"Am Schauplatz"-Reportage über die "Ware Kind"

Am 21. August um 21.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Weltweit werden Milliardengeschäfte mit der Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen gemacht. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn Handel und Missbrauch finden im Verborgenen statt. Oft weiß die Familie Bescheid - in vielen Fällen ist sie es, die die eigenen Kinder verkauft oder verborgt. Auch nach Österreich kommen junge Opfer, meist aus armen Regionen Süd- und Osteuropas, die als Diebe, Prostituierte und Bettelkinder Geld verdienen müssen. Aber es gibt ebenso Eltern in Österreich, die ihre Kinder für Sex anbieten - etwa über das Internet. Christine Grabner hat für die "Am Schauplatz"-Reportage "Ware Kind" - zu sehen als HD-Produktion am Donnerstag, dem 21. August 2014, um 21.05 Uhr in ORF 2 - in Österreich, im tschechischen Grenzgebiet und in Bulgarien recherchiert:

Drei bulgarische Kinder wurden vor kurzem an einem Bahnhof in Wien von ihrem Vater zurückgelassen. Auf ihre Geburtsurkunden schrieb er, dass er sie zur Adoption freigibt. Sie hatten sich geweigert weiterhin betteln zu gehen. "Diese Kinder haben für ihre Eltern nur Wert, wenn sie Profit bringen", sagt Norbert Ceipek, Leiter der Wiener Jugendamtseinrichtung Drehscheibe. Dorthin kommen ausländische Minderjährige, die von der Polizei aufgegriffen werden. Mehr als 200 Kinder und Jugendliche sind es pro Jahr, in Spitzenzeiten waren es schon an die 700.

Immer wieder werden Minderjährige von Menschenhändlerringen international für kriminelle Machenschaften eingesetzt, weil sie strafrechtlich nicht belangt werden können. Eine Bande von mindestens 70 Kaufhaus- und Taschen-Diebinnen aus Bosnien-Herzegowina beschäftigt derzeit die österreichische Polizei. Das Bundeskriminalamt ist inzwischen den Hintermännern auf der Spur:
"Jedes Mädchen muss rund 300 Euro pro Tag abliefern, eines haben wir sogar mit 1.000 Euro in der Tasche erwischt", sagt Gerald Tatzgern, der die Abteilung Menschenhandel leitet.

Manche Bettel- und Diebes-Kinder werden, wenn sie älter sind, in die Prostitution gezwungen. Oftmals bieten aber Täter/innen bereits junge Kinder an. In einzelnen Fällen stammen sie auch aus Österreich. Einige von ihnen hat Susanne Schuscha, Obfrau des Vereins Schutzengerl, betreut: "Eine Mutter, die offenbar unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, hat ihr Kind im Internet angepriesen". Nur die wenigsten Täter/innen seien tatsächlich pädophil, sagt Schuscha. "Es gibt viele Gründe, von materiellen bis zum besonderen Kick suchen, das Leid der Kinder interessiert dabei nicht". In einem besonders erschreckenden Fall hat der leibliche Vater ein Mädchen ab dem Kindergartenalter im Freundeskreis weitergereicht. "Bis heute habe ich Albträume und erschrecke, wenn jemand wie mein Erzeuger riecht oder aussieht", erzählt die heute 35-jährige Claudia.

In Bulgarien hat Reporterin Christine Grabner in einem Opferschutzzentrum jene Bettelkinder getroffen, die der eigene Vater in Wien ausgesetzt und zur Adoption freigegeben hat. "In Wien ist es uns endlich gut gegangen" sagt der ältere Bruder. Inzwischen gehen alle zur Schule und haben Pflegeeltern gefunden. Der Jüngste erzählt:
"Ich möchte in Bulgarien bleiben und Manager werden."

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream auf der ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) angeboten.

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