CARE: Trauriger "Wettbewerb" um Aufmerksamkeit für Hungerkrisen

Somalia, der Südsudan und die Sahelzone benötigen mehr Unterstützung / Konflikte und Dürren erschweren die humanitäre Hilfe

Wien (OTS) - Vor drei Jahren wurde in einigen Regionen Somalias eine Hungersnot ausgerufen, die rund 260.000 Menschenleben forderte. Nun warnt ein Konsortium von 23 vor Ort tätigen Hilfsorganisationen, darunter CARE, dass sich die Zeichen einer erneuten Dürre und Nahrungsknappheit mehren. Seit Januar hat das "Somalia NGO Consortium" bereits acht Warnungen herausgegeben. Vor drei Jahren brauchte es 16 Frühwarnungen und die letztendliche Erklärung einer Hungersnot durch die Vereinten Nationen am 20. Juli 2011, bis endlich ausreichend Gelder zur Verfügung gestellt wurden.

"Auf eine Nahrungskrise zu reagieren kostet mindestens dreimal so viel wie vorsorgende Maßnahmen", warnt CARE-Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager. "Wenn wir die Warnhinweise weiterhin ignorieren, wird der Preis dafür nicht nur für die Geberstaaten hoch sein, sondern vor allem für die Gemeinden in Somalia."

In den letzten drei Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die in Somalia unmittelbar von Nahrungshilfe abhängig sind, von vier Millionen auf 2,9 Millionen reduziert. Grund dafür waren die Aufstockung der Mittel und ein bisweilen besserer Zugang zu den Gemeinden. Die Hilfsorganisationen konnten neben der unmittelbaren Nothilfe auch daran arbeiten, längerfristige Vorsorgemaßnahmen umzusetzen und den Kreislauf von Dürre und Hunger zu durchbrechen. In den letzten Monaten aber haben eine sehr schlechte Regenzeit, unzureichende finanzielle Mittel, Konflikte und Vertreibungen dazu geführt, dass diese Erfolge nun bedroht sind.

Zurzeit sind über 300.000 somalische Kinder unterernährt, 2,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe zum Überleben angewiesen. Diese Zahlen werden noch stark ansteigen, wenn die Unterstützung nicht bald aufgestockt wird. Besonders hart sind die über 1,1 Millionen Menschen betroffen, die im eigenen Land vertrieben sind.

Die dringend benötigte humanitäre Hilfe für Somalia ist derzeit nur zu 27 Prozent finanziert. Konkret bedeutet diese Unterfinanzierung, dass Programme zur Nahrungshilfe und Versorgung der Bevölkerung beendet werden müssen.

Neben Somalia werden derzeit zahlreiche andere Länder von Nahrungsknappheit geplagt, die durch Konflikte und mangelnde Finanzierung von Hilfsprogrammen noch verschärft wird. Im Südsudan, wo gegenwärtig die größte humanitäre Krise in Afrika stattfindet, stehen gemäß dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen über drei Millionen Menschen einer Nahrungsknappheit gegenüber, die Tendenz ist steigend. Ebenso unsicher ist die Ernährungslage in der Sahelzone: In Mali sind laut jüngsten UN-Zahlen rund 1,5 Millionen Menschen von Nahrungsknappheit bedroht. Geschätzt wird, dass diese Zahl bis Ende August auf 1,9 Millionen ansteigen wird; 496.000 davon sind Kinder unter fünf Jahren. Im Niger haben Familien in über 110 Dörfern zahlreiche Flüchtlinge aus Nigeria aufgenommen, und müssen sich nun ihre Mahlzeiten teilen. Und auch im Tschad übt die Ankunft von rund 106.000 Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik Druck auf die Ressourcen der lokalen Bevölkerung aus.

"Es darf nicht soweit kommen, dass durch die Vielzahl an Hungerkatastrophen einige Länder nicht länger als Priorität angesehen werden", erklärt CARE-Chefin Wagner-Hager. "Die erschütternden Zahlen aus den verschiedenen Ländern weisen deutlich auf den traurigen "Wettbewerb" um Aufmerksamkeit hin, der sich zum Thema Hunger gegenwärtig abspielt. Als Hilfsorganisation rufen wir alle Akteure dazu auf, die Warnhinweise ernst zu nehmen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die somalische Bevölkerung vor einer weiteren Hungersnot zu schützen und gleichzeitig die Nahrungssicherung im Südsudan und in der Sahelzone zu gewährleisten. Es ist eine große Herausforderung aber wir haben das nötige Wissen und die Erfahrung, um umfassend Hilfe zu leisten."

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