Becht, Karl und Strauss drehen Historiendrama "Käthe Kruse"

Franziska Buch inszeniert ORF/ARD-Koproduktion in der Steiermark

Wien (OTS) - Als Angelika "Schnell ermittelt" sie ab 2. September 2014 gleich dreimal in Spielfilmlänge (jeweils Dienstag um 20.15 Uhr in ORF eins). Für einen ganz anderen Spielfilm steht Ursula Strauss derzeit in der Steiermark und in Deutschland vor der Kamera: Denn eben dort gehen derzeit die Dreharbeiten zum ORF/ARD-Historiendrama "Käthe Kruse" in den Endspurt. Auf eine Zeitreise in das angehende 20. Jahrhundert führten gestern, am Dienstag, dem 19. August, bei einem Setbesuch in der Südsteiermark u. a. Friederike Becht als titelgebende weltberühmte Puppenmacherin, Fritz Karl als der Mann an ihrer Seite, Ursula Strauss als ihre Mutter, Karin Lischka als ihre gute Freundin sowie Regisseurin Franziska Buch, Produzent Dieter Pochlatko und Karl Wratschko, Bürgermeister von Gamlitz.

Friederike Becht: "Mutig, emanzipiert und stark"

Friederike Becht ist in der Hauptrolle von Käthe Kruse zu sehen: "Die Käthe Kruse, von der wir erzählen, war eine Schauspielerin, ein verstoßenes, ungeliebtes Kind. Eine Frau, die sich trotzdem ihr Recht auf Leben erkämpft hat, die aus ihrem kleinen Dasein etwas machen und ihrer Mutter helfen wollte. Sie war Schneiderin, hat ihr Leben lang nur gearbeitet und versucht, diesem Menschen etwas zurückzugeben und etwas zu finden, das ihr einen Platz im Leben gibt. Sie muss schon emanzipiert gewesen sein, um damals den Schauspielerberuf zu wählen, aber sie hatte gar keine andere Wahl. Und dieser Weg ist schon ein mutiger, und so gesehen war sie auch emanzipiert und stark." Im Bett ihres Sohnes liegt zwar eine Spieluhr von Käthe Kruse, wirklich viel wusste Becht aber vor diesem Film nicht über die titelgebende Hauptfigur: "Ich habe mich für das Casting eingelesen und dann begonnen, Bücher und Biografien durchzugehen. Wir erzählen nicht komplett naturtreu alles genauso, wie es war, sondern machen einen Film daraus und versuchen, sie gut zu zeichnen, auch weil wir aus dem Stückchen Leben, das wir erzählen, immer einen Schwerpunkt wählen."

Ursula Strauss: "Eine mutige, starke Frau - ihre Geschichte finde ich faszinierend"

Ursula Strauss steht derzeit als Käthe Kruses Mutter vor der Kamera. Über ihre Rolle: "Sie war eine Frau, die es nicht leicht gehabt hat. Sie hat ihr uneheliches Kind aufgezogen, wofür man damals wie eine Aussätzige behandelt worden ist. Was sie auszeichnet, ist, dass sie das Kind nicht weggegeben, sondern es bei sich behalten und es durch harte Arbeit irgendwie geschafft hat, das Kind großzuziehen, das letztendlich mit genau derselben Situation konfrontiert wird wie ihre Mutter. Ich glaube, die beiden hatten eine sehr innige Beziehung -auch wenn man das vielleicht auf den ersten Blick nicht so sieht. Der Kern ist ein inniger, liebevoller, liebender, aber ich glaube nicht, dass sie das so stark gezeigt hat." Und weiter über Käthe Kruse: "Ich hatte zwar keine Käthe-Kruse-Puppe, aber der Name hat mir natürlich etwas gesagt. Ich kenne die Puppen, ich kannte sie als Puppenmacherin und wusste, dass die Puppen berühmt sind. Aber ich wusste nicht, wie ihr Weg war, ich wusste nicht, dass sie diesen Prozess geführt - und gewonnen hat. Und wie sie damit umgegangen ist. Käthe Kruse ist eine mutige, starke Frau - ihre Geschichte finde ich faszinierend." Für ihre Altersmaske steht Ursula Strauss rund zweieinhalb Stunden in der Maske: "Unsere Maskenbildner sind Künstler - es ist ein Kunstwerk. So schlüpft man in eine andere Zeit, und das macht mir großen Spaß. Und ich mag Historisches."

Fritz Karl: "Ein zeitloses Thema"

Fritz Karl spielt Max Kruse, der jahrelang in wilder Ehe mit Käthe Kruse zusammenlebt: "Max Kruse war ein Bildhauer. Sehr traditionell, ein Freigeist. Doch sein künstlerischer Zenit war überschritten. Es kam eine andere Kunstrichtung, und er wurde einfach von der neuen Zeit und dem neuen Stil überholt. Aber er war oder ist - so wie ich ihn spiele - trotzdem ein Querdenker, der sich in seiner künstlerischen Identität sehr wohl fühlt und kämpferisch ist, der gewisse bürgerliche Konventionen ablehnt - wie eigentlich auch die Ehe, auch wenn er Käthe schließlich doch wirklich aus Liebe heiratet. In Wirklichkeit war das alles ein bisschen anders. In Wirklichkeit hat er bis zum Schluss mit der Frau Prozesse geführt und gewissermaßen von ihr gelebt. Und außerdem: Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau, eigentlich ein zeitloses Thema." Über Käthe Kruse: "Das ist das Geschenk dieses Berufs, dass man immer wieder auf Biografien oder Geschichten stößt, die man vielleicht so nicht kennt. Ich kannte auch Max Kruse nicht - den habe ich dann über Tagebücher und Biografien kennengelernt. Was wirklich interessant ist, ist das, was der Mann erlebt: Ein Mädchen, das er mit 17 oder 18 Jahren kennenlernt, die sich an seiner Seite total emanzipiert, was ihm teilweise gar nicht recht ist, weil er plötzlich nicht mehr die Frau zu Hause hat, sondern eine eigenständige Künstlerin mit einem eigenen Leben, eigenen Gedanken."

Regisseurin Franziska Buch: "Eine exemplarische Frauenfigur des frühen 20. Jahrhunderts"

Was Regisseurin Franziska Buch an Käthe Kruses Biografie so fasziniert hat? "Dass es eine exemplarische Frauenfigur des frühen 20. Jahrhunderts ist. Sie hat zwei sehr verschiedene Seiten: Zum einen war sie damals die berühmteste Frau Deutschlands, populärer als Rosa Luxemburg beispielsweise. Sie war eine der ersten weiblichen Unternehmerinnen des Jahrhunderts in einer Zeit, in der Frauen keinen Vertragsabschluss ohne die Unterschrift ihres Ehemanns machen konnten." Und weiter: "Auf der anderen Seite hat sie auch eine sehr spezielle private Biografie: Sie war das uneheliche Kind eines Mannes, der noch eine andere Familie hatte. Die Mutter war bitterarm, sie war soziale Ausschusswahre, hat dann aus eigener Kraft sehr schnell Theaterkarriere in Berlin gemacht, ist sehr schnell eine sehr bekannte Theaterschauspielerin geworden - ein Beruf, der bei den Frauen damals nicht besonders hoch angesehen war.

Und dann hat sie einen Mann kennengelernt: "Max Kruse, 30 Jahre älter. Damals einer der bekanntesten Künstler Berlins, Bildhauer, der sich geweigert hat, sie zu heiraten. Denn er hatte eine traumatische Ehe hinter sich; sie hat wohl mehrere uneheliche Kinder bekommen und ist dadurch sozial wieder ins Nichts gefallen. Dann wurde sie beim Theater entlassen, hat alles verloren und sich dann sozusagen aus eigener Kraft herausgearbeitet. Man könnte sagen, sie war einer der Vorfahren der Hippies der 60er Jahre, die in der bittersten Not begonnen hat, diese Puppen zu entwickeln - und dadurch zu Wohlstand und Berühmtheit gelangt ist, während ihr Mann in dem Jahrhundert lebt, in dem die Kunst explodiert ist, als die Expressionisten kamen - ein Umbruch, durch den er sozusagen aus der Welt gefallen ist. Während es also für seine Frau in der Karriere nach oben gegangen ist, ist es bei ihm bergab gegangen. Dieses Geflecht, diese Entwicklung der Rolle von uns Frauen und Beziehungen von Männern und Frauen überhaupt repräsentiert - das fand ich sehr spannend."

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Das Drehbuch stammt von Sharon von Wietersheim, bearbeitet wurde es von Franziska Buch. Die Dreharbeiten finden noch bis 23. August statt. Die Ausstrahlung ist für 2015 geplant. "Käthe Kruse" ist eine HD-Produktion von Rich and Famous Overnight Film in Koproduktion mit epo-film, ARD Degeto, BR, MDR und dem ORF. "Käthe Kruse" entsteht mit Unterstützung von FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), Fernsehfonds Austria, der Stadt Graz, Cinestyria Filmcommission and Fonds und dem Land Steiermark.

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