"Kulturmontag" am 4. August: Frauenschicksal als Bühnenerfolg, Blinder Alpinist als Dokuheld, Sex-Report als Tanzstück u. v. m.

Außerdem: "Schlaflos in Umea" - neue Doku über europäische Kulturhauptstadt 2014

Wien (OTS) - Martin Traxl lädt am 4. August 2014, um 22.30 Uhr in ORF 2, zu einem höchst abwechslungsreichen "Kulturmontag", der u. a. über die erfolgreiche Uraufführung von Katie Mitchells jüngster Produktion bei den Salzburger Festspielen berichtet: "Forbidden Zone", ein Film über das Schicksal von Clara Immerwahr, der in Echtzeit auf der Bühne entsteht. Außerdem: "John", das neue Tanzstück des Choreographen Lloyd Newson beim IMPULSTanz Festival, das die Sexualität von Männern und männliche Befindlichkeiten thematisiert. Ein ganz besonderer Mann, der blinde Alpinist Andy Holzer, steht im Mittelpunkt eines Dokumentarfilms mit dem Titel "Unter Blinden", dessen Dreharbeiten der "Kulturmontag" besucht hat, ebenso wie den Pongauer Kurort Bad Gastein, der durch neue Kunstinitiativen und neuerdings durch das neue Elektropop-Album des Lebenskünstlers Friedrich Liechtenstein ("Supergeil") langsam eine Renaissance erlebt.

Im Anschluss an das Magazin steht die neue ORF-Dokumentation "Schlaflos in Umea" von Barbara Pichler-Hausegger über die europäische Kulturhauptstadt 2014 auf dem Programm. Die schwedische "Stadt der 1.000 Birken", u. a. auch Heimatstadt des Schöpfers der erfolgreichen "Millennium"-Trilogie Stieg Larsson, hat so einiges zu bieten, das man auf den ersten Blick nicht erwarten würde.

Bad Gastein - Renaissance für das "Monaco der Alpen"

Mit seinem Youtube-Hit "Supergeil" wurde Friedrich Liechtenstein, ehemals Puppenspieler, Festivalleiter und lebendes Kunstwerk, zum Klick-Millionär. Jetzt legt der Lebenskünstler mit der weißen Mähne und den gold lackierten Fingernägeln eine CD vor: "Bad Gastein" ist ein von Sehnsucht durchtränktes Album in sanftem Elektropop und voll der Zitate: Falco wird darin beschworen und Tom Waits gecovert. Vor allem aber ist die Scheibe eine Hommage an Bad Gastein, das einstige "Monaco der Alpen". Mit seinem Retrosound trifft Liechtenstein den Puls der Zeit. Tatsächlich erlebt der über Jahrzehnte in Agonie versunkene Kurort eine - wenn auch noch zaghafte - Renaissance. Kunstinitiativen beleben den Ort, in das legendäre Grand Hotel de l'Europe wurde investiert, die Nächtigungszahlen steigen wieder. Der "Kulturmontag" hat sich in Bad Gastein umgesehen.

"Unter Blinden" - Dreharbeiten zum Dokumentarfilm über blinden Alpinisten Andy Holzer

Er ist blind geboren, wurde wie ein Sehender erzogen, hat sechs der sieben höchsten Gipfel der Welt erklommen, arbeitet als Coach für internationale Führungskräfte und Wirtschaftsbosse und steht derzeit für einen Dokumentarfilm vor der Kamera: "Unter Blinden" heißt das Projekt über den blinden Osttiroler Alpinisten Andy Holzer, mit dem die renommierte Drehbuchautorin Eva Spreitzhofer ihr Regiedebüt gibt. Der Film geht der Frage nach, welche Unterschiede ein fehlendes Sinnesorgan ausmacht, thematisiert aber auch Ausgrenzung und Andersartigkeit. Der "Kultumontag" war bei den Dreharbeiten dabei.

Frauenschicksal Clara Immerwahr als umjubelte filmische Inszenierung - "Forbidden Zone" in Salzburg

Am Mittwoch feierte Katie Mitchells kinematographisches Bühnenprojekt "Forbidden Zone" über die deutsch-jüdische Chemikerin Clara Immerwahr im Rahmen der Salzburger Festspiele auf der Perner Insel ihre umjubelte Uraufführung. "Forbidden Zone" ist ein atmosphärisch dichter Film über das Scheitern und den Einfluss von Frauen in Zeiten des Krieges. Das Besondere daran: Er entsteht in Realzeit. Die britische Regisseurin hat fünf Kameraleute postiert, die die Akteure auf der Bühne stets umkreisen, in Sekundenschnelle ihre Positionen wechseln. Das Geschehen wird direkt auf eine große Leinwand übertragen. Das Stück erzählt vom Schicksal der Clara Immerwahr, deren Mann - der spätere Nobelpreisträger Fritz Haber - die erste chemische Massenvernichtungswaffe entwickelte, die im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Immerwahr, wehrlos, dieser Monstrosität etwas entgegenzusetzen, nahm sich das Leben. Der "Kulturmontag" berichtet über die Produktion und Immerwahrs Schicksal.

Sex-Report von Choreograph Lloyd Newson als Tanztheaterstück beim IMPULSTanz Festival

Lloyd Newson ist einer der meistdiskutierten zeitgenössischen Tanztheatermacher Europas. Jetzt kommt der Brite mit seinem Ensemble "DV8 Physical Theatre" und der Uraufführung seiner jüngsten Produktion "John" zum IMPULSTanz Festival nach Wien. Das Stück basiert auf Interviews mit Männern über Sexualität, Gewalt und Leben und ist eine engagiert sensible Studie über einen Mann, der dutzende Male verhaftet und verurteilt wurde, heroinabhängig und obdachlos war. Newson verschmilzt in dieser Produktion Sprache und Bewegung zu einem "tanztheatralen Narkotikum" mit gesellschaftlicher Brisanz. Newson, der auch mit Tanzfilmen wie "The Cost of Living" international Aufsehen erregte, tritt aufgrund öffentlicher Anfeindungen seit Jahren nur maskiert auf. Im "Kulturmontag" spricht der Choreograf über sein neues Stück und seine Vision von Tanz und Film. Zu Wort kommen auch Ensemblemitglieder von DV8 sowie eine Sexualtherapeutin, die sich über männliche Sexualität und Gewalt äußert.

"Schlaflos in Umea" - Dokumentation über Europas Kulturhauptstadt 2014

Umea ist vermutlich die unbekannteste europäische Kulturhauptstadt, aber gewiss nicht die uninteressanteste. Die neue Dokumentation von Barbara Pichler-Hausegger entdeckt in der "Stadt der 1.000 Birken", u. a. auch Heimatstadt des Schöpfers der erfolgreichen "Millennium"-Trilogie Stieg Larsson, nicht nur acht Jahreszeiten sondern auch einige Alternativen des Zusammenlebens, die es in Europa sonst nicht gibt - wie zum Beispiel feministische Punkrocker, die in der Oper arbeiten. Offen, lässig und interessiert sind die Menschen von Umea. Unprätentiös und unkompliziert geht es hier zu, antihierarchisch und antisnobistisch.
Die Birken und die Radfahrer: sie stechen als Erstes ins Auge, wenn man Umea besucht. Und - so der Aufenthalt in die Sommermonate fällt -ein alles verzauberndes Licht zu Mitternacht. Denn finster wird es hier nicht. Umea liegt nördlich des 63. Breitengrades - weit weg vom Rest Europas.
Daher ist man in Umea auch gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nicht auf Verordnungen von oben zu warten. Und so stößt der aufmerksame Besucher immer wieder auf unkonventionelle Lösungsversuche für Alltagsprobleme. Jedes Haus verfügt über eine Ladestation für Auto-Batterien an der Außenwand, die jede und jeder benutzen darf, denn die Winter von Umea übersteht kaum eine Auto-Batterie. Das Studieren an den Universitäten ist jungen Menschen jeglicher Herkunft zugänglich - es gibt keine Studiengebühren. Autofahrer halten streng die Verkehrsregeln ein - Radfahrer müssen das nicht.
Eine rege Punk- und Heavy-Metal-Szene belebt die Stadt, gleichzeitig ist hier auch die Norrlands Operan angesiedelt - das nördlichste Opernhaus Europas. Wöchentliche Oldtimertreffen mit Amischlitten der wildesten Art, ein Museum, in dem 350 exquisite Stromgitarren zu bewundern sind, eine ehemalige psychiatrische Anstalt, die zum 24 Stunden offenen Skulpturenpark umgewandelt worden ist - die Stadt hält einige Überraschungen parat.
Umea hat sich definitiv nicht als Kulturhauptstadt verkleidet - sich für dieses Jahr nicht krampfhaft zum kulturellen "Hotspot" stilisiert. Die unkomplizierte "Do it yourself"- und "Wir machen alle mit"-Atmosphäre macht es leicht, sich mit dieser Stadt anzufreunden.

Der "Kulturmontag" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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