ÖAMTC: 37 Prozent aller Motorradunfälle passieren auf Kreuzungen - eingeschränkte Sicht als fatales Risiko (+ Fotos)

Motorräder "verschwinden" hinter Hindernissen, Abhilfe durch bessere Gestaltung von Kreuzungen sowie verstärkte Bewusstseinsbildung

Wien (OTS) - Die Zahl der Motorradunfälle steigt: Jeder sechste Verkehrstote in Europa ist ein Motorradfahrer oder -mitfahrer, in Österreich ist es sogar jeder fünfte. 37 Prozent aller Motorradunfälle passieren auf Kreuzungen (Quelle: Statistik Austria; Bearbeitung: ÖAMTC Unfallforschung). Eine der Hauptursachen:
"Motorräder werden oft gar nicht oder zu spät gesehen - häufig durch eingeschränkte Sicht oder durch eine Fehleinschätzung des Pkw-Lenkers", erklärt David Nosé von der ÖAMTC-Unfallforschung. Eine bessere Ausbildung der Motorradfahrer ist hier nur die halbe Miete. Um Kreuzungen, vor allem für Motorradfahrer, sicherer zu machen, empfiehlt der Verkehrsexperte Bewusstseinsbildung für alle Verkehrsteilnehmer, mehr Sicht durch eine entsprechende bauliche Gestaltung sowie Pkw mit besserer Rundumsicht.

"Ein Problem für Motorradfahrer ist die so genannte Sichtabschattung. Das heißt, Motorräder 'verschwinden' im Bereich von Kreuzungen mit ihrer schmalen Silhouette hinter der A- oder B-Säule eines Pkw oder hinter Verkehrszeichen und Werbetafeln. Das kann zu schweren Unfällen führen", erklärt Nosé. Versuche im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Teesdorf zeigten, dass bei ungünstigen Konstellationen sogar eine ganze Motorradgruppe für einen Augenblick völlig verdeckt werden kann - z. B. bei nicht rechtwinkeliger Aufstellung sowie in Kurvenfahrten.

Doch auch bei guter Sicht nehmen Pkw-Lenker Motorräder bei Abbiegemanövern wie Linksabbiegen, Wenden, Einbiegen oder Kreuzen oft erst spät wahr. "Fehleinschätzungen passieren z. B., wenn Pkw-Lenker beim Einbiegen unaufmerksam sind oder sich auf anderes konzentrieren. Die schmale Silhouette und die oft unterschätzte Geschwindigkeit von Motorrädern verstärken dieses Problem", weiß der ÖAMTC-Verkehrsexperte.

ÖAMTC-Experte fordert bessere Kreuzungs-Gestaltung, ausreichende Sichtweiten, Pkw mit besserer Rundumsicht und mehr Bewusstseinsbildung

* "Bewusstseinsbildung für alle. Um Kreuzungen für Motorradfahrer sicherer zu machen, müssen sich diese, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer der besonderen Gefahren in diesem Bereich bewusst sein und dementsprechend vorrausschauend und defensiv fahren", unterstreicht der ÖAMTC-Verkehrsexperte.

* Rechtwinkelige Einmündungen. Die bauliche Gestaltung an Kreuzungen oder Einmündungen sollte nach Möglichkeit nur rechtwinkelig sein. "Schräge Aufstellungen für einfahrende Fahrzeuge behindern die Sicht auf den Querverkehr", warnt der ÖAMTC-Unfallforscher.

* Ausreichende Sichtweite. "Um eine ausreichende Sichtweite im Kreuzungsbereich zu gewährleisten, müssen gegebenenfalls Bäume und Sträucher zurückgeschnitten sowie Verkehrszeichen und Werbetafeln versetzt werden", rät Nosé.

* Pkw mit besserer Rundumsicht. Verstärkte A- und B-Säulen haben in den vergangenen Jahren die Sicherheit für die Insassen von modernen Pkw erhöht. Mit dem einhergehend wurde allerdings auch die Rundumsicht eingeschränkt. Hier sieht der ÖAMTC-Verkehrsexperte einerseits die Fahrzeughersteller gefordert, Verbesserungen zu entwickeln. "Andererseits müssen sich auch alle Lenker dieser Sichteinschränkungen bewusst sein und besser zweimal schauen", so Nosé abschließend.

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