Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 10. August 2014. Von LIANE Pircher. "Die Lehre bleibt eine Baustelle".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Suche nach (guten) Lehrlingen erweist sich für heimische Betriebe als immer schwieriger. Das Problem ist bekannt und wird sich ohne Umdenken nicht lösen lassen.

In Deutschland ist es Realität, dass Unternehmen in anderen EU-Staaten, etwa Spanien oder Griechenland, um Lehrlinge werben. Junge Deutsche, die eine Lehre absolvieren, sind Mangelware. In Österreich ist es zwar nicht so arg, aber auch hier lassen sich zunehmend weniger Jugendliche für das Erlernen eines Handwerkberufes finden. Nicht nur (wenn auch) aus demografischen Gründen. Dazu wird seit Jahren über das sinkende Leistungsniveau gejammert. Anders als früher ist heute der Schritt Richtung Lehre zu oft einer, der eher von schlechten Schülern oder Kindern bildungsferner Schichten mangels Förderung beschritten wird. Natürlich gibt es Ausnahmen.
Gute gehen in der Mehrzahl aber in eine höhere Schule (und dann auf die Uni). Warum ist das so? Einer der Gründe ist, dass gerade Eltern mit höherer Bildung es oft als "Abstieg" empfinden, wenn sich ihr Kind für eine Lehre entscheiden würde. Aus ihrer Sicht wäre das ein niedrigerer beruflicher Status, der als Versagen wahrgenommen wird. Diese Einstellung teilen immer häufiger auch andere Eltern. Alle wollen nach oben. Gesellschaftspolitisch müsste man längst darüber diskutieren, warum es vielen so immens wichtig ist, dass ihr Kind nicht "nur" eine Lehre macht, warum viele ihre Kinder (auch solche mit handwerklichem Interesse und Talent) mit aller Kraft, allen Mitteln und oft zu einem hohen Preis Richtung Schule schieben. Nicht zuletzt, weil es nicht so ist, dass eine akademische Ausbildung Garant für ein glückliches Leben oder eine existenzielle Sicherheit ist. Damit die Lehre an Attraktivität gewinnt, müssten aber viel mehr Betriebe beweisen, dass ihre Ausbildung eine gute und nachhaltige ist. Eine, die auch allgemein bildet. So könnte die Lehre mit anderen (Schul-)Ausbildungen vom Wert gleichauf und damit für alle interessant sein.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001