"Angeklagter muss sich freibeweisen" - Zum Prozessverlauf gegen Josef

Nichtssagende Schmauchspuren und fehlende Pflastersteine - Heute Pressekonferenz mit den Anwält_innen

Wien (OTS) - Der zweite Prozesstag begann mit einem Gutachten über Schmauchspuren an Josefs Handschuhen. Laut Vorwurf des Belastungszeugen habe Josef einen pyrotechnischen Gegenstand gezündet - das Ergebnis des Gutachtens aber kann alles und nichts über das unterstellte Hantieren Josefs mit Pyrotechnik aussagen: Drei gefundene Nitrit-Partikel können laut Sachverständigerin sowohl vom Entzünden einer Rauchbombe als auch von Luftkontakt in der nähereren Umgebung stammen.

Danach ging es um die "versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung", die Josef laut Belastungszeuge durch einen Pflastersteinwurf begangen haben soll. Journalist_innen und Mitarbeiter der MA48 wurden einvernommen - auch hier konnte niemand diese Anschuldigung bestätigen.

"Ein einzelner Zeuge - ein Polizist in Zivil, der selbst festgenommen wurde - belastet Josef. Bisher konnte sonst nichts die Anschuldigungen untermauern", fast Michael Genner, Obmann von Asyl in Not zusammen. "Es macht wirklich immer mehr den Eindruck, dass die Verteidigung Josef freibeweisen muss, anstatt dass ihm von der Staatsanwaltschaft die vorgeworfenen Straftaten nachgewiesen werden müssen."

Trotzdem zeigte sich Richter Spreizer gestern weitaus weniger geduldig und offensichtlich entnervt von der Absicht der Verteidigung, durch ihre Beweisanträge und Befragungen von Zeug_innen entlastende Fakten zusammenzutragen. "Es schien, als ob er im Geiste des abwesenden Staatsanwaltes Kronawetter den Gesamtverlauf der NoWKR-Demo zum Gegenstand der Anklage machen und Josefs alleinige Anwesenheit in der Wiener Innenstadt zur strafbaren Handlung erheben wollte. Daher schloss der Richter die Verhandlung mit eindrucksvollen Videos ohne Relevanz für den Prozess, aber gut um "Stimmung zu machen"", teilt eine Prozessbeobachterin ihren Eindruck.

Heute, Dienstag, findet der dritte Verhandlungstag statt, mit der Befragung der Polizeieinheit, die nach Auflösung der Demonstration am 24.1. in der Mitte des Stephansplatzes zurückblieb. Nach heutigem Prozessende ist eine Pressekonferenz der Solidaritätsgruppe geplant, an der u.a. die Verteidiger_innen Josefs teilnehmen werden:

Pressekonferenz.
22. Juli, 17 Uhr (19 Uhr, sollte die Verhandlung länger andauern) Café Stein, Währingerstraße 6-8, 1090 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Solidaritätsgruppe für die Repressionsbetroffenen vom 24. Jänner 2014
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0681 84403310

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