TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel, Ausgabe vom 24.Juli.2014. Von Peter Nindler. "Lehrer oder Lehrer".

Innsbruck (OTS) - Reförmchen in der Bildungspolitik machen noch keinen Staat. Solange die Lehrerinnenausbildung weit verzweigt und nicht an einem Standort vernetzt ist, bleibt Österreich in der bildungspolitischen Sackgasse stecken.

Die Lehrerinnenausbildung in Österreich erfolgt parallel an 14 Pädagogischen Hochschulen und 14 Universitäten. Also an bis zu 28 Ausbildungsinstitutionen, wie der Rechnungshof in seinem jüngsten Bericht auflistet. Obwohl die neue Ausbildungsschiene heuer startet, Aufnahmetests an den Unis durchgeführt werden und das Studium umstrukturiert wird: Parallelstrukturen und Doppelgleisigkeiten werden damit nicht verhindert. Die dadurch anfallenden Mehrkosten waren allerdings bisher schon keine Motivation dafür, grundlegende Änderungen herbeizuführen. Die sind, pädagogisch und bildungspolitisch gesehen, schon überfällig. Eine abgestufte, aber einheitliche Ausbildung für Österreichs Lehrer würde dem Bildungssystem, den LehrerInnen und den Schülerinnen und Schülern sicher guttun.
Doch der Standort bestimmt den Standpunkt, vor allem in der Bildungspolitik. Die Pädagogischen Hochschulen wollen nicht in der universitären Lehrerausbildung aufgehen, und die Universitäten möchten ihre Wiessens-Domäne nicht aufgeben. Und die Standesdünkel zwischen Pflichtschullehrern und den höheren Pädagogen werden vornehmlich von den Personalvertretern geschürt. Damit steckt Österreich dort, wohin es von einer mutlosen Bildungspolitik in den vergangenen Jahren geführt wurde. In einer Sackgasse, die zwar leichte Wendungen ermöglicht, aber eine dringend notwendige Umkehr nicht zulässt. Das neue Lehrerdienstrecht, die reformierte Lehrerinnenausbildung sowie die Erfahrungen der Neuen Mittelschule lassen herzlichst und ideenlos grüßen.
Es benötigt für die angehenden Lehrer endlich eine gemeinsame Ausbildungsstätte mit Praxis- und Wissenscluster und ein ganzjähriges Aus- und Fortbildungssystem. Auch in den Ferien. Wenn die Pädagogischen Hochschulen nur fünf Prozent der Fortbildungen in den Sommermonaten anbieten, dann stimmt etwas nicht.
Ein besonderes Problem bildet dabei die Pädagogische Hochschule Tirol (PHT). Im Entwicklungsverbund West sollten schon längst Impulse für die neue Lehrerinnenausbildung gesetzt werden. Doch über Tagesordnungen ist man bisher nicht hinausgekommen, konkrete Maßnahmen wurden nicht vereinbart. Das stellt der Rechnungshof ebenfalls schonungslos fest. Nach den Turbulenzen um das Rektorat benötigt es deshalb nicht nur personelle Weichenstellungen in der PHT, sondern auch für Ausbildungsreformen.

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