ÖGJ: Lehrstellenförderung reformieren

Unternehmen in die Pflicht nehmen

Wien (OTS/ÖGB) - ÖGJ: Lehrstellenförderung reformieren Unternehmen in die Pflicht nehmen

"Tausende Jugendliche haben keinen Lehrplatz, weil sich immer mehr Unternehmen aus der dualen Lehrausbildung zurückziehen. Das derzeitige System der Lehrstellenförderung muss daher dringend reformiert werden", reagiert Sascha Ernszt, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), auf die heute bekanntgegebenen Arbeitsmarktdaten. Hinzu kommen 9.000 Lehrlinge in den Überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen, die ebenfalls auf eine Lehrstelle warten. "Die Unternehmen müssen endlich in die Pflicht genommen werden, Lehrlinge wieder von Anfang an selbst auszubilden. Ausbildung ist eine moralische Verpflichtung der Unternehmen und darf nicht einfach als Geschäft betrachtet werden", fordert Ernszt.

Die ÖGJ fordert seit längerem einen Ausbildungsfonds (Fachkräftemilliarde), in den Firmen einzahlen, die nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, und aus dem Betriebe, die qualitativ hochwertig ausbilden, Förderungen erhalten. Der Fonds soll durch ein Prozent der Jahresbruttolohnsumme durch die Unternehmen finanziert werden.

Mehr und besser ausbilden

Neben der Finanzierung muss auch die Qualitätssicherung der Lehrausbildung neu geregelt werden. "Regelmäßig wenden sich Jugendliche an die Gewerkschaftsjugend und beklagen sich, dass sie in ihren Betrieben nichts lernen. Sie gehen lieber in überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen, weil sie dort etwas lernen und mit Respekt behandelt werden", berichtet Ernszt. In einigen Betrieben ist die Ausbildungsqualität mangelhaft. Die Jugendlichen werden nicht ausgebildet, sondern werden zu Hilfsarbeiten herangezogen. Die Wirtschaft darf sich daher nicht wundern, wenn Jugendliche in bestimmten Bereichen, wie im Tourismus, nicht arbeiten wollen", sagt Ernszt.

"Wenn die Unternehmen besser ausbilden würden, müssten sie auch nicht mit weiterführenden Schulen konkurrieren. Denn viele Lehrlinge wollen eine praktische Ausbildung machen, sie entscheiden sich aber oft dagegen, da der Lehrplatz zu unattraktiv ist." Unternehmen, die gut ausbilden und attraktive Angebote für Jugendliche haben, haben hingegen keine Probleme. Sie bekommen viele Bewerbungen und können sich ihre Lehrlinge aussuchen.

Für mehr Qualität in der Lehrausbildung fordert die ÖGJ:

  • die Einführung einer verpflichtenden Teilprüfung, die auf die Lehrabschlussprüfung angerechnet wird
  • mehr Kontrollen über die tatsächliche Ausbildungstätigkeit
  • regelmäßige Weiterbildungen der AusbildnerInnen

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