Kopf: Paneuropäisches Picknick öffnete Weg in ein freies Europa

Zweiter Nationalratspräsident erinnert an Grenzöffnung vor 25 Jahren - mahnende Worte in Sopron für Demokratie und Freiheit

Wien (PK) - "Im Grunde genommen war es ein Wunder, dass damals alles unblutig ablief", resümierte heute Zweiter Nationalratspräsident Karlheinz Kopf beim 25-Jahre-Jubiläumstreffen zum "Paneuropäischen Picknick" in Sopron, Ungarn. Am 19. August 1989 wurde von Mitgliedern des oppositionellen Ungarischen Demokratischen Forums und der Paneuropa-Union nahe Sopron die österreichisch-ungarische Grenze mit Zustimmung beider Länder für drei Stunden geöffnet. Völlig unerwartet nutzten rund 700 DDR-BürgerInnen diese Gelegenheit zur Flucht in den Westen. Heute, 25 Jahre danach, findet dort die Gedenkveranstaltung an die Vorgänge statt, durch die "von Ungarn aus der Weg in ein freies Europa der freien Völker geöffnet wurden", wie Kopf sagte. Denn damals sei mit der Öffnung des "Eisernen Vorhangs" zwischen Österreich und Ungarn nicht nur eine Landesgrenze passierbar gemacht worden; tatsächlich habe man so die ideologische Trennlinie zwischen den beiden "Blöcken" NATO und Warschauer Pakt überschritten.

Die harmlos gedachte Grenzöffnung mobilisierte die größte Fluchtbewegung aus Ost-Deutschland seit dem Bau der Berliner Mauer, schilderte der Zweite Nationalratspräsident die Entwicklungen rund um das "Picknick". Er würdigte dabei auch die Haltung der damaligen ungarischen Grenzkontrolle, die - um zivile Opfer zu vermeiden - den Grenzübertritt von Ungarn aus tolerierte und einen "Massenexodus" über die seit 1948 gesperrte Landstraße zwischen Sopron und St. Margarethen ermöglichte. Österreichische Behörden und die deutsche Botschaft in Wien hätten den DDR-Flüchtlinge in weiterer Folge unbürokratische Unterstützung geboten, so Kopf.

Obgleich mit dem Abbau der sowjetischen Grenzsperranlagen in Ungarn schon im Mai 1989 begonnen wurde, sei es doch schwer abzuschätzen gewesen, wie die auf ungarischem Boden stationierten Truppen der Sowjetunion auf die Ausreise der DDR-BürgerInnen reagieren würden. Letztlich habe aber die Massenflucht zu Ereignissen mit welthistorischer Bedeutung geführt, nämlich zur Öffnung aller ungarischen Grenzen im September 1989 und schließlich zum Fall der Berliner Mauer im November desselben Jahres, also zum "Zerfall eines totalitären Unrechtsregimes". Präsident Kopf rief vor diesem Hintergrund dazu auf, niemals die Bedeutung einer freien demokratischen Gesellschaft zu vergessen und vor allem die Jugend an den Wert von Freiheit und Demokratie fortwährend zu erinnern. Ungarn habe mit dem "Paneuropäischen Picknick" dem Freiheitsdrang eines ganzen Kontinents Flügel verliehen, unterstrich Kopf.

Abschließend gab es von Präsident Kopf mahnende Worte: "Kurzfristigen Machtgewinn und Machterhalt über Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zu stellen", so Kopf, sei ein Zeichen dafür, "weder etwas aus der Geschichte gelernt zu haben, noch an das Wohl des eigenen Landes zu denken." (Schluss) red/rei

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