Hundstorfer zu Arbeitsmarkt: Ohne Belebung der Inlandsnachfrage bleibt Situation am Arbeitsmarkt weiterhin angespannt

Leichte Verbesserung gegenüber dem Vormonat - Anstieg der Arbeitslosigkeit ging etwas zurück

Wien (OTS/BMASK) - "Wir haben im Juli wie in den vergangenen Monaten trotz steigender Beschäftigung eine ebenfalls zunehmende Arbeitslosigkeit. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist jedoch nicht ganz so hoch wie in den Monaten zuvor und gegenüber dem Vormonat Juni sind 3.326 Personen oder 0,9 Prozent weniger Menschen arbeitssuchend", unterstrich Sozialminister Rudolf Hundstorfer Freitag bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten für den Monat Juli. Österreich hat mit einer Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent wie seit Jahren die geringste Arbeitslosigkeit in Europa. Sie ist weniger als halb so hoch wie der EU-Durchschnitt mit 10,2 Prozent. Die Situation am österreichischen Arbeitsmarkt bleibt weiterhin schwierig. So haben die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Konjunkturprognosen für heuer etwas zurück genommen, sodass mit einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht zu rechnen ist. "Wir müssen unsere Inlandsnachfrage erhöhen. Eine steuerliche Entlastung der kleinen und mittleren Einkommensgruppen ist unumgänglich, um Impulse für unsere Wirtschaft und damit endlich auch wieder für unseren Arbeitsmarkt zu erreichen", unterstrich Hundstorfer. ****

Ende Juli 2014 sind in Österreich 3.610.000 Personen unselbständig beschäftigt, das sind um rund 28.000 mehr Arbeitsplätze als noch ein Jahr zuvor. "Angesichts der steigenden Konkurrenz bleiben allerdings vor allem gesundheitlich beeinträchtigte, gering qualifizierte, Personen mit sprachlichen Barrieren und auch ältere Personen verstärkt zurück", sagte der Sozialminister. Die Arbeitsmarkpolitik versucht diese Entwicklung mit zusätzlicher Qualifizierung, Lohnsubventionen und zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten in Sozialen Betrieben entgegenzuwirken. Angesichts der nach wie vor zu schwachen wirtschaftlichen Gesamtnachfrage kann dies alles jedoch nur begrenzt wirken, da die Arbeitsmarktpolitik nur einen Aspekt der Beschäftigungspolitik darstellt, so der Minister.

In der Folge liegt Ende Juli 2014 mit 286.363 Personen die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen um 29.869 Personen bzw. 11,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Inklusive der 64.950 TeilnehmerInnen an Schulungsangeboten des Arbeitsmarktservice beträgt die Zahl der Vorgemerkten 351.313. Sie liegt damit um 30.976 Personen bzw. 9,7 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition beträgt Ende Juli 7,3 Prozent, das sind 0,7 Prozentpunkte mehr als im Juli des Vorjahres.

Die Arbeitslosigkeit von Männern steigt mit 13,0 Prozent etwas stärker als die der Frauen mit 10,1 Prozent. Ursache hierfür ist vor allem die Entwicklung am Bau mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um 12,7 Prozent. Und auch die Arbeitskräfteüberlassung steigt weiterhin überdurchschnittlich mit 12,9 Prozent. Im Handel liegt die Zahl der Vorgemerkten um 11,6 Prozent über dem Vorjahreswert, bleibt damit aber im Österreichschnitt. Weit unter dem Durchschnitt liegt hingegen die Warenproduktion, hier beträgt die Zunahme lediglich 6,2 Prozent.

Auch am Lehrstellenmarkt bleibt die Nachfrage der Unternehmen noch verhalten. In der Folge liegt die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden um plus 235 bzw. plus 2,8 Prozent über dem Vorjahreswert, während der Bestand an gemeldeten offenen Lehrstellen österreichweit um 29 bzw. 0,9 Prozent geringfügig rückläufig ist. Entgegen dem Bundestrend steigt allerdings die Zahl der gemeldeten freien Lehrstellen zumindest in Niederösterreich (+1,0 Prozent) und in Wien (+4,1 Prozent) wieder leicht an. In Tirol ist die Zunahme mit 7,8 Prozent deutlich stärker und in Vorarlberg werden aktuell sogar um 41,1 Prozent mehr Lehrlinge gesucht.

Im internationalen Vergleich ist in Österreich mit 9,0 Prozent Ende Juni das Niveau der Jugendarbeitslosigkeit nach wie vor relativ gering. Nur Deutschland hat innerhalb der EU mit 7,8 Prozent eine niedrigere Quote. Und auch die Zunahme der arbeitslos vorgemerkten Jugendlichen (15-24 Jahre) bleibt Ende Juli 2014 mit 5,4 Prozent weit unter der Gesamtentwicklung. Bei den jüngsten ArbeitsmarkteinsteigerInnen - den 15- bis 19- Jährigen - sinkt die Arbeitslosigkeit sogar um 1,6 Prozent, während Jugendliche zwischen 20 bis 24 Jahren einen - unterdurchschnittlichen - Anstieg von 7,1 Prozent aufweisen.

Nach dem deutlichen Anstieg der von Insolvenz betroffenen DienstnehmerInnen im Jahr 2013 verzeichnet die Insolvenzentgeltfonds-Service GmbH im 1. Halbjahr 2014 wiederum einen Rückgang der Anzahl der AntragstellerInnen auf Insolvenzentgelt von rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Positiv ist darüber hinaus zu vermerken, dass im Vergleich zum 1. Halbjahr 2013 eine geringere Anzahl an Großinsolvenzen (> 100 AntragstellerInnen) sowie der von diesen Großinsolvenzen unmittelbar betroffenen ArbeitnehmerInnen verzeichnet wurde: Waren es in der ersten Jahreshälfte 2013 noch 18 Unternehmen mit rund 4.580 AntragstellerInnen, wurden im 1. Halbjahr 2014 lediglich 12 Firmen mit rund 1.900 AntragstellerInnen registriert.

"Die leichte Belebung der Exportkonjunktur und der Ausrüstungsinvestitionen reicht noch nicht aus, ein wirtschaftliches Wachstum zu generieren, das zu rückläufigen Arbeitslosenzahlen führt. Ohne entsprechende Unterstützung durch die inländische Nachfrage werden, vor allem auch angesichts des weiter steigenden Arbeitskräfteangebots, die Arbeitslosenzahlen wohl auch nicht spürbar sinken", wiederholte der Sozialminister abschließend. (Schluss)

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