• 05.08.2014, 18:30:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Der Ritt auf zwei Rössern" - von Eva Konzett

Rumänien, Tschechien und Polen können sich energiepolitisch frei bewegen

Utl.: Rumänien, Tschechien und Polen können sich energiepolitisch
frei bewegen =

Wien (OTS) - Im Pferdesport bezeichnet "die ungarische Post" einen
Standritt auf zwei Pferden. Die hohe Kunst besteht darin, die Tiere
in dieselbe Richtung zu dirigieren und dabei nicht hinunterzufallen,
egal wie eng die Kurve geschnitten wird. Politisch gesprochen hat
sich der Radius für Entscheidungen im Zuge der Ukraine-Krise ohne
Zweifel verkleinert.

Insbesondere die jüngeren EU-Mitglieder versuchen nun, da die Kräfte
auseinanderziehen, wirtschaftlich das Gleichgewicht zu halten.
Bulgarien etwa gilt als bester Freund Russlands in Europa - manch
einer glaubt hierin gar ein trojanisches Pferd zu erkennen, das
Moskau der EU hinter die Tür geschoben hat.

Aus wirtschaftlicher Sicht jedenfalls lässt sich Nähe leicht mit
Zahlen belegen: Bulgarien bezieht Erdgas fast ausschließlich aus
Russland, das gleichzeitig der zweitgrößte Handelspartner ist.
Russische Urlauber bevölkern im Sommer die bulgarischen
Schwarzmeerstrände, russische Unternehmen investieren fleißig im
Land. Wie der Nachbarn Serbien und auch Ungarn hält Bulgarien am Bau
der Pipeline South Stream fest, musste die Realisierung aber wegen
des Drucks aus Brüssel aussetzen.

Ungarn umgarnt Russland nicht nur bei den fossilen Rohstoffen: Ein
Zehn-Milliarden-Euro-Paket zum Ausbau des AKW Paks wurde ebenso
geschnürt wie die Handelsbeziehungen mit Russland eifrig gepäppelt.
Die Slowakei machen indes heute strategische Entscheidungen aus den
1970er-Jahren verwundbar: Damals entschied sich die Sowjetunion für
Gasverträge im großen Stil mit Deutschland. Das Motto: langfristige
russische Gaslieferungen im Austausch gegen die deutsche Technologie
für den Pipeline-Ausbau in Sibirien. Noch heute leitet die Slowakei
das russische Gas, das die Transitroute über die Ukraine nimmt, nach
Europa weiter.

Energiepolitisch freier können sich die Kohleländer Tschechien und
Polen bewegen sowie Rumänien, das eigene Gasvorkommen besitzt.
Rumänien hat in diesem Sinne scharfe Reaktionen auf die Vorgangsweise
Russlands in der Ukraine-Krise gefordert. Eine Krise, die
insbesondere die Rolle Rumäniens als verlässlicher Nato-Partner im
Schwarzmeerraum aufgewertet hat.

Hinzu kommt, dass Bukarest kein traditionelles Naheverhältnis zu
Moskau pflegt. So setzte der sozialistische Machthaber Nicolae
Ceausescu auf Isolation. Und noch im 19. Jahrhundert schickten
rumänische Bauern Pferde nach Westen: als Kriegsgerät für die
preußische und französische Armee.

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