NEOS: "Nationale Initiative: Autonome Schule" treibt die Bildungswende von unten

Matthias Strolz: "Mit dreifacher Schulautonomie Reformstau auflösen und Talente entfalten"

Wien (OTS) - Talente zum Blühen bringen will die "Nationale Initiative: Autonome Schule" mit einem Schulautonomie-Konzept, das Matthias Strolz als Gründer der Initiative heute bei einer Pressekonferenz in Wien präsentierte. Startpunkt war der 1. Mai 2014 - den die Initiative zum "Tag der Bildung" erklärte. In einem einjährigen Prozess unter Einbindung von interessierten Bürger_innen und Expert_innen wird das Grundsatzpapier diskutiert und erweitert. Ziel ist es, im Mai 2015 ein "Buntbuch Schulautonomie" als Reform-Leitfaden herauszugeben und im September 2015 einen konkreten Gesetzesvorschlag für die "Autonome Schule" zu präsentieren. Die Schulen der Zukunft stellen die Talente und Bedürfnisse der Schüler_innen in den Mittelpunkt und sollen frei über Pädagogik, Budget und Personal entscheiden können.

Gespräche mit Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern zeigen es ebenso wie internationale Vergleichsstudien: Österreichs Schulen stehen vor immer mehr ungelösten Problemen und neuen Herausforderungen. Politik und Schulbürokratie erweisen sich seit Jahrzehnten zu oft als Bremsklotz statt als Reformmotor. Zu vielfältig seien die Problemlagen, zu festgefahren die Parteipositionen, zu demotivierend die Misstrauenskultur in der Schulverwaltung.

Auf Reformen "aus der Basis" setzt Strolz mit der "Nationalen Initiative: Autonome Schule": "Wir wollen die Bildungswende von unten. Die Politik muss dafür den Rahmen schaffen. Fixe Räume für Freiräume. Die Schülerinnen und Schüler mit ihren Talenten müssen in den Mittelpunkt. Die Pädagoginnen und Pädagogen müssen in Freiheit und Verantwortung ihr Engagement entfalten können. Wir befreien die Schulen aus der Bevormundung. Uns geht's darum, die Talente der Kinder zum Blühen zu bringen - in Schulen, die eigenverantwortlich neue Wege gehen." Die Schule und das Lehrkräfte-Team sollen dabei auch Vorbildwirkung für ihre Schüler_innen haben: als lernende Organisation, die sich laufend weiterentwickelt. "Um dafür Energien freizusetzen, wollen wir die Schulen vom Bürokratie- und Regelungswahn befreien. Lernprozesse neu gestalten statt Erlässe verwalten, soll das Motto sein", erläutert Strolz. "Viele Lehrerinnen und Lehrer betreiben ihren Beruf mit großem Engagement. Ihre Initiativkraft muss den Kindern zugutekommen und nicht im System aufgerieben werden."

Zu pädagogischer Autonomie soll Budget- und Personalhoheit kommen

Wesentlich weiter als andere bisherige Initiativen im Bildungsbereich steckt die von Strolz ins Leben gerufene Nationale Initiative den Rahmen, in dem sich autonome Schulen frei entfalten können sollen. Die pädagogische Autonomie soll den Schulen die Freiheit geben, über Schul- und Lernkonzepte selbst zu entscheiden. Dies ist heute nur im Rahmen von Schulversuchen umfassend möglich.

Ebenso wichtig ist die Personalautonomie: "Gute Schule lebt von guten Lehrerinnen und Lehrern. Welche Lehrkräfte zu einer Schule passen und wie sie sich bewähren, kann am besten die Schulleitung vor Ort beurteilen", so Strolz. Auch Aufstiegschancen für besonders Engagierte, etwa zur Team- oder Fachbereichsleitung, könnten im Zuge der Personalautonomie geschaffen werden. Für die Schulleiter_innen ist eine hochwertige Führungskräfte-Ausbildung vorgesehen, um sie für die neuen Aufgaben zu rüsten.

Die dritte Säule bildet die finanzielle Autonomie. "Viele Investitionen ins Bildungswesen verpuffen heute, weil zentral vorgegeben wird, wofür Mittel verwendet werden müssen," kritisiert Strolz. "Ein Beispiel ist die Neue Mittelschule. Statt den Schulen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, wurde für alle verpflichtend das kostenintensive Teamteaching in den Hauptfächern vorgeschrieben. Wir wollen, dass Mittel bedarfsgerecht vor Ort eingesetzt werden können."

Bund stellt Finanzierung, Qualitätssicherung und Abschlussprüfungen

Der dreifachen Freiheit und Verantwortung der Schulen steht im neuen Modell eine ebenfalls dreifache Verantwortung des Bundes gegenüber. Dieser muss für eine einheitliche Finanzierung, gemeinsame Qualitätssicherung und bundesweite Abschlussprüfungen im Rahmen einer neuen Mittleren Reife Sorge tragen.

Die Finanzierung erfolgt pro Schüler_in nach dem Prinzip "freie Schulwahl ohne Schulgeld". Für jeden schulgeldfrei angebotenen Schulplatz erhält jede Schule - egal ob in öffentlicher, kirchlicher oder freier Trägerschaft - einen fixen Pauschalbetrag. Zusätzliche Mittel erhalten Schulen mit hohem Anteil an Schüler_innen, die eine nichtdeutsche Muttersprache oder Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss haben, sowie Kleinschulen im ländlichen Raum.

An die Stelle der Schulbehörden und Schulinspektor_innen tritt ein Bildungsservice, das die Schulen bei der Qualitätsentwicklung und -sicherung unterstützt. Seine Mitarbeiter_innen in allen Regionen beraten und begleiten Schulleitungen und Lehrkräfte, vernetzen die Schulen und bringen internationale Erfahrungen sowie Erkenntnisse aus der Bildungsforschung ein.

Den Abschluss nach neun Jahren Schulpflicht bildet die neu eingeführte Mittlere Reife. Die Mittlere Reife wird in den Hauptfächern als externer, bundesweit einheitlicher Test abgehalten. Sie schafft eine gemeinsame Zielvorgabe in den Grundkompetenzen und damit Vergleichbarkeit. Die Wege zur Erreichung dieses Ziels sollen die autonomen Schulen hingegen frei wählen dürfen. Strolz: "Ein gemeinsames Ziel mit der Mittleren Reife. Vielfältige Wege dorthin. Damit werden wir auch der Vielfalt der Talente und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler besser gerecht als heute."

Selbstbestimmter Umstieg mittels "Opt-in"

Die Einführung der Schulautonomie sieht Strolz als Prozess, der auf Eigeninitiative statt auf Zwang basiert. "Wir schlagen ein Opt-in-Modell vor. Hier können wir auf Erfahrungen des Bundeslandes Hessen zurückgreifen. Schulen, die neue Wege gehen oder sich vom Korsett der Schulbürokratie befreien wollen, können ins neue System umsteigen", erklärt Strolz. Die Rechtsgrundlage der autonomen Schulen soll einfach und transparent sein und - nach Vorbild des Fachhochschulgesetzes - aus einem einzigen "schlanken" Schulgesetz bestehen. Um eine geeignete Mindestgröße für die Eigenverwaltung zu erreichen, sollen sich Kleinschulen zu einer Schule mit mehreren Standorten zusammenschließen können.

Bisher wenig Autonomie im Europavergleich: Großteil der Entscheidungen fällt zentral

Derzeit ist die Autonomie der Schulen in Österreich im internationalen Vergleich gering ausgeprägt. Das zeigte die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2012". Nur 31 Prozent der Entscheidungen im Schulwesen werden hierzulande auf Schulebene getroffen. Im EU-Durchschnitt sind es 46 Prozent. Das größte Mitspracherecht haben die Schulen in den Niederlanden, wo 86 Prozent der Entscheidungen auf Schulebene fallen. Finnland gibt 100 Prozent der Befugnisse den Gemeinden, die in der Praxis viele Entscheidungen an die Schulen delegieren.[Schluss]

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