Neues Volksblatt: "Chuzpe" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 30. Juli 2014

Linz (OTS) - Zumindest ein Gutes dürfte der Aufnahmestopp in Traiskirchen haben: Für Kasernen, die jahrelang vergeblich auf Käufer warteten, gibt es plötzlich Interessenten. In Pinkafeld und Oberwart soll ein Konsortium unter der Federführung der jeweiligen Gemeinde das Areal erwerben. Damit werde erreicht, dass die beiden Kasernenstandorte "jetzt und für die Zukunft nicht mehr als Asylquartiere zur Diskussion stehen", erklärt der burgenländische Landeshauptmann Niessl und verspricht, dass sich das Land finanziell beteiligen wird. Eine Chuzpe: Denn es ist Steuergeld, dass hier für den Kauf verwendet werden soll, um einen anderen Finger der Öffentlichen Hand, dem Verteidigungsministerium, aus der Patsche zu helfen und einem dritten Finger der Öffentlichen Hand, dem Innenministerium, etwas zu Fleiß zu tun. Die Frage, nach der Sinnhaftigkeit scheint nicht einmal mehr zweitrangig.
Eine weitere Chuzpe ist, dass das Land Niederösterreich die Quote derzeit nur durch den Überbelang in Traiskirchen erfüllt. Rechnet man diesen heraus, wäre das Land weit unter den geforderten 88 Prozent. Schuldzuweisungen aus St. Pölten sind also fehl am Platz. Auch ob sich die heiße Kartoffel durch bloßes Herumschupfen abkühlt, darf bezweifelt werden.
Die Lage in Traiskirchen muss natürlich so rasch wie möglich verbessert werden, die Torschlusspanik hilft allerdings niemanden.

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