Neues Volksblatt: "Paradox" (von Herbert Schicho)

Ausgabe vom 26. Juli 2014

Linz (OTS) - Die ÖBB ist mittlerweile ein breit aufgestellter Konzern: Da gibt es etwa Bus- und Lasterflotte, die sehr erfolgreiche Bahnhofoffensive lässt die Mieteinnahmen sprudeln. Und beim Kerngeschäft - dem Zugfahren - hat man offensichtlich auch eine Strategie gefunden. Die Hauptstrecken baut man aus, in die Nebenbahnen investiert man nichts, lässt sie langsam sterben und/oder versucht sie an die Bundesländer zu verkaufen. Den öffentlichen Auftrag könnte man vermutlich eh viel billiger mit der eigenen Busflotte bedienen. Selbst die Kundenparkplätze werden im ÖBB-Jargon zu Park&Ride-Anlagen und die Kosten dafür zur Hälfte der Gemeinde und dem Land aufgebürdet.
Und wenn die Taktik nicht ganz so funktioniert, wird scharf geschossen: Vor einigen Wochen verlor der Postbus die Ausschreibung für Strecken rund um Steyr an "Stern & Hafferl". Sofort sah der Betriebsrat die Qualität und Sicherheit der Fahrgäste in Gefahr. Die Politik müsse die Ausschreibungskriterien ändern. Als ob die Busse von "Stern & Hafferl" schrottreif wären und die angestellten Fahrer keinen Führerschein der Klasse D hätten.
Übrigens: Sollte das Land die Regionalbahnen übernehmen und den Betrieb ausschreiben, wird sich vermutlich - als eine der wenigen -auch die ÖBB bewerben. Und man kann sich gut vorstellen, dass die Sicherheit und Qualität in Gefahr ist, sollten die ÖBB nicht den Zuschlag erhalten. Irgendwie schon paradox!

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