Landau: "Das Sterben im Mittelmeer muss endlich ein Ende haben!"

181 Tote bei grauenhaftem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa. Caritas fordert entschlossenes Handeln in Österreich und in Europa.

Wien (OTS) - Menschen fliehen vor Dürre und Hunger. Vor Verfolgung und Folter. Vor Kriegen und Tod.
Laut Innenministerium in Rom wird heuer die Zahl der Neuankömmlinge in Europa erstmals 100.000 übersteigen. Seit dem Jahr 2000 sind bereits 23.000 Menschen bei dem Versuch, in ein neues Leben aufzubrechen, gestorben.

"Hungerkatastrophe im Westsahel, im Südsudan und Bürgerkrieg in Syrien - die Menschen verlassen aus purer Todesangst, oft nur mit dem was sie gerade am Leib tragen ihre Heimat. Die aktuellen Ereignisse machen die unfassbare Verzweiflung der Menschen deutlich. In einer globalisierten Welt, die mit all ihren Vor- und Nachteilen gerne auch als globales Dorf bezeichnet wird, lässt sich Verantwortung nicht abschieben. Wir müssen helfen und nicht wegschauen", fordert Caritas Präsident Michael Landau und weiter: "Wenn in Europa Banken ins Wanken geraten, werden über Nacht Rettungspakete geschnürt. Wenn im Mittelmeer Menschen zu tausenden ertrinken, werden Zäune erhöht und der Grenzschutz verstärkt. Keine Rettungspakete, ja nicht einmal genügend Rettungsringe werden ausgeworfen. Das ist ein Verbrechen."

"Die Abschottungspolitik der EU verwehrt den Menschen den Zugang zu Schutz in der EU und zwingt diese lebensgefährlichen Fluchtwege - wie jenen über das Mittelmeer - zu nehmen. Wir brauchen in dem Bereich mehr und nicht weniger Europa. Wer Schleppern wirklich das Handwerk legen möchte, muss legale Antragsmöglichkeiten in den Herkunftsländern schaffen und legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge und Migranten nach Österreich und Europa sicherstellen", so der Caritas Präsident, der gerade von einer Reise aus dem Libanon zurück gekehrt ist, wo er sich ein Bild von der verheerenden Situation der syrischen Flüchtlinge machen konnte.

"Mehr als die Hälfte der vom Bürgerkrieg in Syrien betroffenen Menschen sind Kinder. Was heißt das für uns, in Österreich, in Europa? Wir müssen handeln, weil wir als Menschen füreinander Verantwortung tragen. Und auch ganz nüchtern, weil Wohlstandsinseln in einem Meer von Armut auf Dauer nicht stabil sind", so Michael Landau.

Weitere Forderungen der Caritas

  • Vorrangig sind dauerhafte Maßnahmen zur Rettung in Seenot geratener Menschen sicherzustellen. Flüchtlingsbooten kann und muss geholfen werden, sowohl durch die zuständigen EU-Agenturen als auch durch europäische Mitgliedsstaaten. "Push backs" von Flüchtlingen an Grenzen und auf See nehmen den Tod dieser Menschen in Kauf und müssen sowohl seitens der EU-Mitgliedstaaten als auch der Europäischen umfassend verhindert werden.
  • Das geltende EU-Aufnahmesystem für Flüchtlinge in Europa muss reformiert werden. Die Grenzregionen der Union müssen verstärkt finanzielle Unterstützung für die adäquate Aufnahme von Flüchtlingen erhalten, v.a. für kleine und wirtschaftlich schwächere Länder muss über geänderte Verteilungsregelungen nachgedacht werden. Anknüpfungspunkte der Flüchtlinge (z.B. Familie) in Europa müssen stärker berücksichtigt werden.
  • Europaweit müssen jährliche Resettlement-Programme(=Neuansiedlung) zur gesteuerten Aufnahme von besonders verletzlichen oder besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit UNHCR als wichtige Ergänzung zum nationalen Asylsystem zur Verfügung stehen. Dies erfordert auch die internationale Solidarität mit den oft überstrapazierten Erstzufluchtländern.
  • Verantwortung für die Situation in den Herkunftsländern ist sowohl in allen politischen Belangen als auch im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zu übernehmen. Eine maßgebliche Aufstockung der finanziellen Mittel ist dringend notwendig.

Laut Amnesty International hat die EU zwischen 2007 und 2013 fast zwei Milliarden Euro für den Bau von Zäunen, hochentwickelten Überwachungssystemen und Grenzkontrollen ausgegeben. Dagegen sind nur 700 Millionen Euro aus dem EU-Budget in den Ausbau der Asylverfahren und die Verbesserung der Situation von Asylsuchenden geflossen.

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