Interview mit der Vorstandsvorsitzenden der UKRPLASTIC AG Irina Mirochnik

von Iwan Sennikow

Kiew (OTS) - Vorstandsvorsitzende der UKRPLASTIC AG Irina Mirochnik:
"Wenn das Niveau von Korruption und Bürokratie nicht zurückgeht, lagern Großunternehmen ihre Produktionen nach anderen Ländern aus."

Das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der Europäischen Union, das vom Präsidenten der Ukraine unterzeichnet ist und die Ratifizierung durch Verkhovna Rada (das Parlament) und die Parlamente der EU erwartet, ruft mehrdeutige Gefühle bei ukrainischen Unternehmern hervor. Einerseits öffnet das Dokument den lokalen Geschäftsleuten breite Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen. Andererseits steigert es das Wettbewerbsniveau und schafft komplizierte Bedingungen für nicht modernisierte postsowjetische Unternehmen, die den Löwenanteil des ukrainischen BIPs produzieren. Der größte Hersteller von flexiblen Verpackungsmaterialien in Osteuropa UKRPLASTIC ist den Sanierungsweg vor 15 Jahren bereits beschritten, um den europäischen Standards zu entsprechen. Heutzutage müssen die meisten Großproduktionen der Ukraine, so ist die Unternehmensvorstandsvorsitzende Irina Mirochnik sicher, diesen Weg innerhalb von ein bis zwei Jahren schaffen, um in einem akuten Wettbewerb zu überleben.

- Wie bewerten Sie als Vertreter von großen ukrainischen Unternehmen die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union? Beinhaltet es mehr Positives oder mehr Herausforderungen?

- Es ist natürlich ein großer Durchbruch hinsichtlich mentaler Wahrnehmung der Ukraine und ukrainischer Unternehmen in europäischen Ländern. Bis dahin nahm uns ganz Europa auf dem Niveau von Geschäftskontakten nicht mehr als ein Drittland wahr. Als im Oktober eine reale Perspektive der Unterzeichnung des Dokumentes entstanden ist, haben uns unsere Kollegen aus Großbritannien, Deutschland, Frankreich mit den Worten "endlich seid ihr mit uns" begrüßt.
Für UKRPLASTIC gibt es im Abkommen nichts Neues. Wir ließen uns innerhalb von den letzten 17 Jahren in den Ländern zertifizieren, in denen unsere Produkte unter anderem auch in den Ländern der Europäischen Union verkauft werden. Unsere sämtlichen Produktionsprozesse und Innovationen vergleichen wir mit den Regeln und Standards der EU.

Was den Markt insgesamt anbetrifft, werden viele ukrainische Hersteller in erster Zeit nach Inkrafttreten des Dokuments bestimmte Schwierigkeiten erleben müssen. Bestimmte Produktionen setzen veraltete Anlagen und Technologien ein, deswegen kann solch eine Produktion nicht gewährleisten, dass europäische Standards sichergestellt werden. Unternehmen, die auf unserem Markt weiterarbeiten möchten, müssen in kürzester Zeit eine Modernisierung durchführen, was signifikante materielle, personelle und finanzielle Ressourcen abverlangen wird. Aber langfristig werden sich diese Geschäftsinvestitionen bezahlt machen und Bürger der Ukraine bekommen endlich eine Möglichkeit, qualitätsvolle Produkte auszuwählen.

- Wie hat UKRPLASTIC neue Standards eingeführt? Wie schwierig wird das Verfahren für den Rest des Marktes?

- Wir haben vom Anfang an unser Geschäft nach europäischen Öko-, und Produktionsstandards aufgebaut. Als wir die Unternehmensführung 1997 übernommen haben, haben wir als erstes die Abteilung für Polyvinylchloridfolie geschlossen. Aleksander Galkin hat unbedingt darauf bestanden, dass das Polyvinylchlorid aus der Produktion gezogen wird, weil es nur bei der Verwertung das Dioxin in die Umwelt bekanntlich freisetzt. Viel Zeit und Mittel hat es gekostet, ein gesundheitsfreundliches Material mit entsprechenden Charakteristiken zu synthetisieren.

1999 wurde in unserem Unternehmen der Management Standard ISO 9001 eingeführt und vom Jahr zu Jahr wird die Latte systematisch nach oben getrieben. Wir arbeiten unter HACCP, im Einklang mit den Forderungen von ISO 14001:2004 (Umweltschutz), ISO 22000:2005 (Produktsicherheit) und ISO 9001:2008 (Qualität).

Das Standardisierungsverfahren innehrhalb so einer kurzen Zeit wird für die Unternehmen, die in dieser Richtung nicht gearbeitet haben, nicht wenige Anstrengungen selbstverständlich erfordern, weil einige der Unternehmen ihre Buchhaltung immer noch auf Papier führen. Eine qualitative Evolution lokaler Unternehmen ist aber äußerst notwendig, was früh oder spät gemacht werden soll.

- Nicht desto weniger brauchen folgende Unternehmen wie viele andere auf dem Markt einen zusätzlichen Schutz seitens des Staates bei Inkrafttreten des Abkommens. Muss so ein Schutz ihnen gewährleistet werden?

- Staatsbehörden müssen vor allem beginnen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, die ihnen durch ukrainische Gesetzgebung zur Pflicht gemacht wurde und nicht nur durch das Abkommen. Momentan, wenn traditionelle wirtschaftliche Beziehungen der Ukraine abgebrochen werden, Produktion zurückgeht, Inflation und Staatshaushaltsdefizit herrschen, ist eine effektive staatliche Wirtschaftsregulierung äußerst notwendig. Praxis der Schaffung von Freien Wirtschaftszonen (FWZ) ist in der ganzen zivilisierten Welt eines folgender Instrumente. Die Tätigkeit der FWZ ermöglicht, internationale Zusammenarbeit zu aktivieren und eine große Anzahl an akuten sozialen Problemen darunter Schaffung von Arbeitsplätzen und Reduzierung von Arbeitslosigkeit kurzfristig zu lösen. Dabei muss die Tätigkeit von Freien Wirtschaftszonen aber gegen Korruption geschützt und an strategische Bedürfnisse des Landes gebunden und nicht an Interessen gewisser Unternehmen oder Oligarchen ausgefeilt werden.

Der Staat kann Interessen inländischer Unternehmen auch schützen, indem er den ukrainischen Unternehmen einen Vorzugszutritt zu Einkaufsausschreibungen gewährleistet. Es ist aber für einen ukrainischen Hersteller in den letzten Jahren kaum möglich, eine Ausschreibung über die Lieferung eigener Produkte an den Staat zu gewinnen. Es gelten intransparente Schemen und es fehlen klare und verständliche Regeln. Und Staatsaufträge helfen in dieser schwierigen Übergangsperiode zu sichern und eine Weiterentwicklung von zig ukrainischen Unternehmen zu fördern.

Insgesamt muss der Staat einen einzig richtigen und effizienten Weg in der ganzen Welt beschreiten, Entwicklung von Innovationszweigen der Wirtschaft zu unterstützen. Umso mehr gibt es in der Ukraine positive Erfahrungen solcher Unterstützung ohne Haushaltsfinanzierung schon - über ein spezielles Verfahren für die Tätigkeit von Technoparks, das einen starken Schub für die Entwicklung des Innovationszweiges gegeben hat. Drei Technoparks, die vor über 15 Jahren auf Basis von E. O. Paton-Institut von Elektroschweißen, Wirtschaftlichem und Technischem Komplex (WTK) "Institut von Monokristallen" aus Charkiw und Kiewer Physikinstitut der Halbleiter der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine im Rahmen der Innovationsprojekte geschaffen wurden, haben stabile und auf internationalen Märkten wettbewerbsfähige Produktionen geschaffen. Sie steigern ihre Produktionsvolumen auch heute weiter, zahlen in den Haushalt Steuern, schaffen neue Arbeitsplätze. Zum Beispiel eine Reihe von Unternehmen der Militärindustrie der NATO-Länder setzt Produkte von WTK "Institut von Monokristallen" ein und innovative Entwicklungen von E. O. Paton-Institut werden erfolgreich in Europa und in Amerika verkauft.
Leider wurde die Geltung dieses Gesetzes kurzsichtig blockiert, Projekte eingefroren, weil einige Beamten dies als eine Möglichkeit für Steuerhinterziehung betrachtet haben. In den letzten Jahren hat die Unterstützung des Innovationszweigs der Wirtschaft überhaupt eine spezifische Darlegung bekommen und hat nichts mit realen Innovationen zu tun.

Die Unterzeichnung der Assoziierung gibt eine neue Chance dieser Beschäftigung, weil der Begriff "Innovation" ganz klar in den Standards und Normen der EU und der UNO beschrieben ist.

- Eine der wichtigsten Erwartungen an Assoziierungsabkommen ist Exportsteigerung der landwirtschaftlichen Produkte in die EU. Wie beeinflusst dies Ihr Business?

- Das ist ein sehr guter Trend. Wir rechnen damit, dass Agrarbetriebe die Qualität ihrer Produkte steigern und Betriebe der Lebensmittelindustrie hiesige Rohstoffe für ihren Eigenbedarf aktiver einkaufen können. Es ist kein Geheimnis, dass die führenden Unternehmen dieses Zweiges die meisten Rohstoffe importieren müssen. Der Grund ist banal: in der Ukraine, die durch ihre Schwarzboden und ihr Klima bekannt ist, werden qualitätsvolle Lebensmittel in keinen ausreichenden Volumen hergestellt, die für eine normale Arbeit einer modernen Großproduktion der Lebensmittelindustrie notwendig sind. Das Reformieren dieses Wirtschaftssektors wird zu einem Volumenwachstum hergestellter Produkte und einer Steigerung der Nachfrage nach ihnen führen. Es wird also der Bedarf an Verpackungsarten einer besseren Qualität zunehmen. Stretchfolie ist Zum Beispiel in der Ukraine der meist verbreitete Verpackungsart für Fleischprodukte. Sie wird aber in Europa schon längst nicht mehr eingesetzt und wurde durch eine Barriereverpackung ersetzt, die unter anderem auch von uns produziert wird. Sie wurde von Europäern als günstiger und gefahrloser betrachtet. Dieses Verpackungsmaterial verfügt über hervorragende Öko-, und Einsatzqualitäten, wird in den Verpackungsanlagen gut verarbeitet, beim Recycling setzt keine toxische Mittel frei. Produkte in solcher Verpackung gewährleisten hohe Verbraucherqualitäten innerhalb der gesamten Haltbarkeit.

- Planen Sie im Zusammenhang mit Erleichterung der Geschäftsführung mit Europäischen Gemeinschaft eine Produktion in Ihrem Hoheitsgebiet zu eröffnen?

- Unternehmensaufbau in Europa ist für die meisten ukrainischen Industrieunternehmen nicht nur eine Frage der Logistik. Nicht weniger wichtiges Argument zugunsten der EU ist die Sicherheit und Arbeitstransparenz. Alle verstehen ganz ausgezeichnet, dass wenn das Korruptions-, und Bürokratieniveau nicht abnimmt, die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen ihre Produktionen auslagern, wird nur zunehmen. Unabhängig davon, ob wir ein Assoziierungsabkommen mit der EU haben oder nicht. Wenn der Druck seitens Steuerbehörde und anderer Prüforgane nicht aufhört, blühen Korruptionsschemen in allen Ebenen weiter auf, den Unternehmen wird es immer schwieriger, sich im Hoheitsgebiet der Ukraine zu entwickeln.

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