WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Der Ritt auf zwei Rössern" - von Eva Konzett

Rumänien, Tschechien und Polen können sich energiepolitisch frei bewegen

Wien (OTS) - Im Pferdesport bezeichnet "die ungarische Post" einen Standritt auf zwei Pferden. Die hohe Kunst besteht darin, die Tiere in dieselbe Richtung zu dirigieren und dabei nicht hinunterzufallen, egal wie eng die Kurve geschnitten wird. Politisch gesprochen hat sich der Radius für Entscheidungen im Zuge der Ukraine-Krise ohne Zweifel verkleinert.

Insbesondere die jüngeren EU-Mitglieder versuchen nun, da die Kräfte auseinanderziehen, wirtschaftlich das Gleichgewicht zu halten. Bulgarien etwa gilt als bester Freund Russlands in Europa - manch einer glaubt hierin gar ein trojanisches Pferd zu erkennen, das Moskau der EU hinter die Tür geschoben hat.

Aus wirtschaftlicher Sicht jedenfalls lässt sich Nähe leicht mit Zahlen belegen: Bulgarien bezieht Erdgas fast ausschließlich aus Russland, das gleichzeitig der zweitgrößte Handelspartner ist. Russische Urlauber bevölkern im Sommer die bulgarischen Schwarzmeerstrände, russische Unternehmen investieren fleißig im Land. Wie der Nachbarn Serbien und auch Ungarn hält Bulgarien am Bau der Pipeline South Stream fest, musste die Realisierung aber wegen des Drucks aus Brüssel aussetzen.

Ungarn umgarnt Russland nicht nur bei den fossilen Rohstoffen: Ein Zehn-Milliarden-Euro-Paket zum Ausbau des AKW Paks wurde ebenso geschnürt wie die Handelsbeziehungen mit Russland eifrig gepäppelt. Die Slowakei machen indes heute strategische Entscheidungen aus den 1970er-Jahren verwundbar: Damals entschied sich die Sowjetunion für Gasverträge im großen Stil mit Deutschland. Das Motto: langfristige russische Gaslieferungen im Austausch gegen die deutsche Technologie für den Pipeline-Ausbau in Sibirien. Noch heute leitet die Slowakei das russische Gas, das die Transitroute über die Ukraine nimmt, nach Europa weiter.

Energiepolitisch freier können sich die Kohleländer Tschechien und Polen bewegen sowie Rumänien, das eigene Gasvorkommen besitzt. Rumänien hat in diesem Sinne scharfe Reaktionen auf die Vorgangsweise Russlands in der Ukraine-Krise gefordert. Eine Krise, die insbesondere die Rolle Rumäniens als verlässlicher Nato-Partner im Schwarzmeerraum aufgewertet hat.

Hinzu kommt, dass Bukarest kein traditionelles Naheverhältnis zu Moskau pflegt. So setzte der sozialistische Machthaber Nicolae Ceausescu auf Isolation. Und noch im 19. Jahrhundert schickten rumänische Bauern Pferde nach Westen: als Kriegsgerät für die preußische und französische Armee.

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