Spitalsärztin/Spitalsarzt 2025 - Die Zukunft der österreichischen Spitäler (2)

Wien (OTS) - Bessere Arbeitsbedingungen

Das Konzept beinhalte auch Ideen zur Neugestaltung der Arbeitsbedingungen, führte der ÖÄK-Vizepräsident weiter aus. Dazu gehöre eine Reduktion der Arbeitszeiten, "was im Rahmen der Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie ohnehin passieren muss", so Mayer. Neu sei der Ansatz, bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen die individuellen Lebensphasen und die damit verknüpften spezifischen Bedürfnisse der Spitalsärzteschaft zu berücksichtigen. Mayer: "Ein junger Turnusarzt hat andere Ansprüche und Erwartungen an seinen Beruf als ein über 50-jähriger Oberarzt." Entscheidend werde sein, dass verschiedene Arbeitszeitmodelle geschaffen würden, zwischen denen die Ärzteschaft frei wählen könne. "Rund zwei Drittel aller Turnusärzte sind bereits Frauen. Wir können von den Kolleginnen nicht erwarten, dass sie sich zwischen Karriere und Familie entscheiden, sondern wir müssen Modelle schaffen, die ihnen beides ermöglichen -übrigens auch den Männern", erklärte Mayer.

Unterm Strich solle der Arbeitsplatz Krankenhaus wieder attraktiver werden. Dazu gehörten auch Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten sich wiederum an den Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte orientieren sollten. Zusätzlich müsse es für alle ärztlichen Gruppen die Möglichkeit der Teilzeitarbeit geben, forderte Mayer.

Selbstverständlich müsste auch die lang geforderte flächendeckende Umsetzung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils erfolgen, und auch die von der Bundeskurie vorgeschlagenen Administrationsassistenten sollten endlich installiert werden. Mayer: "Die Tätigkeitsfelder müssen neu und vor allem klar geregelt werden. Es muss wieder möglich sein, Aufgaben an den Pflegedienst zu delegieren, und es muss wieder möglich sein, dass ältere Ärzte ihre Ausbildungspflicht wahrnehmen anstatt in Administration zu ersticken."

Neue Karrieremodelle

Schließlich müssten auch die Karrieremodelle für Spitalsärztinnen und -ärzte reformiert werden, erklärte Mayer. "Derzeit sieht die durchschnittliche Berufslaufbahn nach Abschluss des Studiums in etwa so aus: Turnus und/oder Facharztausbildung, anschließend Assistenzzeit; mit etwa 36 bis 38 Jahren wird man schließlich Oberarzt. Die meisten bleiben bis zum 65. Lebensjahr in dieser Position", so der Kurienobmann. Das sei für die Kolleginnen und Kollegen auf Dauer frustrierend. Vor allem für Oberärztinnen und -ärzte in der Mitte ihres Berufslebens, also etwa um das 45. Lebensjahr, müssten neue berufliche Perspektiven geschaffen und angeboten werden. Vorstellbar seien etwa neue Positionen als Leiter und/oder Mitglied eines Expertenteams mit autonomen Gestaltungsmöglichkeiten in den Bereichen Budget und Personal, führte Mayer aus.

Daten und Fakten

Die Diagnose

  • Ambulanzen sind überlaufen, jährlich werden rund 16 Mio. Ambulanzbesuche verzeichnet - statistisch gesehen sucht jeder Österreicher zweimal pro Jahr eine Spitalsambulanz auf
  • Personalmangel durch Abwanderung des medizinischen Nachwuchses und drohende Pensionierungswelle
  • Kaum durchgehende Karrieren, mangelnde berufliche Perspektiven
  • Überlange Arbeitszeiten, die zudem nicht den individuellen Bedürfnissen angepasst sind
  • Schwächen im Bereich der kollegialen Führung
  • Überbordende Administration und Dokumentation
  • Unzureichende Delegation von pflegerischen Tätigkeiten an Pflegepersonal
  • Feminisierung der Medizin - rund zwei Drittel der Turnusärzte sind bereits Frauen

Die Therapie

  • Spitalsambulanzen sind nur noch über Zuweisung zugänglich, ausgenommen Notfalleinweisung
  • Attraktivere Arbeitsbedingungen und Karrieremodelle können junge Ärztinnen und Ärzte im Land und damit im Spital halten
  • Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie sowie Schaffung flexibler Arbeitszeitmodelle
  • Anpassung der Arbeitsbedingungen an die jeweilige Lebenssituation
  • Führungsverantwortung liegt ausschließlich in ärztlicher Hand
  • Administrationsassistenten entlasten Ärztinnen und Ärzte
  • Umsetzung des Turnusärzte-Tätigkeitsprofils
  • Delegation von pflegerischen Tätigkeiten
  • Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen mit flexiblen Öffnungszeiten

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