmschwerpunkts "75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs": Am Montag, dem 1. September, spannt um 20.15 Uhr Andreas Novaks Dokumentation "Hitler unterwirft Europa" einen zeitlichen Bogen von der Eroberung Polens ab dem 1. September 1939 bis zum Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Juni 1941. Sie beleuchtet die Motive und Hintergründe von Hitlers Kriegszielen und die Folgen für die überfallenen Länder. Um 22.25 Uhr folgt Robert Gokls Dokumentation "Sterben für Hitler".

Am Dienstag, dem 2. September, steht um 20.15 Uhr der ORF/SWR-Fernsehfilm "Rommel" mit Ulrich Tukur als Erwin Rommel auf dem Programm. Nach "Gipfelstürmer und Wüstenfüchse" von Tom Matzek (22.15 Uhr) zeigt 3sat "Die Ungehorsamen" (23.05 Uhr) von Peter Liska.

3sat beendet sein Programm zum Zweiten Weltkrieg am Montag, dem 8. September, mit den Dokumentationen "Heil Hitler, Herr Lehrer - Jugend unterm Hakenkreuz" von Peter Liska (20.15 Uhr) und "Du sollst nicht töten - Leiden und Sterben an der Front" (21.05 Uhr) von Robert Gokl.

Der Zweite Weltkrieg in Österreich 1

Der Historiker Hans Schafranek spricht in der Ö1-Reihe "Betrifft:
Geschichte" (1.- 5. September, jeweils 17.55 Uhr) über "Vor 75 Jahren: Angriff auf Polen. Der Hitler-Stalin-Pakt und der Beginn des Zweiten Weltkriegs".

"Aristides de Sousa Mendes. Der ungehorsame Konsul." steht im Mittelpunkt der "Dimensionen" am 23. September um 19.05 Uhr in Ö1. 1939 befahl der portugiesische Diktator António de Oliveira Salazar, keine NS-Flüchtlinge und vor allem keine Juden mehr ins Land zu lassen. Doch Aristides de Sousa Mendes, einer seiner bisher treuesten Gefährten und Generalkonsul von Bordeaux, weigerte sich. Innerhalb weniger Tage stellte er im Juni 1940 noch unermüdlich Visa aus. Hatten die Menschen keine Pässe mehr, dann reichte auch ein Stück Papier, auf das der Konsul seinen Stempel drückte und seine Unterschrift schrieb. Der Wiener Universitätsprofessor Arnold Wiznitzer, der später als Arnold Winter in den USA Bücher schrieb, der Schriftsteller Friedrich Torberg gemeinsam mit dem Drehbuchautor Otto Eisler, aber auch die per Steckbrief von den Nationalsozialisten gesuchte ehemalige Kaiserfamilie Habsburg und der Künstler Salvador Dáli waren unter den rund 30.000 Menschen, denen Sousa Mendes zur Einreise nach Portugal und damit zur Flucht nach Brasilien oder die USA verhalf. 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs - ein Blick zurück auf eine außergewöhnliche Lebensgeschichte.

Am 25. September geht es in den "Dimensionen" (19.05 Uhr, Ö1) unter dem Titel "Jähes Ende - neuer Anfang" um die Zerschlagung der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung 1938 und deren Wiederaufbau nach 1945. Als die Nationalsozialisten 1938 in Österreich an die Macht kamen, bedeutete dies das vorläufige Ende der Psychoanalyse in Wien. Die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV), 1908 von Sigmund Freud gegründet, wurde gleich nach dem sogenannten "Anschluss" aufgelöst. Die meisten ihrer überwiegend jüdischen Mitglieder konnten ins Ausland, vor allem nach Großbritannien und in die USA, fliehen. Jene Psychoanalytiker/innen, die in Lagern starben, in den Tod getrieben und ermordet wurden, waren alle jüdischer Herkunft. Die Sendung skizziert den Niedergang und Wiederaufbau der Institution als Erbe Sigmund Freuds und fragt nicht zuletzt nach deren Positionierung und Selbstverständnis heute, 75 Jahre nach dem Tod ihres Gründervaters.

"Soldatinnen. Frauen an der Front" ist Thema der "Dimensionen" am 16. Oktober ab 19.05 Uhr in Ö1. Die russische Scharfschützin, die deutsche Funkerin, die US-amerikanische Luftwaffenpilotin. Im Zweiten Weltkrieg wurden Armeen weiblich. Hunderttausende Frauen waren in vielen Ländern der Welt an allen erdenklichen Waffengattungen aktiv. Ähnlich wie in der Sowjetunion, meldeten sich auch in Deutschland viele junge, meist ledige Frauen freiwillig zum Kriegseinsatz. Was aber bewegte sie dazu, eine männlich dominierte Sphäre zu betreten, in den Krieg zu ziehen, das Töten von Menschen in Kauf zu nehmen und zu Mittäterinnen zu werden? Die Antwort auf diese Fragen suchen heute zwei deutsche Historikerinnen, die darauf hinweisen, dass es für Frauen nach 1945 einfach war, ihre Kriegsgeschichte vergessen zu machen und unbescholten weiterzuleben. Dennoch fiel es vielen nicht leicht, wieder in der Zivilgesellschaft Fuß zu fassen - für Frauen in Uniform gab es in der Nachkriegsgesellschaft keinen Platz, ehemalige Bomberpilotinnen und Scharfschützinnen wurden dazu gedrängt, in die Rolle der Hausfrau und Mutter zu schlüpfen.

Auch das ORF.at-Netzwerk und der ORF TELETEXT erinnern im Rahmen ihrer aktuellen Berichterstattung ausführlich an den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zahlreiche TV-Sendungen im Rahmen des Programmschwerpunkts werden darüber hinaus auf der ORF-TVthek als Live-Stream bzw. als Video-on-Demand bereitgestellt.

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